„Klarsicht-Mitmachparcours“ an Oberschule

„Kenn dein Limit“ als wiederkehrende Botschaft

Die „Rauschbrille“ simulierte einen mittleren Grad der Alkoholisierung. An der Station „Talk-Show“ (kleines Bild) dachten sich die Schülergruppen Geschichten aus, in denen exzessives Trinken Situationen aus dem Ruder laufen ließ. - Fotos: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Du bist der Größte in deiner Clique, sobald du Bier oder Hochprozentigen trinkst, und „cool“, wenn du rauchst – das suggeriert die Werbung, aber natürlich verschweigt sie die gesundheitlichen Gefahren ebenso wie beispielsweise das Risiko, nach einer eskalierenden Situation als Folge eines Vollrausches ausgegrenzt zu werden. Diese und viele weitere Einsichten rund um Alkohol und Nikotin bekamen am Dienstag die Achtklässler der Oberschule Harpstedt vermittelt.

Maria Rüschendorf, Leiterin der Fachstelle Sucht der Diakonie, schickte sie in Kleingruppen durch den von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) konzipierten „Klarsicht-Mitmachparcours“. Sehr anschaulich bekamen die Schüler beim Durchlaufen von fünf Stationen unter anderem aufgezeigt, wie ihnen Selbstüberschätzung im Zusammenhang mit Genussmitteln zum Verhängnis werden kann.

Die in Bier, Sekt, Wein oder Schnaps steckenden Mengen an Alkohol halbwegs korrekt zu tippen, fiel manchem schwer. „Von der reinen Flüssigkeitsmenge her kannst du zwar viel mehr Schnaps vertragen als Bier, aber wegen des höheren Alkoholgehalts wirst du schneller betrunken, ohne dass du’s sofort merkst. Die volle Wirkung kommt erst später“, beschrieb Myriel Ruckgaber, was sie aus dem Schätzspiel und der anschließenden Diskussion mitgenommen hatte.

Ein paar ermutigende Anzeichen

Als die Schüler einen Slalomparcours mit einer „Rauschbrille“ durchliefen, die einen mittleren Grad der Alkoholisierung simulierte, fielen diverse aufgestellte „Hütchen“ um. „Kenn dein Limit!“ So lautete eine wiederkehrende Botschaft. Der BZgA-Parcours will „alle relevanten Aspekte rund um den Alkohol- und Tabakkonsum“ beleuchten, die Schüler zur Reflexion des eigenen Verhaltens animieren, einen verantwortungsvollen Umgang mit legalen Suchtmitteln fördern und Nichtkonsumenten in ihrer Haltung bestärken.

Lehrkräfte, aber auch Jugendpfleger Markus Pieper, der früher selbst im Berufsleben mit Suchtkranken zu tun hatte, und Maria Rüschendorf betreuten die Stationen. Pieper widmete sich eingehend dem Rauchen. Überdimensionale Zigaretten mit Aufschriften wie „Inhaltsstoffe“ oder „Jugendschutz“ veranschaulichten die Themen, die er mit den Achtklässlern erarbeitete. Am Rande verriet er, selbst habe er so gut wie nie geraucht – höchstens drei Zigaretten in seinem Leben, die aber nur aus Neugierde.

Erfundene Geschichten zur Prävention

In einer Talk-Runde erarbeiteten die Kleingruppen Beispiele für Problemsitationen, die wegen des Genusses von Alkohol „aus dem Ruder“ laufen. Beschriftete Kärtchen halfen ihnen dabei, sich passende Protagonisten für die Geschichten auszudenken. Da konnte es etwa um den Enkel gehen, der sich mit seiner Oma aus Trauer über den gestorbenen Opa betrinkt, dann aufs Motorrad steigt und verunglückt.

„Gerade eben war eine Gruppe hier, die eine Geschichte um ein junges Liebespaar gestrickt hatte. Ein 16-jähriger Junge fand Alkohol cool. Er hat seine zwei Jahre jüngere Freundin mit in seine Clique genommen. Der Alkohol, den er dort trank, ließ seine Hemmschwelle sinken. Er begann mit einem anderen Mädchen zu flirten. In diesem Fall ging es nicht nur um Alkoholkonsum unter Gruppenzwang, sondern noch um etwas anderes: Die 14-Jährige hat nämlich mitgetrunken, weil sie unglücklich verliebt war“, erläuterte Maria Rüschendorf, die als Moderatorin fungierte.

Die Rahmenhandlung für die Geschichten zu finden, gelang zuweilen erst nach ein paar Startschwierigkeiten. Als sie aber stand, kamen die Achtklässler oft von selbst darauf, die Ursachen exzessiven Alkoholgenusses zu ergründen, sich die Folgen vor Augen zu führen und nach Auswegen zu suchen.

Weniger rauchende Jugendliche

Präventionsarbeit – ja, aber eben nicht mit der Moralkeule; das ist das Anliegen des Mitmachparcours gewesen. Dafür, dass dieser Weg der richtige sein könnte, gibt es beileibe nicht nur, aber auch ermutigende Anzeichen: Der Anteil der rauchenden Zwölf- bis 17-Jährigen hat sich von 2001 bis 2015 von 27,5 auf 7,8 Prozent verringert, und der Anteil derer, die noch nie „gequarzt“ haben, lag einer Studie von 2015 zufolge mit 79,1 Prozent so hoch wie in keiner früheren Untersuchung. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen steigt obendrein die Zahl derer, die bewusst auf Alkohol verzichten. Hinzu kommt: Auch die riskanteren Formen des Alkoholkonsums sind hier rückläufig.

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