Kinzel: Es steht nicht mal in Gelben Seiten

„Freibad professionell vermarkten“

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Den Verzicht auf eine professionelle Vermarktung des Rosenfreibades kritisiert Wolfgang Kinzel in einem offenen Brief an Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Der Harpstedter, selbst Frühschwimmer und zudem SPD-Kommunalwahlkandidat, nennt das Bad „ein wahres Juwel“. Es stehe aber nicht mal in den Gelben Seiten. Das sei „ein Armutszeugnis“. Kinzel wirft der Samtgemeindeverwaltung und insbesondere Wöbse vor, die Bedeutung des Freibads für die Bürger und die Förderung des Tourismus nicht erkannt zu haben.

Hinweisschilder auf die Einrichtung sollten nach seiner Ansicht „bereits ab Ippener“ stehen. „Wer durch Harpstedt fährt, kann nur mit einer Lupe den Wegweiser zum Bad finden“, beklagt er. Kinzel schlägt vor, auch mit Werbeplanen an Bauzäunen, gesponsert durch ortsansässige Firmen, „auf den wichtigsten Verkehrswegen nach Harpstedt (...) auf unser Freibad“ hinzuweisen. Er hinterfragt, warum es im Unterschied zu anderen Gemeinden keine Homepage für die Badeanstalt mit Vorstellung „unserer hervorragenden Schwimmmeister“ und klaren Angaben zu den Öffnungszeiten gebe und ob schon einmal daran gedacht worden sei, in Tageszeitungen regelmäßig Anzeigen zu schalten. Eine Facebook-Seite mit „Gefällt mir“-Button für das Freibad wäre eigentlich „ein Muss“. Aber auch die gebe es nicht.

Kinzel kann nicht nachvollziehen, weshalb die Vorstellung des neuen Schwimmmeisters Björn Reinke gegenüber der Presse „versäumt“ worden ist. Hingegen sagt ihm der neue Kioskbetreiber mit seinem Ideenreichtum und seinem „guten Angebot zu annehmbaren Preisen“ sehr zu.

Auch Wahlkampftöne schlägt Kinzel an: Wöbse habe vor seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister mit dem Slogan „nah am Bürger“ geworben. „Meine Recherchen ergaben, dass Sie das Rosenfreibad seit Ihrem Amtsantritt noch nicht einmal aufgesucht haben. Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege!“, heißt es in dem offenen Brief. Nah am Bürger zu sein – das heißt für Kinzel auch, so wichtige Einrichtungen wie das Rosenfreibad „ab und zu mal aufzusuchen, um zu sehen, wo es (...) hapert“. Und wer das tue, der entdecke durchaus Verbesserungswürdiges und bemerke etwa, „dass es in der Männerdusche keine Ablagen gibt“ oder dass es für das Bad dringend neuer Uhranzeigen bedürfe. Alles in allem wünscht sich Kinzel eine bessere Würdigung und Vermarktung der Anlage. Auch würde er gern wissen, wie Wöbse über einen möglichen Förderverein denkt. „Welche Unterstützung würden Sie und die Verwaltung so einem Verein zukommen lassen?“, fragt er.

Im Bereich Tourismus hätten die Samtgemeinde und ihre Mitgliedsgemeinden viel Sehenswertes zu bieten, erwidert Herwig Wöbse. Das Freibad gehöre als ein Juwel dazu. Während in der Samtgemeinde für den Bereich Tourismus 18 400 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung stünden, umfassten die laufenden Ausgaben der Badeanstalt über 250 000 Euro jährlich. „Damit dürfte sich aus meiner Sicht die Frage des mangelnden Stellenwertes für das Rosenfreibad nicht stellen“, so der Verwaltungschef. Er vermutet, dass weder mit einem Eintrag in die Gelben Seiten noch mit den anderen von Kinzel erwähnten Vermarktungsvorschlägen „eine lohnenswerte Steigerung der Besucherzahlen“ zu erreichen wäre, bietet aber an, dies „in einem persönliches Gespräch“ gern näher zu erörtern.

Verwaltungsseitig sei vor dem Saisonstart im Kioskbereich gehandelt worden. Wöbse nennt „kleinere bauliche Maßnahmen“. Ziel sei es gewesen, die Nutzbarkeit und die Attraktivität des Kiosks zu verbessern. Die Absicht sei gewesen, dem neuen Pächter bessere Rahmenbedingungen zu geben. „Daher freue ich mich, dass er mit seinen Angeboten bei den Freibadnutzern auf sehr gute Resonanz gestoßen ist.“ Ferner habe der Rat auf Vorschlag der Verwaltung mit dem Haushalt 2016 für die Erneuerung von zwei Durchschreitebecken 50 .000 Euro an Ersatzinvestitionen beschlossen. Diese Maßnahme werde nach Saisonende umgesetzt. Neben dem Tourismus habe die Samtgemeinde weitere wichtige Aufgaben, etwa Schulen, Kindergärten, Feuerwehren und dergleichen. „Nicht immer ist alles Wünschenswerte auch zu finanzieren. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden“, betont Wöbse.

Rubriklistenbild: © dpa

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