Wahlkandidaten zur Energiepolitik in Harpstedt

„Wir müssen die Bürger mehr denn je mitnehmen“

Um energiepolitische Weichenstellungen ging es in der Informationsveranstaltung. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Den Energiebedarf zu 100 Prozent aus nachwachsenden Ressourcen decken – dieses Ziel hat sich die Harpstedter Energie-Agentur (HEA) schon vor 15 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Doch die Energiewende stößt, wie sich gerade jetzt im Zusammenhang mit der Ausweisung neuer Windparkflächen in der Samtgemeinde Harpstedt zeigt, auf Widerstand und Protest.

Daher müsse die Politik die Bürger mehr denn je mitnehmen, betonte Hartmut Post (CDU) am Dienstag während einer Vortrags- und Informationsveranstaltung der HEA im Hotel „Zur Wasserburg“. Im zweiten Teil des Abends erklärten sich Kandidaten von Parteien, die bei der Kommunalwahl antreten, und der einzige Einzelbewerber, welche energiepolitischen Weichenstellungen ihnen für die nächsten fünf Jahre im Interesse des Klimaschutzes vorschweben. 

Die Reihenfolge der Wortmeldungen loste der HEA-Vorsitzende Cord Remke aus. „Damit ich nicht dafür verantwortlich bin“, merkte er schmunzelnd an. Die Samtgemeinde Harpstedt habe das Klimaschutzkonzept des Landkreises Oldenburg mit auf den Weg gebracht und verabschiedet; sie müsse daher nun auch ihren Beitrag leisten, um es mit Leben zu füllen, bekräftigte er.

Hartmut Post sah die Notwendigkeit, sich alle öffentlichen Gebäude in der Samtgemeinde anzuschauen, um etwaiges weiteres Energieeinsparpotenzial ausschöpfen zu können. Die eine oder andere Heizung bedürfe ebenso einer Überprüfung. Eine kommunale Bezuschussung energetischer Sanierungen in Altbauten privater Eigentümer nach Dötlinger Vorbild sei vielleicht sinnvoll. Chancen für mehr klimafreundliche Mobilität böte nach Posts Einschätzung neben Mitfahrerbänken ein „Bürger-Auto“, also ein öffentliches Carsharing-Fahrzeug mit Elektroantrieb, vielleicht sogar kombiniert mit Ehrenamtlichen, die Fahrdienste übernehmen. „Wir versuchen das schon in Dünsen anzuschieben“, sagte der CDU-Politiker.

„Wir sind natürlich auch für erneuerbare Energie. Wir sind ja nicht betriebsblind und wissen, dass es so wie bislang, nämlich mit den fossilen Energien, nicht weitergehen kann“, sagte FDP-Kandidat Claus Przygodda. Er gab zu, nicht so „im Thema zu stecken“. Solaranlagen für öffentliche Gebäude wie Feuerwehrhäuser konnte er sich unter anderem vorstellen.

HBL-Kandidatin Sandra Hormann wartete mit einem ganzen Bündel von Vorschlägen auf. Ein zu gründendes Expertenteam aus fachkompetenten Menschen aus der Samtgemeinde sollte nach ihrer Ansicht denkbare energiepolitische Maßnahmen prüfen und bewerten. 

Eine Bestandsaufnahme sei vonnöten. Darin müssten diverse Fragestellungen einfließen: „Was hat die Samtgemeinde schon für den Klimaschutz getan? Wie sehen die aktuellen Energieverbräuche in kommunalen Gebäuden aus? Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien? Welche Dächer von kommunalen Gebäuden sind alt und stehen in den nächsten Jahren zur Sanierung an? Wie alt sind die Heizungen, und mit welchen Brennstoffen werden sie betrieben?“, nannte Hormann Beispiele. 

Sie schlug zusätzlich die Entwicklung eines eigenen Klimaschutzkonzeptes für die Samtgemeinde vor. „Wir müssen ganz klar machen, was wir in welchen Zeiträumen erreichen wollen.“ Kommunale Anreize für Bauherren, beim Hausbau Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien zu installieren, schwebten Hormann ebenso vor.

Dass sich klimafreundliche Energiepolitik oftmals nur „mit Zwang“ durchsetzen lässt, hat sich nach Einschätzung von Einzelbewerber Horst Bokelmann bei der Windkraft gezeigt. Bei der Biomasse sah er das mögliche „Level“ weitgehend ausgeschöpft, zumal diese Ressource ja flächengebunden sei. 

„Also bleibt der Sonnen-Anteil, und da haben wir sicher noch nicht alles erreicht, was man erreichen kann. Da muss was investiert werden.“ Der Staat müsse weg von der bisherigen Form der Subventionierung über die Einspeisevergütung kommen – und hin zu Subventionen für Innovationen der Industrie, etwa im Bereich der Verbesserung von Stromspeichertechnologien.

Die Kommune müsse Impulsgeber für die Nutzung regenerativer Energien und neuer Technik sein, teilte Götz Rohde, der für die Grünen kandidiert, eine Einschätzung von Sandra Hormann. Er trat für ein konsequentes Klimamanagement ein, ebenso für ein professionelles Beratungsangebot für die Bürger – auch zu Förderprogrammen. Eine mögliche Vision für die Samtgemeinde wäre, so Rohde, „neben der Solarthermie die Nutzung der Erdwärme.“

„Sonnenenergie ist für mich der entscheidende Punkt, wenn auch noch mit vielen technischen Problemen behaftet“, äußerte sich SPD-Kandidat Hermann Schnakenberg. „Was mir aber etwas gegen den Strich geht, ist die Förderung. Wir müssen die Leute dazu bringen, auch ohne Subventionsanreiz auf erneuerbare Energien zu setzen.“ In der Windkraft sah Schnakenberg nur eine „temporäre“ Form der Energiegewinnung. „Irgendwann wird sich der Mensch noch mehr dagegen stemmen, als er er heute schon tut. Die von den Anlagen ausgehenden Emissionen werden auch hier heiß diskutiert und sind auf Dauer nicht tragbar.“

boh

Mehr zum Thema:

Ermittler nach Anschlägen in Dresden unter Erfolgsdruck

Ermittler nach Anschlägen in Dresden unter Erfolgsdruck

Mercedes E-Klasse T-Modell

Mercedes E-Klasse T-Modell

Asiatische Nudeln Ramen, Soba, Udon

Asiatische Nudeln Ramen, Soba, Udon

Der Herzschlag ist durcheinander

Der Herzschlag ist durcheinander

Meistgelesene Artikel

Fahrer bei Unfall in Ganderkesee lebensgefährlich verletzt

Fahrer bei Unfall in Ganderkesee lebensgefährlich verletzt

Friedenswünsche: Keine Waffen und Ballerspiele

Friedenswünsche: Keine Waffen und Ballerspiele

Schröder zeigt, was Baugeräte können

Schröder zeigt, was Baugeräte können

Pasta, Unterricht und Training: Fußball-Elite in Wildeshausen

Pasta, Unterricht und Training: Fußball-Elite in Wildeshausen

Kommentare