„Herbstserenade“: Orchestermitglieder tanzen mit Zuhörern durch den Mittelgang der Kirche nach draußen

Krönendes unterhaltsames i-Tüpfelchen

Auch das Jugendblasorchester unter der Leitung von Ingo Poth trug zum Gelingen der „Herbstserenade“ bei. - Foto: Rottmann

Harpstedt - Von Anja Rottmann.  Sie gehören zu den „Stammgästen“ in der Harpstedter Christuskirche: Solisten und Ensembles der Musikschule des Landkreises Oldenburg. Einmal mehr haben sie dort am Sonntag ihr Können bewiesen – in einer weiteren „Herbstserenade“. Das gut besuchte Vorabendkonzert gewährte einen Einblick in das umfangreiche Repertoire des musikalischen Nachwuchses.

„Unser hübsches Programm fällt heute etwas schlanker aus als sonst, aber ich bin sehr froh darüber, dass Sie nicht noch einen zweiten Eisbecher vor der Kirche genossen haben und jetzt mit uns zusammen das Programm genießen wollen“, sagte Musikschulleiter Rafael Jung augenzwinkernd in Anspielung auf das tolle Spätsommerwetter.

Den Anfang machte das Jugendstreichensemble unter der Leitung von Ute Klitte mit einem Samba Sombrero aus „Chilies Bd. 2“. Weiter im Melodienreigen ging es mit „In Dreams“ aus „Der Herr der Ringe“, „Eleanor Rigby“ von den Beatles sowie dem Cat-Stevens-Evergreen „Morning has broken“. Die hörenswerte Darbietung quittierten die Zuhörer mit viel Applaus. Kurz vor den Sommerferien hatte Ute Klitte mit den älteren Schülern für ein Wochenende ein freiwilliges „Proben-Lager“ in der Turnhalle in Groß Ippener absolviert; ein Auftritt im Skulpturenpark von Franz Robert Czieslik war inbegriffen. „Heute haben wir gemerkt, dass etwas dabei herausspringt. Viele fragen sich, wie das gehen soll, wenn ein Schüler in Wildeshausen und ein anderer in Ganderkesee wohnt. Neben Schule und Hausaufgaben noch einen weiteren Weg auf sich nehmen, um zu üben?“

Das gehe durchaus, gab sich Klitte die Antwort selbst: Im „Proben-Lager“ entstünden Freundschaften; als Folge davon träfen sich Musikschüler an Wochenenden, um gemeinsam zu üben.

Mit „A wider shade of pale“ begeisterte Theresa Eiskamp am Klavier. Der Evergreen von Procol Harum, mitunter dem „Baroque Rock“ zugerechnet, gilt als die erste Bearbeitung von Bach-Werken in der populären Musik, insbesondere des Eingangschors der Kantate 140 („Wachet auf, ruft uns die Stimme“), wobei die Band nur die Harmonieabfolge der ersten Takte übernahm. Tatsächlich erinnert das weltberühmte Orgel-Intro eher an Bachs „Air“ aus der Suite D-Dur, vor allem die lange Note zu Beginn und der diatonische Abstieg der Basslinie. Theresa Eiskamp bewies, dass der Titel auch auf dem Klavier – selbst fast 50 Jahre nach seiner Einspielung – viel Charme versprüht. Der Text des psychedelisch angehauchten Stücks gibt bis heute Rätsel auf. „A wider shade of pale“ gilt als Musterbeispiel für einen Song, den niemand versteht.

Michel Seyffart interpretierte im Verlauf des Konzerts gemeinsam mit seinem Lehrer Ulrich Meyer auf der Gitarre die Stücke „La Fiesta (Salsa)“ und „He’s a pirate“. Vor der Pause kam das Publikum in den Genuss einer Darbietung von Anton Bovensmann, der alle redensartlichen Register zog, als er auf der Orgel Präludium, Fuge und Chaconne C-Dur von Dietrich Buxtehude zum Besten gab.

Zu Beginn des zweites Teils hatte das Kinderblasorchester unter der Leitung von Ingo Poth seinen großen Auftritt; es heimste für „Hedwigs Theme“ und das „Michellied“ aus „Michel aus Lönneberga“ verdienten Beifall ein. Anton Bovensmann, diesmal am Flügel, ließ teils sehr lebhafte, zugleich aber auch kompositorisch komplexe rumänische Volkstänze von Béla Bartók folgen.

Mit Violinenmusik der besonderen Art verzauberten Ute Klitte und die Solistin Clara Meyer-Nicolaus das Publikum. Sie interpretierten „Gullivers Reisen“ von Georg Philipp Telemann – nach dem satirischen Roman von Jonathan Swift. Den Abschluss machte das Jugendblasorchester unter der Leitung von Ingo Poth mit einer schwung- und kraftvollen Darbietung von „Alice in Wonderland“. Während der Proben hatte sich Poth eine Posaune geschnappt und mitgewirkt. „Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich heute auch mal mittendrin stehe und aktiv dabei bin.“

Ein unterhaltsames i-Tüpfelchen, das nicht im Programm aufgeführt war, krönte das Musikschulkonzert: Das Jugendblasorchester hatte mit Poth den „Pinguintanz“ einstudiert. Unter musikalischer Mitwirkung eines Teil-Ensembles tanzte der Rest hinter-einander durch den Mittelgang nach draußen. Die Zuhörer wurden zum Mitmachen aufgefordert und ließen sich bereitwillig darauf ein.

Organisiert und vorbereitet hatten Ute Klitte (Violine und Streichorchester), Hedwig Stahl (Klavier), Ulrich Meyer (Gitarre) sowie Ingo Poth (Blasorchester) die „Herbstserenade“.

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