Neues Projekt kommt bei Führungen über den Friedhof zur Sprache

Kommunikationsflächen aus nicht mehr benötigten Grabsteinen

Grabsteine, die nach dem zeitlichen „Auslaufen“ von Grabstellen nicht mehr benötigt werden, dienen auf dem Harpstedter Friedhof als gestalterische Elemente. - Foto: Rottmann

Harpstedt - Mit Unterstützung von Friedhofsgärtner Wilfried Kmita hat Klaus Corleis, zweiter Vorsitzender des Kirchenvorstandes der evangelischen Christusgemeinde, im Zuge zweier Führungen insgesamt mehr als 30 Interessierten den Harpstedter Friedhof erläutert.

Dabei stellte er auch das neue Projekt „Steine im Wind“ vor: Flächen, die sonst brachliegen würden, werden mit eingesammelten Grabsteinen zeitlich „ausgelaufener“ Grabstellen bestückt und kommen auf diese Art und Weise zu einer sinnvollen kreativen Nachnutzung.

Eine Fortführung des Projekts ist angedacht – mit dem Ziel, weitere Flächen optisch aufzuwerten. Pastor Gunnar Bösemann, ebenfalls beim Rundgang dabei, findet es toll, dass alte Grabsteine auf diese Weise noch von Nutzen sind. Jene Exemplare, die in Farbe, Form, Material und/oder Herkunft interessant sind, werden platziert. Kommunikationsflächen sollen so entstehen.

Die Interessierten erfuhren viel Wissenswertes über den 1861 eingerichteten, heute fünfeinhalb Hektar großen Friedhof. Sie bekamen alte Grabstellen und -steine vorgestellt und besuchten die letzten Ruhestätten von Pastor Adolf Schulz und Robert Grimsehl. Über 10 000 Bestattungen hat es auf dem Harpstedter Friedhof seit seinem Bestehen schon gegeben. 

Der Bedarf an großen Familiengräbern geht weiter zurück. Auch alternative Ruhestätten kamen zur Sprache – etwa im „Friedgarten“, wo Urnenbeisetzungen unter Bäumen möglich sind. Nach jeweils vier Beisetzungen auf einem der Gemeinschaftsgräberfelder geht ein quadratischer Sandstein zum Steinmetz, der die vier Namen der Verstorbenen eingravieren lässt. So entsteht eine „wachsende“ Stele. Den Abschluss bildet dann ein Schlussstein. 

Vor 20 Jahren war das erste Gemeinschaftsgräberfeld mit Namensplatten angelegt worden. 1958 wurde die neue Friedhofskapelle gebaut und später erweitert. Ihr „Vorläufer“ war 1940 bei einem Luftangriff auf einen Zug mit Munition am Bahnhof zerstört worden. Sechs neu aufgestellte Informationstafeln erläutern diese und weitere Begebenheiten.

Die neu beschafften Bänke luden zu einer Sitzprobe ein; neu angelegte Hecken und Beete waren ein Blickfang. Die Teilnehmer erfuhren zudem von der „Friedgarten AG“, die sich immer am zweiten Dienstag und am letzten Mittwoch im Monat, jeweils 17 Uhr, zu gemeinsamen Pflegearbeiten trifft. Den Abschluss bildete das Betrachten alter Bilder; dabei entwickelten sich Gespräche an einem Infotisch.

Zusätzlich zeigte Gästeführer Heinfried Sander am Tag des offenen Denkmals interessierten Besuchern bei einer Kirchenführung durch die Christuskirche das komplette Gotteshaus mit Kirchraum, Turm sowie begehbarem Dachstuhl und auch den Christusgarten. - aro

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