Oldenburger Stadtmuseum: Ausstellung über Vertreibung von Deutschen

38 Gramm Brot pro Tag mussten reichen

Dr. Hans-Ulrich Minke, Horst Milde und Thomas Kossendey (v. l.) informierten über die „Operation Schwalbe“. - Foto: Eilers

Oldenburg - Von Klaus Eilers. 200 000 Vertriebene kamen infolge des Zweiten Weltkriegs ins Oldenburger Land, davon etwa 40.000 in die Stadt Oldenburg. Die meisten von ihnen stammten aus dem heutigen Polen, von wo die Behörden sie unter dem Decknamen „Operation Schwalbe“ systematisch umsiedelten. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Vertriebene der Oldenburgischen Landschaft und das Stadtmuseum erinnern am 3. und 4. September mit einer zweitägigen Veranstaltung sowie einer Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg an diese Zeit.

„Innerhalb von wenigen Stunden, manchmal auch nur innerhalb einer Stunde, mussten die Menschen fertig zum Aufbruch sein: nur mit Handgepäck, 100 Reichsmark und etwas Verpflegung ausgestattet, die für vier Tage reichen sollte“, sagt Doktor Hans-Ulrich Minke, Leiter der AG Vertriebene. In Wirklichkeit sei die Versorgung mit Lebensmitteln aber vollkommen unzureichend gewesen. „Im Durchschnitt gab es 38 Gramm Brot pro Tag“, verdeutlicht Minke. Die Transporte hätten in der Regel vier bis sechs Tage gedauert, manchmal aber auch bis zu drei Wochen, sagt Hans-Wolfgang Pietsch von der AG Vertriebene. Und das auch bei klirrendem Frost: „Zum Teil herrschten im Winter 1946/47 Temperaturen bis zu 24 Grad unter null“, sagt Pietsch. Über die Umstände der Vertreibung urteilt Horst Milde, ehrmaliger Präsident des Niedersächsischen Landtages, der als Elfjähriger mit seiner Mutter aus Breslau flüchtete: „Das war pures Unrecht, wenn nicht gar ein Verbrechen.“

Die britische Rhein-Armee und die polnischen Behörden hatten am 14. Februar 1946 unter dem Namen „Operation Schwalbe“ das Abkommen über die Aussiedlung der Deutschen aus Polen und den polnisch verwalteten Gebieten geschlossen. Der erste Transportzug fuhr am 20. Februar 1946 aus Breslau ab und traf sechs Tage später mit 1 333 Personen im Lager Alversdorf ein. Weitere 344 Transporte folgten. „Der letzte erreichte am 8. Januar 1947 Delmenhorst“, weiß Pietsch. Die Transporte bestanden in der Regel aus 55 Güterwagen, in denen meist mehr als 30 Menschen eingesperrt waren. Insgesamt wurden 1,36 Millionen Vertriebene im Rahmen der „Operation Schwalbe“ in die britische Zone verfrachtet. „In Städten lebten die Flüchtlinge anschließend oft in Kasernen, auf dem Dorf aber auch häufig in Hühner- und Schweinetällen“, sagt Pietsch.

Die zweitägige Veranstaltung am 3. und 4. September im Stadtmuseum beginnt jeweils um 16 Uhr. Die Ausstellung wird im Rahmen des ersten Veranstaltungstages eröffnet und geht bis zum 25. September.

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