Viele Erinnerungsstücke hat sie unwiederbringlich verloren

Nach Hausbrand: 61-jähriger Frau sind nur das Auto und der Hund geblieben

Der Hausbrand „In der Heide“ in Annen rief am Dienstagabend ein Großaufgebot an Einsatzkräften auf den Plan. Die Ursache des Feuers ist noch unklar. - Foto: boh

Groß Ippener - Von Jürgen Bohlken. Ein paar Wände stehen noch. Ansonsten ist alles verbrannt, verrußt, eingestürzt, zerstört. Inmitten der Schuttberge liegt der Schornstein. Am Morgen danach, bei Tageslicht, macht sich Gudrun B.* ein erstes Bild davon, was von ihrem in Flammen aufgegangenen Zuhause „In der Heide“ in Groß Ippener-Annen übrig geblieben ist – aus einigen Metern Entfernung. Rotweißes Absperrband signalisiert Passanten: Betreten verboten!

„Ich darf erst auf das Grundstück, wenn die Polizei es nach den Ermittlungen zur Brandursache freigegeben hat“, verrät die 61-Jährige in Begleitung ihres Hundes. Zumindest der geliebte Vierbeiner ist ihr geblieben. Den Grund für das Feuer vom Dienstagabend kann sie sich nicht erklären. Der Herd sei jedenfalls nicht eingeschaltet gewesen. „Ich war ja nur gut drei Stunden weg“, erzählt Gudrun B., ehe Beamte aus Wildeshausen mit Köfferchen vor Ort eintreffen, um erste Nachforschungen anzustellen – in der Hoffnung, Brandherd und -ursache auf die Spur zu kommen.

„Um halb sechs am Abend bin ich nach Syke gefahren, wo ich arbeiten musste“, erinnert sich die Fitnesstrainerin. Gegen 20 Uhr sei sie wieder in Richtung Groß Ippener aufgebrochen. „Unterwegs musste ich tanken, und ich bin auch noch kurz mit dem Hund Gassi gegangen.“ Als sich die 61-Jährige ihrem Wohnsitz näherte, ließen die zahlreichen eingeschalteten Blaulichter schon nichts Gutes ahnen. Gegen 21 Uhr stand die Jungseniorin vor den Trümmern ihres Zuhauses. Die Löscharbeiten liefen auf vollen Touren. Das Holzhaus brannte wie Zunder –und am Ende völlig aus. Nachbarn waren auf die Flammen aufmerksam geworden. „Sie haben gegen 20 Uhr die Feuerwehr angerufen“, schildert Gudrun B.

Fürs Erste kommt sie bei einer Freundin unter

Verbrannt, verrußt, eingestürzt: Das Feuer hinterließ nur noch Schutt und Asche. - Foto: Bohlken

Sie wirkt gefasst, aber unsagbar traurig. „Ich habe nichts mehr. Na ja, fast nichts. Immerhin ist mir das Auto geblieben“, seufzt die 61-Jährige. Ob wertvolle Dinge verbrannt seien? „Zumindest wertvoll für mich“ , erwidert die alleinstehende Frau auf diese Frage. Sie habe das Haus sehr gemocht. „Da hängen so viele schöne Erinnerungen dran. 24 Jahre habe ich in diesen Räumen gewohnt. Hier habe ich mein Kind groß gezogen. Ich kann mir neue Klamotten kaufen. Aber die Fotos aus der Kindheit meiner Tochter sind alle für immer verloren. Und auch die Videos, die ich gemacht habe, wenn sie sich beim Eiskunstlaufen beweisen musste.“ Die Tochter wisse noch gar nichts „von meinem Unglück“, so die 61-Jährige. „Sie studiert in Kairo. Normalerweise unterhalten wir uns über Skype. Aber nicht einmal das geht im Moment. Mein Laptop ist ja auch verbrannt.“ Eine Nacht bei Nachbarn, in der die Sorgen sie plagten und an ihr nagten, liegt hinter der Ippeneranerin. Am Morgen darauf folgt mal eine gute Nachricht: „Ich konnte eine Freundin aus Bremen erreichen, die mir angeboten hat, fürs Erste bei ihr zu wohnen.“

Die Siedlung „In der Heide“ sei ursprünglich ein Wochenendgebiet gewesen, weiß Gudrun B. Schon vor langer Zeit sei der Bereich aber für dauerhaftes Wohnen freigegeben worden. „Damals war meine Tochter etwa ein Jahr alt. Ohne die Freigabe hätten wir das Haus gar nicht gekauft. Auch die Nachbarn wohnen alle ständig hier.“

Leider hätten die Anlieger der recht abgelegenen Siedlung eher wenig Kontakt zu denen, die zentraler wohnen, bedauert Groß Ippeners Bürgermeister Georg Drube. Ein paar davon seien in Vereinen; andere aber lerne auch er selbst erst kennen, wenn sie alt seien und er anlässlich eines runden Geburtstages zum Gratulieren komme.

Vor vielen Jahren hatte die Einwohnerschaft Ippeners Solidarität mit der Familie Hohnholz bewiesen, die – ebenfalls kurz vor Weihnachten – ihr Zuhause als Folge eines verheerenden Brandes verlor. Ob sich die Welle der Hilfsbereitschaft nun wiederholt, wird sich zeigen.

*Name von der Redaktion geändert.

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