Besucher müssen auf die Erbsensuppe von Heiko Marchewa verzichten

Auf dem Hökermarkt bleibt die Feldküche kalt

Mit der alten NVA-Feldküche lassen sich ganze Kompanien versorgen. Für den Hökermarkt wird sie wohl nicht mehr zum Einsatz kommen, denn Heiko Marchewa zieht sich aus dem Suppengeschäft zurück. - Foto: Petzold

Colnrade - Von Phillip Petzold. Nach 17 Jahren bleibt die Feldküche von Heiko Marchewa von nun an kalt und wird verkauft. Seit 1999 hatte der gelernte Koch die Besucher des Hökermarktes mit seiner Erbsensuppe versorgt.

„Wenn Hökermarkt ist, packt das ganze Dorf mit an. Und da haben mein Nachbar und ich uns überlegt, was wir beisteuern könnten“, berichtet Marchewa über die Anfänge. „Da ich Koch gelernt habe, lag es nahe, etwas zu Essen anzubieten. So sind wir auf Erbsensuppe gekommen.“

Die ersten Jahre wurde noch im Mantelkessel mit 1,20 Meter Durchmesser gekocht. Später kamen dann die Feldküchen dazu – für den Hökermarkt haben Marchewa und bis zu neun Mitstreiter sogar zwei eingesetzt. „Vorgekocht haben wir hier in der Garage und die Suppe dann mit dem Handwagen zum Markt gefahren“, erzählt Marchewa, der seine Kochjacke mittlerweile an den Nagel gehängt hat und jetzt als Fahrlehrer arbeitet.

Nun ist wohl auch Schluss mit dem Kochen auf dem Hökermarkt: „Ohne meine Familie geht es nicht. Und die möchte nicht weitermachen“, erläutert er die Gründe für seinen Ausstieg aus dem Suppengeschäft. „Wir hatten immer viel Spaß, aber es steckt auch eine ganze Menge Arbeit dahinter.“ Für die etwa 1 000 Portionen zu je einem halben Liter musste viel vorbereitet werden, da galt es eine Menge zu schnippeln. „Zum Hökermarkt sind wir abends meist todmüde ins Bett gegangen und dann um vier Uhr wieder hoch“, erzählt der Colnrader. „Wir haben spaßeshalber mal den Stundenlohn ausgerechnet: Der lag bei etwa zwei Euro. Aber es ging uns ja nicht ums Geld.“

Hin und wieder seien Kunden verwundert gewesen, warum ein einfach anmutendes Gericht wie Erbsensuppe vier Euro kostete. „Viele haben keine Vorstellung davon, wie teuer die Produkte sind“, erläutert Marchewa. „In unserer Suppe war immer ordentlich Speck und Wurst – das ist natürlich nicht billig.“ Außerdem habe sich der Preis für Erbsen in einem Jahr fast verdoppelt. Den allermeisten Kunden sei die Suppe das Geld aber allemal Wert gewesen: „Es sind sogar Gäste aus Bremerhaven oder Wilhelmshaven gekommen, die hatten zehn-Liter-Eimer dabei und haben sich die Suppe abgefüllt“, freut sich Marchewa. Im Laufe der Jahre kamen noch andere Eintöpfe dazu, auch ein vegetarisches Gericht hatte Marchewas Team im Angebot. Der Renner sei aber immer die Erbsensuppe gewesen.

Sein Fernbleiben hinterlässt eine Lücke: „Die Leute von der Freiwilligen Feuerwehr, die den Markt organisieren, sind sehr traurig. Die haben wir immer verköstigt. Aber auch von anderen werde ich angesprochen, warum wir nicht weitermachen.“

Als kleines Trostpflaster verrät Marchewa womit er seine Suppe verfeinert hat: „In Hülsenfrüchten sind ja Bitterstoffe. Die habe ich immer mit Majoran und Liebstöckel abgerundet“.

Wenn sich ein Nachfolger findet, wäre Marchewa durchaus bereit, diesen mit weiteren Tipps zu unterstützen. „Ich würde mich freuen, wenn jemand den Stand fortführt und ihm auch mit Rat und Tat zur Seite stehen (Tel. 0173/2153493). Einer hatte sich schon gemeldet, aber kalte Füße bekommen, als ihm klar wurde, wie viel Arbeit das ist.“ Wer dennoch Lust hat, Marchewas Erbe anzutreten, sollte sich beeilen: Eine der beiden Feldküche ist schon weg und auch die zweite steht zum Verkauf.

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