Essgarten ist im Wachstum begriffen

Gaumenfreuden unter Glas aus Gifhorn

Die Trockenmauer wertet die Optik des Essgartens zusätzlich auf. Von links: Frits und Heike Deemter, Sanjar Nurbekov (davor), Jasur Ergashev und Axel Eliasson. - Foto: boh

Barjenbruch - Von Jürgen Bohlken. Im Spätsommer und Herbst wollen Heike und Frits Deemter das seit langem geplante Besucherzentrum in ihrem Essgarten in Angriff nehmen. Das dürfen sie nun auch, denn die Baugenehmigung liegt inzwischen vor.

Hinter sowie unter Glas wird ein Seminarhaus mit Restaurant-Charakter entstehen. Hinzu gesellen sich ein Küchen- und Toiletten-Anbau sowie eine Außenterrasse. In Gifhorn haben die Deemters ein extravagantes Gewächshaus erworben, das sie aktuell in Papenburg zwischenlagern, ehe sie es – voraussichtlich im Oktober – in Barjenbruch wieder aufbauen lassen.

In der lichtdurchfluteten „Orangerie“, so der Name des vorgesehenen Gebäudekomplexes, sollen Besucher inmitten exotischer Pflanzen und in einem besonderen Ambiente mit zu schmackhaften Gerichten verarbeiteten Produkten aus dem Essgarten verwöhnt werden. 

Hier ein Blick ins Innere des Gärtnereigebäudes, das Heike und Frits Deemter in Gifhorn erworben haben.

„Hier bekommen sie Dinge zu essen, die sie sonst nirgends kriegen und die auch noch schmecken“, verspricht Frits Deemter. Ein klassischer Restaurantbetrieb mit festen Öffnungszeiten schwebt ihm und seiner Frau, die als Tochter der Betreiber von „Dörgelohs Gasthaus“ in Kirchweyhe übrigens selbst aus der Gastronomie kommt, aber nicht vor. 

Die Beköstigung von Besuchern soll sich, so der Plan, auf bestimmte Anlässe wie Workshops oder Events beschränken. Die Betreiber wollen die Bewirtschaftung mit so wenig Arbeitskrafteinsatz wie möglich „wuppen“. Frits Deemter hält es da ganz mit einem Sprichwort, das er aus seinem Herkunftsland, den Niederlanden, kennt: „Wünsch deinem Feind viel Personal!“

In den vergangenen drei Wochen konnten die Deemters hingegen sogar auf richtig viel Manpower bauen, nämlich auf die Kraft und den Arbeitseifer dreier junger Männer, die bei ihnen über das Wwoof-Netzwerk (das Kürzel steht für world-wide opportunities on orga-nic farms) für ihre tatkräftige Mitarbeit beköstigt worden sind und im Essgarten zelteten: Axel Eliasson aus Schweden sowie Jasur Ergashev und Sanjar („Sasha“) Nurbekov aus Usbekistan gewannen während ihres „Work & Travel“-Aufenthalts in Barjenbruch nicht nur Einblicke in den ökologischen Gartenbau; sie ließen dort auch zusammen mit Frits Deemter eine Trockenmauer entstehen, die letztlich ein Zufallsprodukt gewesen ist. 

Der Hintergrund: Bei der Anlegung von Parkplätzen mit einer – vom Landkreis geforderten – Wendemöglichkeit für Busse war eine riesige Menge Erdreich ausgekoffert worden. Die Firma Scheele hinterließ einen großen „Haufen“ auf dem Gelände. Darum herum „drapierten“ die Jugendlichen und Frits Deemter ungezählte Natursteine – stets darauf bedacht, die Erdbewegungen auf das Nötigste zu beschränken.

Dieses höchst ungewöhnliche Glashaus mit wirklich extravaganter Dachkonstruktion soll im Oktober im Essgarten in Barjenbruch neu aufgebaut werden.

Das Ergebnis, die geschwungen verlaufende Trockenmauer, entpuppt sich als echtes Schmuckstück. „Es hat uns selbst erstaunt und gewundert, dass sie so schön geworden ist“, gibt Heike Deemter zu. Die Steine stammten aus der Nähe von Tecklenburg und seien verhältnismäßig günstig gewesen, verrät Frits Deemter. „Die Kosten, die uns entstanden sind, liegen wohl in etwa bei denen eines Sofas von Ikea. Nur hält unser ,Stein-Sofa’ bestimmt länger“, spielt er augenzwinkernd auf einen der drei „Wwoofer“ an – auf Landschaftsgärtner Axel Eliasson. 

Der strebt an, in seiner skandinavischen Heimat einen Selbstversorger-Hof aufzubauen. In den vergangenen Wochen musste sich der junge Schwede so einzige Witze rund um das berühmte schwedische Möbelhaus anhören.

Die beiden Usbeken Jasur Ergashev und Sanjar Nurbekov haben an der Uni Bremen studiert oder sind noch dabei. Beide blicken auf ein zuvor in ihrer Heimat absolviertes landwirtschaftliches Studium am Samarkand Agricultural Institute zurück. Mit ihren Händen können sie richtig ranklotzen, fällt Frits Deemter auf. „Und sie saugen alle Informationen auf, die sie hier bekommen.“

Die jungen Männer als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen, lag den Essgarten-Betreibern aber völlig fern.

Kochbuch soll im Frühjahr erscheinen

Die „Wwoofer“, die alle drei recht gut die deutsche Sprache beherrschen, bekamen viel Freizeit zugestanden. „Sie saßen dann bei uns im Garten, gingen ins Schwimmbad oder fuhren nach Wildeshausen – Gyros essen. Fleisch kriegen sie hier ja nicht so viel“, flachst Frits Deemter.

In dieser Woche endet für das „Trio“ die Zeit in Barjenbruch. Einer hat schon gestern die redensartlichen Zelte abgebrochen; die beiden anderen bleiben bis Sonnabend.

Auch in der Vergangenheit bekamen die Deemters immer mal wieder Unterstützung von „Wwoofern“, etwa von zwei Thailändern oder einer Frau aus Hongkong, die wiederum einem der jetzt in Barjenbruch weilenden Usbeken den Essgarten für einen „Work & Travel“-Aufenthalt wärmstens empfahl. „Eine ehemalige Lehrerin aus Stuttgart ist sogar schon dreimal hier gewesen“, erzählt Heike Deemter. 

Sie und ihr Mann haben von ihren momentanen Gästen sogar eine Einladung nach Usbekistan erhalten, die sie anzunehmen gedenken. Das Paar glaubt, dass es dort in Sachen Gartenbau einiges dazulernen kann. So haben sich die Eheleute unlängst von den beiden Usbeken erklären lassen, mit welcher effizienten Methode sich etwa Granatäpfel im Winter vor Frost schützen lassen.

Die kulinarischen Freuden, die sich aus den essbaren Pflanzen des Deemterschen Gartens „zaubern“ lassen, interessieren einen süddeutschen Verlag: Ein Buch mit 36 Rezepten wird im Frühjahr 2017 auf den Markt kommen. Viel dürfen die Deemters darüber nicht preisgeben. So viel aber doch: Eingang in das Kochbuch finden auch Rezepte für Vor- und Nachspeisen sowie zwei Getränke.

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