Bernd Rothmann referierte über Megalitgräber

Nordeuropas älteste Bauwerke

Sie kennen die Geschichte der Megalithgräber: Bernd Rothmann und die Vorsitzende des UZW Svea Mahlstedt, mit Filius Joost. Das Foto wurde beim „Großreinemachen“ im Juli an den „Hohen Steinen“ in Kleinenkneten aufgenommen.Archivfoto: Siemer

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (hen) · Sie sind meist älter als die ägyptischen Pyramiden und mit 7 000 Jahren die ältesten Bauwerke Nordeuropas. Einige von ihnen wurden in der Wildeshauser Geest vor mehr als 4 700 Jahren erbaut: Die Rede ist von den Megalithgräbern – aus dem Griechischen von „mega“ für groß und „lithos“ für Stein.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen (UZW) berichtete Bernd Rothmann aus Ahlhorn in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Denkmalspfleger in Großenkneten über „Allerlei Megalithisches aus der Wildeshauser Geest – Was man über unsere Großsteingräber wissen sollte“.

Der Hobby-Archäologe und ehrenamtliche Denkmalpfleger kennt sich bestens in der Geschichte und mit dem Erhalt der Naturdenkmäler aus. So kümmert er sich schon seit etlichen Jahren unter anderem in Visbek um den tadellosen Zustand der bekannten Hünenbetten „Visbeker Braut und Bräutigam“. Dass es sich bei den historisch bedeutsamen Bauwerken um weit mehr als Gräber handelt, weiß Rothmann anschaulich und fundiert zu berichten.

Im vierten Jahrtausend seien die Menschen sesshaft geworden, aus Sammlern und Jägern seien Bauern geworden. Sie schufen die „Infrastruktur“ für den Bau der gewaltigen Megalithgräber, die von mehreren Generationen für die Totenbestattungen genutzt wurden. „Dazu gibt es zwei Theorien“, hob der Hobbyarchäologe hervor. Entweder seien die Toten an einer anderen Stelle verwest und nur deren Knochen in Gräbern abgelegt worden, oder aber die Verstorbenen seien unmittelbar nach ihrem Ableben in der Grabkammer bestattet worden. Ältere Knochen wurden bei solchen Nachbestattungen zur Seite geräumt.

Als Material der Grabanlage dienten Findlinge, die vor 235 000 bis 125 000 Jahren während der Saale-Eiszeit aus Skandinavien kamen (nordische Geschiebemegalith).

Jahrtausende später wurden die Steine vermutlich mit Ochsen oder Menschen transportiert. Dabei dienten dünne Baumstämme als Schienen und Rollen unter den Findlingen. Dabei handelte es sich um ausgesuchte Steine, die an einer Seite abgeflacht waren und vorwiegend zur inneren Grabkammer zeigten.

Auch davon, dass es zum Bau der Grabanlagen zwei Theorien gebe, wusste Rothmann zu erzählen. Einerseits gehe man bei der für die damalige Verhältnisse handwerklichen Meisterleistungen davon aus, dass zuerst Tragsteine aufgestellt worden seien. Die eigentliche Kammer hätten die Menschen mit Erde aufgefüllt, über Erdrampen seien die Decksteine auf die Tragsteine gebracht worden. Danach habe man die Erde aus der Kammer entfernt, den Boden gepflastert und die Zwischenräume mit so genanntem „Zwickelmauerwerk“ aufgefüllt. Die Anlage sei dann mit einem Erdhügel abgedeckt worden.

Dagegen geht die zweite Theorie davon aus, dass zuerst die Decksteine auf einem Erdhügel abgedeckt und im Anschluss die Tragsteine eingepasst worden sind.

„Bei der Rekonstruktion des Kleinenkneter ‚Hünenbettes Eins‘ wurde ermittelt, dass 100 Männer das Grab in drei bis vier Monaten hätten fertig stellen können“, verriet Bernd Rothmann.

„Viele Gräber sind nur noch in Resten erhalten, einige vollständig verschwunden“, ging Rothmann auf die Zerstörung der Naturdenkmäler in den vergangenen 250 Jahren ein. Nur wenige Gräber ließen noch ihre alte Großartigkeit erahnen.

Anfang der 1930-er Jahre hatte der Altertumsverein Oldenburg angeregt, eine Grabung an einem Großsteingrab in Steinkimmen durchzuführen. Diese Pläne seien jedoch geändert worden: Die „Großen Steine Eins“ von Kleinenkneten sollten statt dessen ausgegraben werden. Unter Fachleuten war die Theorie aufgestellt worden, dass Hünenbetten altgermanische Kulthäuser gewesen seien.

Um diese Theorie zu widerlegen, sollte die Grabung an dem Hünenbett „Kleinekneter Steine Eins“ durchgeführt werden. Durch die Grabung wurden die existierenden Grabanlagen vollständig zerstört. Daraus ergab sich die Frage: „Den Zustand von 1935 wiederherstellen oder eine Rekonstruktion anfertigen?“ Man entschied sich schließlich für eine Restaurierung.

Im Juni 1934 begannen die Vermessungarbeiten, die 1937 durch den Reichsarbeitsdienst unterstützt wurden. Grabungsleiter waren Professor Doktor Jakob-Fiesen aus Hannover und drei Wochen später Karl Michaelsen vom Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg. Im November 1937 war die Rekonstruktion fertig gestellt und die Arbeiten wurden zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eingestellt.

Bei der Wiederherstellung stieß man nicht nur auf Funde, wie Steinbeile, Pfeilspitzen, Bernsteinperlen und zahlreiche Keramikscherben, sondern entdeckte eine dritte, bis dahin unter dem Erdboden verborgene Kammer. Es stellt sich die Frage, ob diese Kammer zwischen zwei seperaten Kammern eingebaut wurde. Trotz Spuren von Sprengversuchen an der ersten Kammer, sind diese und die dritte Kammer unberührt.

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