Einzelhandelsentwicklungskonzept liegt im Entwurf vor 

Top secret? Flecken gibt aus Gutachten nichts preis

Inkoop sieht am Junkernkamp kein Erweiterungspotenzial und hat an der Wildeshauser Straße schon ein erstes Grundstück erworben, obwohl der Standort zumindest nach aktueller Beschlusslage politisch nicht gewollt ist. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Inkoop ist dabei, Voraussetzungen und Fakten für eine etwaige Umsiedelung an die L 338 zu schaffen: Der Helmut Kosten GmbH gehört mittlerweile die Fläche an der Wildeshauser Straße 4. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung im Kataster- und im Grundbuchamt.

Inkoop hat außerdem den Daumen auf dem benachbarten Grundstück Strodthoff. Das Vorhaben, an die Wildeshauser Straße umzusiedeln, ist also offenkundig mitnichten vom Tisch, wenngleich mit geltender Beschlusslage unvereinbar.

Der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss hatte vor rund zwei Jahren einem Umzug von Inkoop und Aldi eine klare Absage erteilt – nicht zuletzt auch unter dem Einfluss von Bürger-Protest in einer vorangegangenen Fachausschusssitzung; vor allem die Anlieger des südlich des avisierten Standortes gelegenen Carsten-Horst-Kamps hatten aufbegehrt.

Der von der Helmut Kosten GmbH vollzogene Grundstücksankauf birgt schon eine gewisse Pikanterie in sich. Die Politik könnte diesen Schritt so interpretieren, als solle sie vor vollendete Tatsachen gestellt oder zumindest unter Druck gesetzt werden.

Vieles dürfte nun davon abhängen, was in dem von der Cima Beratung + Management GmbH erstellten Einzelhandelsentwicklungskonzept (EHEK) steht. Weil es bislang nur im Entwurf vorliegt und die Ergebnisse aus Stellungnahmen dazu erst noch einfließen sollen, hat es die Verwaltung bislang keiner Zeitung zukommen lassen. Einem Antrag von Klaus Budzin (SPD), der die Weitergabe der Unterlagen an die Presse im Interesse von mehr Transparenz zum Ziel hat, ist Gemeindedirektor Ingo Fichter nicht gefolgt. Ein Pressegespräch sei das „Mindeste, was seitens der Verwaltung und des Rates möglich gemacht werden sollte“, heißt es in Budzins Antragsschreiben. Auch dazu ist es aber bislang nicht gekommen.

Kernaussagen des Gutachtens sind durchgesickert

Die Aktive Werbegemeinschaft hat das EHEK unterdessen erhalten und dazu schon – im Wesentlichen wohlwollend – Stellung genommen. Kernaussagen des Gutachtens sind durchgesickert und machen im Flecken die Runde. Angeblich rät die cima, dass nur einer der beiden am Junkernkamp ansässigen Märkte, also entweder Aldi oder Inkoop, an die Wildeshauser Straße umsiedeln möge, um dort dann modernisieren und erweitern zu können; dadurch verbliebe für den anderen genügend Expansionsspielraum am bestehenden Standort. Diese Empfehlung dürfte damit zusammenhängen, dass im Falle einer Abwanderung von Aldi und Inkoop, also beider Märkte, in die Peripherie einfach der Ortskern zu stark geschwächt würde. Zumindest wäre das eine logische Erklärung.

Der von der Helmut Kosten GmbH getätigte Grundstücksankauf lässt indes erahnen: Aldi wird sicherlich nicht der Markt sein, der den Standort wechselt, sofern es überhaupt zur Absicherung des Areals an der Wildeshauser Straße als Einzelhandelsstandort mit einer Sondergebietsausweisung durch den Flecken Harpstedt kommen sollte.

Alle vier Einkaufsmärkte wollen erweitern

Würde Inkoop umsiedeln, stünde die „Alt-Immobilie“ am Junkernkamp leer. Das wirft die Frage der Nachnutzung auf. Das EHEK soll nicht zuletzt klären, in welchem Maße mit der beabsichtigten Expansion des Lebensmitteleinzelhandels überhaupt zusätzlich Kaufkraft gebunden werden könnte, doch selbst die dazu erarbeiteten Daten und Ergebnisse werden unter Verschluss gehalten.

Alle vier Harpstedter Einkaufsmärkte wollen erweitern – sowohl Aldi und Inkoop als auch Netto und Lidl. Die Öffentlichkeit erwartet Informationen zu dem EHEK auch aus einem durchaus nachvollziehbaren Grund: Bürger haben selbst daran mitgewirkt, nämlich im Rahmen einer Konsumentenbefragung. Von großem Interesse dürfte unter anderem sein, ob und, wenn ja, welche Aussagen das Gutachten zu dem bekanntermaßen seit langem gewünschten Drogeriemarkt trifft – einschließlich der Standortfrage.

Es ist kein Geheimnis, dass viele Bürger gern eine Rossmann-Filiale in Harpstedt hätten. Die Werbegemeinschaft hatte diesbezüglich bei der Drogeriekette „vorgefühlt“ – mit allerdings ernüchterndem Ergebnis.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Jürgen Bohlken

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