Dichterschlacht-„Debüt“ lockt 80 Zuhörer in den „Wörter Wald“

Die Stunde der Poeten

Sie sorgten mit tollen Texten und großartigen Performances für beste Unterhaltung – von links: Stefan Jaschek, Tim Verbarg, Moderator Joshka Kuty (mit Mikro), Kristoff K. Punkt (dahinter), Special Guest Marlene Stamerjohanns (vorn), Klaus K. Urban (hinten, mit Hut), Gastgeber und Co-Moderator Franz Robert Czieslik (davor), Verena Urban (rechts dahinter, mit Hund), Sven Ludewig, Regina Rode (vorn), Eva Matz (rechts dahinter), Conni Fauck, Jana Streich, Hauke Schradde und Eberhard Kleinschmidt. - Foto: Bohlken

Gross Ippener - Von Jürgen Bohlken. „Wer sich hierher verirrt, muss wirklich ein Poetry-Slam-Fan sein“, scherzte Moderator Joshka Kuty am Sonntag schmunzelnd zu Beginn der ersten „Dichterschlacht“ im Skulpturenpark von Franz Robert Czieslik in Groß Ippener.

Am Busen der Natur kamen gut 80 Zuhörer in den Genuss großer Sprachkunst. Ein Dutzend „Slammer“ buhlte im „Wörter Wald“, so das Motto des Events, um die Publikumsgunst. Mit erreichten 28 von 30 möglichen Punkten legte Regina Rode, das „Küken“ unter den Wettbewerbern, die Messlatte gleich zu Beginn sehr hoch. Mucksmäuschenstill lauschte das Publikum ihrem ebenso charmanten wie pointierten Selbstporträt.

„Darf ich vorstellen? Ich! Und ich bin viele, weil es ohne all die kleinen das große Ich nicht gäbe. Zu einem Teil bin ich noch Kind, das sich oft verkehrt benimmt. Bin manchmal ohne Grund verstimmt, oft auf Ärger getrimmt und dann doch auf Unfug gesinnt. Fühl mich frei wie der Wind und merke kaum, wie die Zeit verrinnt, glaube die zu sein, die jeden Berg erklimmt, und dass es nichts gibt, was mir den Antrieb nimmt, weil außer mir keiner über mich bestimmt“, schlug die Hildesheimerin nachdenkliche Töne an. Die Quintessenz ihrer streckenweise auch sehr witzigen Selbstreflexion: „Ich wär wirklich betrübt, wenn nur ein Ich fehlte, denn jedes war wichtig für den Weg, den ich wählte.“

Viel Speed legte Hauke Schradde, die Startnummer zwei, in seinen Beitrag, der bisweilen einem Rap nahe kam. Sein Text fange leider mit einem Kraftausdruck an. „Also bitte allen Kindern in den ersten drei Sekunden die Ohren zuhalten!“, warnte der Delmenhorster vorsorglich. „Scheiße! Leute, lasst mich euch sagen, nein, besser noch, lasst mich euch klagen, was mir seit Tagen unentwegt durchgehend auf den Magen schlägt“, begann Schradde und sinnierte sodann über die Schwierigkeit, Aussagen in Reime zu pressen. 

Die dabei gern angewandten sprachlichen Krücken zog er genüsslich durch den Kakao. „Erstens: Man erzwingt den Reim durch eine erneute Zeile mit Information, die keine Sau bräuchte, wie mir bereits ein paar Mal deuchte. Oder, zweitens, man möchte klingen schlau und stellt sein Können zur Schau, in dem man viele Reime hintereinander reimt – wie einen Stau. Die gleichen einem GAU.“ 

Doch solcher Stil offenbare: „Die Fähigkeiten, mit Worten umzugehen, sind eher mau.“ Schradde spielte in seinem Text regelrecht mit Fremdsprachen und Mundarten. Am Ende stand ein für alle Hobby-Poeten versöhnliches Fazit: „Wichtig bleibt nicht die Sprache oder ihre Eigenschaft. Wichtig bleiben nur der Spaß und die echte Leidenschaft.“

In ihr stecken viele „Ichs“ – das war die Botschaft eines Selbstporträts, das Regina Rode aus Hildesheim vortrug. - Foto: boh

Mit weiteren Beiträgen glänzten Stefan Jaschek, Tim Verbarg, Kristoff K. Punkt, Klaus K. Urban, Verena Urban Sven Ludewig, Eva Matz, Conni Fauck, Jana Streich und Eberhard Kleinschmidt sowie – außer Konkurrenz – Deutschlands älteste Slammerin Marlene Stamerjohanns und Gastgeber „Franz Zehnbier“ alias Franz Robert Czieslik.

Das Publikum gliederte sich in fünf Gruppen. Letztere mussten sich intern jeweils auf eine Beurteilung verständigen. Die maximal zu vergebende Punktzahl lag bei zehn Zählern. Die jeweils beste und schlechteste Bewertung blieben außen vor; drei von fünf Punktzahlen gingen somit in die „Benotung“ ein. 

Ins Finale schafften es Hauke Schradde, Eva Matz und „Slam Sven“ alias Sven Ludewig. Für die Endrunde bekam jeder Zuhörer drei Lärchenzapfen, die er nach Belieben auf die Finalisten verteilen konnte. Eva Matz aus Bremen ging mit 39 Zapfen, also 39 Punkten, als Siegerin aus dem Poetry Slam hervor. Hauke Schradde wurde mit 30 Zählern Zweiter. Der Dritte, Slam Sven, vereinte 25 Zapfen auf sich.

Gastgeber Franz Robert Czieslik wertete die „Dichterschlacht“ als einen vollen Erfolg. Die Besucherzahl sei angesichts des Umstandes, dass es noch nie zuvor in der Samtgemeinde Harpstedt einen Poetry Slam gegeben habe, sehr beachtlich. Allerdings sei es wohl ratsam, bei der nächsten „Auflage“ das Programm etwas zu straffen und weniger „Slammer“ auftreten zu lassen.

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