Tierrechtsorganisation erstattet Strafanzeige

Fuchs erschossen: Fall Gandalf ruft Peta auf den Plan

Das Leiden des verendeten Rotfuchses Gandalf, den Karin Petra Freiling aufgezogen hatte, lässt die Tierrechtsorganisation Peta nicht kalt. Sie hat Strafanzeige wegen Tierquälerei bei der Jagdausübung gestellt.

Klosterseelte - Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen alle Jäger, die am Leiden des in Klosterseelte verendeten Fuchses Gandalf beteiligt gewesen sind, hat jetzt die Tierrechtsorganisation Peta gestellt – wegen „des Verdachts des Verstoßes gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes“.

Danach kann zu „Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe“ belegt werden, wer „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet“ oder ihm „aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“.

Mit der Flasche mussten die Freilings aus Klosterseelte das Fuchsbaby nicht aufpäppeln, als es zu ihnen kam. Gandalf trank die Aufzuchtmilch aus einem Schälchen. - Foto: Freiling

Über die Vorgeschichte der Strafanzeige hat unsere Zeitung bereits berichtet. Hier noch einmal das Wesentliche in aller Kürze: Die Biologin Karin Petra Freiling aus Klosterseelte und ihr Ehemann André hatten 2015 den damals zwischen drei und vier Monate jungen Gandalf für die Wildtieraufzuchtstation Rotenburg/Wümme aufgepäppelt und nach etwa einem Vierteljahr ausgewildert. Vor rund zwei Wochen, am 8. Oktober, fiel der Rotfuchs einer Jagd mit Hunden zum Opfer, und zwar ausgerechnet am Haus der Freilings. 

Das von einem Jäger angeschossene Tier hatte dort in einem Durchlass im Straßengraben Zuflucht gesucht, ehe es verendete. In der Frage, ob Gandalf an der Schussverletzung oder an Hundebissen gestorben ist, herrscht angesichts widersprüchlicher Aussagen bislang keine Klarheit. Nach Einschätzung von Karin Petra Freiling muss sein Leiden aber mindestens eine Stunde gedauert haben.

Viele Füchse sterben qualvoll

„Weil ein paar Jäger Lust am Töten haben, musste Gandalf auf grausamste Weise sterben“, konstatiert Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei der Tierrechtsorganisation Peta. Er teile sein Schicksal mit etlichen Artgenossen. „Bei der Jagd auf Füchse sterben viele der Tiere auf diese Weise, weil Jäger nicht richtig treffen, oder sie werden in Fallen regelrecht zerquetscht und verstümmelt“, so Reithinger.

Laut Tierschutzgesetz müsse ein „vernünftiger Grund“ für das Töten eines Tieres vorliegen; bei der Jagd auf Füchse handele es sich jedoch lediglich um die „Befriedigung eines blutigen Hobbys“; sie gehöre „endlich verboten“. Weder aus wildbiologischer noch gesundheitlicher Sicht bestehe ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer. 

Die zum Teil noch immer geäußerten Bedenken gegenüber den Tieren beruhten auf längst widerlegten Annahmen: Die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse sei nahezu auszuschließen. Deutschland sei seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut, und der Fuchsbandwurm zähle zu den seltensten Infektionskrankheiten Europas, erläutert Vanessa Reithinger.

Rechtfertigung der Jäger

Jäger rechtfertigen die Fuchsjagd ihrerseits auch damit, dass erwachsene Tiere so gut wie keine natürlichen Feinde haben (Jungtiere können indes schon mal einem Baummarder oder auch Uhu zum Opfer fallen) und das Niederwild dezimieren. Sie sehen die Notwendigkeit, regulierend einzugreifen. Tierschutzorganisationen halten dagegen, der Rotfuchs vermehre sich von Natur aus keineswegs explosionsartig. 

Bei intensiver Bejagung aber erhöht sich nachweislich die Nachkommenschaft. Hohe Mortalität lässt den Anteil von an der Fortpflanzung beteiligten Fähen ansteigen, und die Zahl der Jungen pro Wurf wächst. Von daher wirkt die waidmännische „Regulierung“ kontraproduktiv. Füchse können in Gefangenschaft 14 Jahre alt werden. In freier Natur erreichen 95 Prozent der Tiere einer Population aber nicht einmal das fünfte Lebensjahr.

„Auch das von den Jägern vorgeschobene Argument des Artenschutzes ist Augenwischerei“, urteilt Vanessa Reithinger. Füchse ernährten sich vornehmlich von Mäusen. Populationsrückgänge betroffener Arten wie dem Feldhasen seien überwiegend dem Lebensraumverlust sowie dem schwindenden Nahrungsangebot geschuldet. 

Im Übrigen auch den Jägern, die jährlich bundesweit etwa 200.000 Feldhasen zur Strecke brächten. Als Gesundheitspolizei seien Füchse „ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur“. Sie sicherten „nicht zuletzt auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde somit sofort beseitigen“. - boh

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