Interview: Uwe Cordes äußert sich über Vereinsgründung

„Geschichte soll weiterhin gelebt werden“

Schriften von Chronisten, Heimatforschern, aber auch Wissenschaftlern zur Heimatgeschichte in der Samtgemeinde gibt es viele – eine gute Grundlage, auf die der künftige Geschichtsverein aufbauen kann. Uwe Cordes (Bild) wird für den Vorsitz kandidieren.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wildeshausen hat ihn schon. Die Samtgemeinde bekommt nun auch einen: Der Harpstedter Geschichtsverein wird am Mittwoch, 31. August, 19 Uhr, im Hotel „Zur Wasserburg“ aus der Taufe gehoben. Fragen zu Sinn und Zweck der Gründung hat Uwe Cordes (65) aus Harpstedt gestern im Gespräch mit unserer Zeitung beantwortet. Der frühere Samtgemeindebürgermeister würde gern den Vorsitz übernehmen, sofern ihm die Gründungsmitglieder das Vertrauen schenken.

Was ist der Auslöser für die Absicht zur Gründung des Geschichtsvereins gewesen?

Cordes: Das bei der Uni Vechta angesiedelte Forschungsprojekt zur „bäuerlichen Besiedlungs- und Geschlechterhistorie im mittelalterlichen Amt Harpstedt“, das zwei Doktoranden sowie die Professoren Bernd Ulrich Hucker und Karin Holm begleitet haben, läuft im Oktober aus. Die Samtgemeinde möchte aber, dass es weiter geht. An Friedrich zur Hellen aus dem Archiv erging die Bitte, sich darüber Gedanken zu machen. Seine Frau kam dann wiederum darauf, mich zu fragen, ob ich Interesse hätte, federführend tätig zu werden, zumal ich das Forschungsprojekt als Samtgemeindebürgermeister lange eng begleitet hatte. Damals stand ja sogar die Idee im Raum, in Harpstedt eine Außenstelle der Uni Vechta einzurichten. Das hat dann aber doch nicht geklappt.

Aus finanziellen Gründen...

Cordes: Ja, das wäre natürlich mit personellem Einsatz verbunden gewesen. Die Samtgemeinde hätte Geld in die Hand nehmen müssen. Das war politisch nicht gewollt. Man muss aber andererseits anerkennen, dass die Politik immerhin der finanziellen Unterstützung des Forschungsprojektes zugestimmt hat.

Und nun geht’s also weiter. Aber warum unter dem Dach eines Vereins?

Cordes: Wenn es um das Akquirieren von Drittmitteln geht, bietet ein eingetragener Verein einfach klare Vorteile gegenüber anderen Körperschaften. Das ist der Hauptgrund gewesen. Die EWE und die Avacon haben im Übrigen schon das Forschungsprojekt gesponsert. Die hätten wir natürlich auch künftig gern als Sponsoren mit im Boot.

Die Gründungsversammlung soll Menschen mit einem Interesse an der Heimatgeschichte zum Kommen ermuntern?

Cordes: Ja. Mindestens sieben Leute werden sowieso teilnehmen. So viele braucht man gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch für eine Vereinsgründung. Aber wir sind darüber hinaus natürlich offen auch für Mitbürger, die wir noch nicht selbst angesprochen haben, weil wir sie zum Teil gar nicht kennen. Alle Interssierten sind eingeladen.

Wer kommt, muss nicht befürchten, einen Posten aufgedrückt zu kriegen?

Cordes: Nein. Es gibt schon jetzt genügend Mitstreiter, um den Vorstand besetzen zu können. Prof. Dr. Dr. Hucker wird zunächst in einem Vortrag der Frage „Heimatgeschichte – wozu?“ nachgehen. Danach erläutern wir, warum wir diesen Verein gründen wollen. Friedrich zur Hellen und ich haben schon einen Satzungsentwurf erarbeitet, den wir der Versammlung vorlegen. Der Verein soll eng mit dem Samtgemeindearchiv zusammenarbeiten. Friedrich zur Hellen wird, wenn die Versammlung ihn wählt, selbst im Vorstand vertreten sein. Archivar Günter Kastendiek will hingegen nicht in die Führungsmannschaft Aber auch er macht mit. Ebenso Professor Hucker und Doktorand Herbert Bock. Sicherlich werden zudem einige Vertreter aus dem bisherigen Projekt-Beirat zumindest Interesse zeigen. Das Forschungsprojekt, das auch zwei ganztägige wissenschaftliche Tagungen und 15 wissenschaftliche Vorträge beinhaltete, soll nicht einfach im Sande verlaufen. Das ist unser Ziel. Wir möchten, dass Geschichte in Harpstedt weiterhin gelebt wird.

In welcher Form?

Cordes: Unter anderem ist daran gedacht, dass Herbert Bock, einer der beiden in das Forschungsprojekt involvierten Doktoranden, die Beschäftigung mit der Redecker-Chronik fortführt. Die Erforschung der Ursprünge alter Straßennamen wäre ein weiteres mögliches Betätigungsfeld. Eine „Schnapsidee“, aber keineswegs im Sinne von schlechter Idee zu verstehen, ist es, die Heimatgeschichte der Kneipen und Gastwirtschaften zu beleuchten – etwa Fragen wie: Wie viele gab’s eigentlich mal, und wo sind sie geblieben?

Bisher liefen die Forschungen zur Siedlungshistorie ja auf einer sehr wissenschaftlichen Ebene. Das wird unter einem Vereinsdach wohl ein bisschen anders sein.

Cordes: Die Beschäftigung mit der Geschichte wird zumindest stärker auf die Interessen der mitwirkenden Bürger zugeschnitten sein. Wir denken übrigens auch an die Schulen. Wir haben sie ebenfalls zur Gründungsversammlung eingeladen. Wir wünschen uns eine Schulchronik. Hierzu hat Günter Knappmeier einiges zu Papier gebracht, später auch Wolfgang Bleyer. Es wäre schön, wenn das fortgeschrieben und ergänzt würde.

Hat der Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Gründung eine Rolle gespielt?

Cordes: Nein. Wir wissen natürlich, dass es ihn gibt. Gleiches gilt etwa für den Heimatbund zwischen Dehmse und Hunte. Wir wollen uns aber selbst aufstellen, uns als Harpstedter Verein verstehen, dabei aber nicht nur den Flecken, sondern die Samtgemeinde im Blick haben. Dass wir uns mit anderen austauschen, auch mit dem Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen, versteht sich von selbst, zumal viele historische Themen einfach eine grenzübergreifende Betrachtung erfordern.

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