„Hucky“ Peters verneigt sich im „Liberty’s“ vor Bob Dylan

„Nur ein Teil ist traurig, das meiste ist hoffnungslos“

+
Aus aktuellem Anlass änderte „Hucky“ Peters sein Konzertprogramm etwas. Zunächst zollte er dem kürzlich mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Bob Dylan musikalisch Tribut. 

Harpstedt - Der Mann trug, wenn er auf Tour ging, zwei Wellensittiche mit den Namen Lil und Loop in den Taschen, die sich sogar in seinem Song „If I needed you“ wiederfinden. In jungen Jahren sprang er aus dem vierten Stock eines Hauses und brach sich die Hüfte. Auf diesen gescheiterten „Flugversuch“ spielt wiederum sein Lied „To live is to fly“ an. „Wobei fly hier bewusst doppeldeutig zu interpretieren ist, nämlich im Sinne von fliegen und fliehen“, weiß Hans-Joachim („Hucky“) Peters, der sich derart in die Lebensgeschichte seines Idols Townes Van Zandt vertieft hat, dass er wohl ohne Probleme selbst eine Biografie über ihn verfassen könnte. Der in Stuhr-Varrel wohnhafte Country-Folk-Gitarrist und -Sänger, gebürtig aus Berlin, nähert sich dem Werk der von ihm so geschätzten Ikone auf eine Weise, die er schon als Schüler im Deutschunterricht kennengelernt hat: Ihm liegt daran, die Liedtexte im Kontext der Lebensumstände des Songschreibers zu begreifen.

Ehe „Hucky“ Peters, dessen Spitzname auf Mark Twains „Huckleberry Finn“ anspielt, am Donnerstagabend im „Liberty’s“ in Harpstedt Van Zandt musikalisch ein Denkmal setzte, änderte er aus aktuellem Anlass den einleitenden Teil seines Hutkonzerts. Zu Ehren des vor wenigen Tagen mit dem Nobelpreis für Literatur bedachten Bob Dylan ließ er seinem Aufwärmsong „It’s good to see you“ von Allan Taylor zwei Dylan-Oldies folgen: „The times they are a changin’“ und „Mr. Tambourine Man“. Letzteres Stück interpretierte er eng angelehnt an das psychedelische Original – und nicht im Stile der Süßholz raspelnden Coverversion der Byrds.

„Seine Texte sind für mich hohe Literatur“

Im weiteren Verlauf widmete sich Peters dann Leben und Werk seines Idols. Zunächst allerdings indirekt – mit „Fräulein“, dem Lieblingsstück des Vaters Van Zandts. Die populärste Fassung dieses Titels stammt von Chris Howland. Townes Van Zandt übte, wie Peters verriet, den Track auf der geliehenen Klampfe seines Nachbarn ein. Daddy hatte ihm nämlich versprochen, er bekomme eine Gitarre zu Weihnachten geschenkt, wenn er es vortragen könne. Als neunjähriger Junge begann er auf den Saiten zu spielen, inspiriert von Elvis, den er in der Ed-Sullivan-Show gesehen hatte, und begeistert von der Wirkung des King of Rock’n’Roll auf die Mädchen. Später schrieb er selbst puristische Songs mit Texten, die Peters in die Kategorie „hohe Literatur“ einstuft. Sein Talent bestand darin, Geschichten mit großer Intensität und anrührender Wirkung zu erzählen – ähnlich wie Johnny Cash, Bruce Springsteen oder eben auch Bob Dylan zu ihren besten Zeiten. Warum er denn so traurige Lieder schreibe, soll Townes Van Zandt mal gefragt worden sein. Nur ein Teil davon sei traurig; das meiste sei hoffnungslos, soll er erwidert haben. Solche Einblicke in die Psyche enthielt Peters seinem Publikum nicht vor; die Kombination aus spannenden biografischen Anmerkungen und Song-Kostproben wie „Poncho and Lefty“ oder „Tecumseh Valley“ verliehen dem Konzert seinen besonderen Reiz. In den vorderen Reihen lauschten einige Zuhörer sehr andächtig, während weiter hinten in Gespräche vertiefte Gäste den Musikgenuss zumindest im ersten Teil des Konzertes schon ein wenig trübten. Eben auch, weil der Abend nun mal eher im Zeichen der leisen Töne stand.

Das fehlende Album kostet 650 Euro

Townes Van Zandt kam übrigens mit seiner eigenen Musik nie groß raus. Das gelang ihm nur indirekt, weil Folk- und Countrygrößen Titel aus seiner Feder erfolgreich coverten. Dem Track „If I needed you“ etwa verhalfen Emmylou Harris und Don Williams zu recht bemerkenswerter Popularität.

Am Rande des Konzerts im „Liberty’s“ verriet „Hucky“ Peters, er habe mittlerweile alle Platten von Townes van Zandt – mit einer einzigen Ausnahme: Ein Mitschnitt eines Londoner Konzerts, der nur in kleiner Auflage gepresst worden sei, fehle ihm. Für aktuell 650 Euro wäre das Sammlerstück bei „Amazon“ sogar zu haben. Die Aufnahme reizt Peters schon sehr, aber der stattliche Preis schreckt ihn dann doch irgendwie ab. 

boh

Mehr zum Thema:

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Bayer holt sich mit 3:0 gegen Monaco Selbstvertrauen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Widerstand der Rebellen in Aleppo bricht immer mehr zusammen

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Meistgelesene Artikel

„Auf Dauer war hier kein Platz für zwei Elektronik-Märkte“

„Auf Dauer war hier kein Platz für zwei Elektronik-Märkte“

Auf den Westring kommt noch viel Verkehr zu

Auf den Westring kommt noch viel Verkehr zu

Bauerngolf als touristische Bereicherung?

Bauerngolf als touristische Bereicherung?

Kommentare