Satire im Zug erheitert rund 20 Zuhörer

Veganerfleisch? Ist das erlaubt?

Musikalisch unterstützten die Violinistinnen Clara Meyer-Nicolaus (l.) und Ute Klitte den Satiriker „Franz Zehnbier“. - Foto: an

Harpstedt - Solche Geschichten sind den Fahrgästen der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) gewiss noch nicht zu Ohren gekommen: Im Rahmen des Jubiläums zum 40-jährigen DHEF-Bestehen hat der Bildhauer Franz Robert Czieslik aus Groß Ippener, der als „Franz Zehnbier“ auch Kolumnen schreibt, am Freitag vor rund 20 Zuhörern „Satire im Zug“ gelesen. „Die Land-Streicher“ umrahmten die Veranstaltung musikalisch.

Hinter diesem Namen verbargen sich die Violinistinnen Ute Klitte und Clara Meyer-Nicolaus. Stilecht begrüßte Eisenbahnfreund Torben Kluwe die Gäste in der Rolle des Zugführers.

Die satirischen Erzählungen, die ursprünglich als gesprochene Kolumnen für verschiedene Radiosender entstanden waren, nahmen die Zuhörer mit auf eine „Reise um die Welt“. Da machte es gar nichts, dass der historische Eisenbahnwaggon, in dem die Lesung über die Bühne ging, den ganzen Abend an Ort und Stelle im Harpstedter Bahnhof verblieb. Die Passagiere jedenfalls konnten ihrer Phantasie, angeregt durch Zehnbiers Worte und die Geigenklänge in den literarisch-schöpferischen Pausen, freien Lauf lassen.

Passend zur Kommunalwahl waren die Politiker die ersten, die Zehnbier mit seiner scharfen Zunge aufs Korn nahm. Er erinnerte dabei jedoch an die vergangenen Bundestagswahlen. Damals sei es zu einer Anzeige bei der Polizei gekommen, habe sich eine Dame doch von dem Kopf eines gewissen Herrn Steinbrücks, der von einem Laternenpfahl aus direkt in ihr Fenster starrte, einfach zu sehr beobachtet gefühlt. Zehnbier konnte die Entscheidung der Frau, den Politikern am Wahltag „einen gehörigen Strich durch die Rechnung“ zu machen, nachvollziehen. Schließlich habe er sich selbst eindeutig für „das kleinere Übel“ entschieden, als er sich der Satire zugewandt und nicht etwa damit begonnen habe, politische Reden zu schreiben.

Zehnbier nahm sein Publikum auch mit auf eine „Schnitzeljagd mit Worten durch Küchen und Kühlregale“. Dabei zog er den alltäglichen Einkaufswahnsinn genüsslich durch den Kakao. Wie auf einer verwirrenden Schnitzeljagd fühle er sich stets im Supermarkt. 15 verschiedene Sorten Schnitzel, fein säuberlich nebeneinander im Kühlregal aufgereiht – „braucht die Menschheit das wirklich?“, fragte sich Zehnbier. Durchaus nachvollziehen konnte er noch die Sorten Schwein, Hähnchen und Pute.

Spätestens das „Biobauer-Schnitzel XXL“ sei für ihn jedoch jenseits von Gut und Böse. Er sei sofort bei seinem Freund Horst vorbeigefahren, um nachzusehen, ob mit ihm noch alles in Ordnung sei. „Horst hat ja auf Bioland umgestellt – in der Hoffnung, doch noch eine Frau zu finden“, verriet Zehnbier dem Publikum. Das habe auch geklappt; allerdings habe die Frau irgendwann von ihm verlangt, dass er das arme Pferd nicht mehr quälen, sondern lieber sich selbst vor den Pflug spannen soll.

Bedenken hatte Zehnbier ebenso bei den „Veganer- und Vegetarier-Schnitzeln“. Sei der Konsum von Veganer- und Vegetarierfleisch überhaupt erlaubt, fragte der Satiriker augenzwinkernd. „Und werden sie wenigstens artgerecht gehalten?“

Während Franz Robert Czieslik seinen Zuhörern so jede Menge Stoff zum Lachen, Schmunzeln und Nachdenken gab, begeisterten zwischendurch die „Land-Streicher“ mit heiteren oder verträumten Klängen – zum Beispiel aus Telemanns Vertonung von „Gullivers Reisen“, dem ersten satirischen Roman überhaupt von Jonathan Swift, der heute als Kinderbuch bekannt ist.

Mit dem Dampflok-Song „Chattanooga Choo Choo“ kündigte Ute Klitte einen Nummer-Eins-Hit von Glenn Miller aus dem Jahr 1941 an. „Den hat schon dieser Eisenbahnwaggon gehört. Der stammt nämlich aus dem Jahr 1934“, erläuterte sie.

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