Professor Bernd Ulrich Hucker erforschte wahren Kern von Harpstedter Sagen

Von Spuk und Wissenschaft

Sind stolz auf das neue Sagenbuch: Geschichtsvereins-Vorsitzender Uwe Cordes (von links), Autor Bernd Ulrich Hucker, Projektinitiatorin Karin Holm und Verleger Stephan Eick. - Foto: Nosthoff

Harpstedt - Von Anja Nosthoff. Dass die Geschichte ihrer Heimat Stoff für zahlreiche Sagen und Mythen über fantastische Wesen und geheimnisvolle Geschehnisse bietet, können die Harpstedter ab sofort in Professor Bernd Ulrich Huckers neuem Buch „Natternkönigin und Riesen – Sagen aus dem Harpstedter Raum“ nachlesen. Während die Sagen ganz einfach „Lust zum Lesen“ machen, schlägt Huckers anschließender wissenschaftlicher Kommentar jeweils den Bogen zum wahren Kern der Geschichte. Am Freitagabend wurde das neue Buch im Hotel „Zur Wasserburg“ der Öffentlichkeit präsentiert

Er forschte akribisch nach Personen, Orten und Ereignissen, auf die die Sagen sich beziehen. Ein besonderes „Schmankerl“ sind die Illustrationen, die seine 13-jährige Tochter Gabriela Lidija beisteuerte. „Großes Talent“ bescheinigte Stephan Eick vom Solivagus-Verlag der jungen Künstlerin.

„Das Buch eignet sich für Kinder und Erwachsene oder auch zum Vorlesen“, beschrieb Professorin Karin Holm, die das Forschungsprojekt „Bäuerliche Siedlungsgeschichte“ in der Samtgemeinde vor Jahren initiiert hatte. Mit Huckers „Natternkönigin“ folgt nun die zweite Veröffentlichung nach Doktor Herbert Bocks Geschichtswerk über den „mittleren Hunteraum vom 13. bis zum 17. Jahrhundert“. Durch seinen interdisziplinären Forschungsansatz war Bock darin zu bahnbrechenden Erkenntnissen gelangt (wir berichteten).

Holm verriet auch, dass im kommenden Jahr noch vier Buchveröffentlichungen folgen sollen. Dabei handelt es sich um die Dissertation der zweiten im Projekt involvierten Doktorandin Maren Hustedt, außerdem um Holms eigenes Werk, das sich mit der Geschichte ihrer Vorfahren – der Familie Kieselhorst – beschäftigt, sowie um ein weiteres Buch von Hucker über „Ritter und Knappen“ im Harpstedter Raum. Weiterhin arbeite Bock aktuell an einer Neu-Aufarbeitung der Redeker-Chronik aus dem 18. Jahrhundert.

Die Aufzeichnungen des Harpstedter Amtsschreibers und späteren hannoverschen „Cammer-Schreibers“ Johann Heinrich Redeker (1682-1764) sind auch für Huckers Sagenbuch eine wichtige Quelle. Auch der Hoyaer Schreiber Urban Friedrich Christoph Manecke (1746-1827) zeichnete unter anderem mündliche Überlieferungen aus dem Raum Harpstedt auf. Anfang des 20. Jahrhunderts widmet sich außerdem der lutherische Pastor Heinrich Wilhelm Borée diesem Stoff.

Hucker selbst ist nicht nur an den heimatlichen Geschichten über Zwerge, Kobolde, Hexen, Zauberer und Drachen interessiert. Ihn fasziniert es besonders, dem wahren Kern der Sage auf die Spur zu kommen. „Die Erzählung über Simon von Beckeln ist zum Beispiel eine meiner Lieblingssagen“, verriet Hucker während der Buchvorstellung. In dem Fall gebe es tatsächlich Belege für ein Ereignis, aus dem sich die Sage entwickelt haben könnte.

„In der Sage setzen wütende Bauern den Adelssitz von Simon von Beckeln in Brand“, beschrieb Hucker. Das geschieht in der Sage, weil der Adelsherr seinen Bauern beim Dankesmahl, das den Bauern für die Leistung ihrer Abgaben zusteht, einen Kater statt des Hasen-Wildbratens serviert. „Das ist ein in Sagen weithin verbreiteter Stoff“, so Hucker. Doch für die Flucht eines Adelsherrn von Beckeln gebe es in der Geschichte Belege. Ob sein Sitz tatsächlich in Brand gesetzt wurde, sei nicht genau nachvollziehbar. Jedenfalls tauche der Name plötzlich in Wildeshausen auf. Nachfolgende Generationen von Beckeln tauchen dann dort im Zusammenhang mit dem Alexanderstift oder auch als Ratsherren auf. Der Vorname Simon sei jedoch für die Familie völlig untypisch und historisch nicht belegbar.

Spannung beim Lesen versprechen schon die Titel der 43 Sagen: „Poltergeister“, „Der Sündenberg“, „Die Mordbrücke“, „Das Scheibenschießen“, „Der Spuk im Forst Wenstede“ oder „Die Hexenbrücken am Harpstedter Hungergraben“ finden sich darunter. „Für 14,90 Euro ist das Buch ein ideales Weihnachtsgeschenk“, meinte Holm schmunzelnd. Der günstige Preis sei auch durch das Sponsoring des gesamten Projekts seitens Samtgemeinde, Avacon und EWE-Stiftung ermöglicht worden.

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