Lena Feldhaus sammelt Spenden für die Erweiterung eines Kindergartens in Malawi / WC-Häuschen ist schon gebaut

Katastrophale hygienische Verhältnisse

Die 23-jährige Lena Feldhaus hat jedes der Vorschulkinder ins Herz geschlossen.
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Die 23-jährige Lena Feldhaus hat jedes der Vorschulkinder ins Herz geschlossen.

Dünsen/Lifuwu - Von Jürgen Bohlken. Mehr als 50 Kinder sitzen eng an eng auf dem mit Keimen verunreinigten Betonfußboden. Viele husten. Die kleinen Körper haben gefährlichen Infektionskrankheiten wie Malaria oder Cholera nicht viel entgegenzusetzen. Ein winziges Backsteingebäude beherbergt den Kindergarten Chisomo in dem malawischen Dorf Lifuwu. Fenster und eine Tür gibt es nicht, nur Öffnungen im Mauerwerk. Wo nachts oft Obdachlose ihre Notdurft verrichten, bringen tagsüber zwei ambitionierte Erzieherinnen, die zugleich als Lehrerinnen fungieren, Mädchen und Jungen Englisch bei und machen sie fit für die Grundschule. Lena Feldhaus aus Dünsen lassen solche Eindrücke aus fünf Wochen ehrenamtlicher Entwicklungshilfe im südostafrikanischen Malawi einfach nicht mehr los.

Mal etwas „richtig Sinnvolles“ tun – das hatte sich die heute 23-Jährige eigentlich schon für die Zeit nach dem Abitur vorgenommen gehabt. Zunächst ließ sich der Plan, sich sozial zu engagieren, aber nicht umsetzen, zumal sie einen begehrten Studienplatz in Marburg bekam. Mittlerweile neigt sich ihr Medizinstudium dem Ende zu. Vor ihrem berufspraktischen Jahr, das im Mai 2017 beginnt, sah die Dünsenerin die Chance, sich eine längere Auszeit zu gönnen. Im Internet war sie auf die Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation help2kids aufmerksam geworden – und auf die Möglichkeit, in einem der ärmsten Länder der Welt ehrenamtliche Hilfe zu leisten. Sie hätte sich auch im medizinischen Bereich engagieren können, entschied sich aber für die Mitarbeit in einem Kindergarten mit Vorschulcharakter. In der ausgewählten Kita in Lifuwu, etwa zweieinhalb bis drei Fahrstunden von der Hauptstadt Lilongwe entfernt, sei noch nie zuvor ein „Freiwilliger“ gewesen, erzählt Lena Feldhaus. Entsprechend groß sei die Freude der beiden Lehrerinnen über die ehrenamtliche Unterstützung beim Gestalten der Vormittage mit sich abwechselnden Lern- und Spielphasen gewesen.

Die hohe Motivation der jungen Erzieherinnen imponierte der Medizinstudentin ebenso wie der unbändige Lernwille der Kinder. Zugleich erschreckten sie die katastrophalen Rahmenbedingungen, vor allem die unsäglichen hygienischen Verhältnisse. Plötzlich wusste Lena Feldhaus, an welcher Stelle die privat von ihr schon vor Antritt des Fluges nach Malawi gesammelten Spenden den größten Nutzen bringen würden: Die 700 Euro, die ihr zur Verfügung standen, reichten für den Bau eines massiven Toilettenhäuschens mit Wellblechdach, außerdem für Seife und Eimer zum Händewaschen.

„Die Organisation des Bauprojektes hat die für mich zuständige Betreuerin von help2kids übernommen. In den Hostel, in dem ich wohnte, gab es zwei Security-Leute. Einer der beiden Männer verfügt über großes handwerkliches Geschick. Mit ihm zusammen habe ich die Toilettenanlage gebaut. Es ist in Malawi ganz schwierig, etwas zu bauen, weil das Land kaum über eigene Rohstoffe verfügt. Alles muss angeliefert werden. Die Transportkosten sind hoch. Der Zement für das WC-Häuschen kam ganz aus Sambia. Die Backsteine kauften wir hingegen bei einem Mann aus Lifuwu ein, der sie selbst brannte“, erzählt die 23-Jährige. Schmunzelnd erinnert sie sich an den Transport der Steine mit Hilfe eines Ochsenkarrens.

Die inzwischen fertiggestellte Toilette müsste, so hofft sie, viele Jahrzehnte halten. „Wir haben auf eine wirklich gute Qualität bei den Baumaterialien geachtet und deswegen auch ein bisschen mehr Geld dafür ausgegeben.“ Kürzlich sei das WC-Häuschen bemalt worden. „Ich habe leider noch kein Bild davon gesehen“, bedauert die Studentin.

Klar sei ihr, dass auch das Kindergartengebäude „auf keinen Fall so bleiben kann“. Die zwischen sechs Monate und fünf Jahre alten Mädchen und Jungen aus ärmlichen Verhältnissen seien dort allen möglichen gefährlichen Keimen schutzlos ausgeliefert. Zum Schutz vor mancher schwerer Krankheit gebe es noch nicht mal einen Impfstoff.

In der Enge des Hauses sei es obendrein sehr schwer zu unterrichten. Nach kräftigen Niederschlägen in der Regenzeit laufe das Wasser durch die Öffnungen im Mauerwerk und lasse einen regelrechten See im Gebäude entstehen. Deswegen, so berichtet Lena Feldhaus, habe sie nun unter dem Dach von help2kids eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Für die Vergrößerung und Renovierung des Kindergartens, auch für den Einbau von Fenstern und Türen, eine neue Tafel, Sitzgelegenheiten, etwa in Form gewebter Teppiche, und Lernmaterial werde deutlich mehr Geld als für die Toilette gebraucht. Daher laufe die Spenden-Akquise diesmal über die Entwicklungshilfe-Organisation. 4500 US-Dollar seien als Zielmarke avisiert – und 46 Prozent davon schon erwirtschaftet. Wer die Kampagne mit einer Spende unterstützen möchte, findet sie mit Google leicht im Internet unter dem Suchbegriff „Bildung öffnet Türen und Herzen“. Bürger, die gern einen Obolus geben würden, können sich auch direkt an Lena Feldhaus (Tel.: 04224/ 141351, E-Mail: bildung-oeffnet-tueren-und-herzen@ web.de) wenden. Spendenbescheinigungen werden ab Summen von umgerechnet 50 Dollar ausgestellt.

Die Medizinstudentin möchte auf jeden Fall noch einmal zurück nach Malawi. „Wenn bloß die Flüge nicht so teuer wären!“, seufzt sie. Das Erlebte kann die 23-Jährige nicht vergessen – das Elend ebenso wenig wie die Dankbarkeit.

Der Kindergarten sei ihr eine Herzensangelegenheit. Nicht nur der Wunsch zu helfen, sondern auch viele Erinnerungen hängen daran. „Es war beispielsweise ganz toll, als wir mit den Kindern zum ersten Mal gemalt haben“, erzählt die Dünsenerin. „Ich hatte Buntstifte und Papier aus Deutschland mitgebracht. Die Kleinen wussten erst gar nichts damit anzufangen und begriffen auch nicht sofort, dass sie die Sachen behalten durften. Sie haben sich darüber gefreut wie die Schneekönige.“

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