Reise im Namen der Forschung

Colnrades Bürgermeisterin fliegt im November nach Tokio

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„Uns rauchen die Köpfe“, sagte Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann (hinten, 4.v.l.) schmunzelnd – nach gemeinsamer intensiver Arbeit mit der japanischen Besuchergruppe an einer Powerpoint-Präsentation für ein Symposium in Tokio.

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Beeinflussen kleinräumige Strukturen in der kommunalen Selbstverwaltung, weitreichende politische Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger und bürgerschaftliches Engagement die Vielfalt und die Schönheit der Landschaft positiv? Das vermuten Wissenschaftler japanischer Hochschulen, und sie erforschen angenommene Wechselwirkungen und Zusammenhänge nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch im französischen Lyon La Forêt sowie im beschaulichen Colnrade.

Die Fragestellungen beruhten teils schon auf einer Herangehensweise, die „uns hierzulande etwas fremd und ungewöhnlich erscheint“, gibt Colnrades Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann zu. In den vergangenen Tagen hat sie mit einer neunköpfigen Delegation aus Japan eine Powerpoint-Präsentation für ein Symposium in Tokio am 5. und 6. November erarbeitet, an dem sie neben Verwaltungsfachkräften, Professoren, Vertretern der japanischen Zentralregierung, Botschaftsangehörigen und Studenten auch selbst – auf Einladung – mit ihrer Tochter Sophie mitwirken wird. Die Leitung der Podiumsdiskussion übernimmt Prof. Masami Hagai, Verwaltungswissenschaftler an der Tokyo Economy University. Er kam jetzt ebenso nach Colnrade wie der Philosoph Ken Nishi mit Gattin Atsuko und Sohn Hikaru, Masaki Kano, Architekt Hideo Satsuta, der Urbanist/Kommunalwissenschaftler Hideyo Fujikura, Prof. Keijiro Yamada vom Kanazawa Institute of Technology und Übersetzer Ryoichi Ikeda. Drei der Gäste hatten bereits im Mai die beschauliche Kommune an der Hunte besucht.

Wie funktionieren kleine Gemeinden nachhaltig?

„Es wird in der Podiumsdiskussion darum gehen, wie kleine Gemeinden nachhaltig funktionieren und wie sich Bürgerbeteiligung fördern lässt. Dabei dienen Colnrade und Lyon La Forêt, eine kleine Gemeinde in der Normandie mit etwa 750 Einwohnern, als ausländische Beispiele. Die zentrale Fragestellung wird sein, was notwendig ist, um die Qualität lokaler Verwaltungseinheiten zu verbessern und ihre Beständigkeit zu sichern“, erläutert Wilkens-Lindemann.

In Japan ist die Anzahl der Kommunen als Folge einer im Jahr 2000 vollzogenen Reform auf Kosten demokratischer Mitwirkungsmöglichkeiten durch Zusammenlegungen und Eingemeindungen auf nur noch etwa die Hälfte reduziert worden. Probleme wie die Überalterung der Bevölkerung oder auch die Entwurzelung und Vereinsamung von Menschen in den Großstädten plagen viele Gemeinwesen. Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum sich Forscher heute interdisziplinär mit den Vorteilen kleinräumiger gemeindlicher Strukturen befassen, die den Bürgern viel Freiraum zur Mitgestaltung lassen. Sie tun dies aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Stadtplaner und Landschaftsbauspezialist Keijiro Yamada vertritt sogar die These, Kommunalpolitik spiegele sich im Landschaftsbild wider.

Besucher aus Japan im Kreishaus

In Colnrade stiegen die Wissenschaftler tief in die gemeindlichen Strukturen ein. Sie wollten etwa wissen, wie die Kommune zur Samtgemeinde Harpstedt kam, wie das Neubaugebiet Prote-Straßburg-Weg entstand, welche Mitwirkungsmöglichkeiten die Dorferneuerung bot und welche Ergebnisse sie hervorgebracht hat. Am Montagnachmittag weilte die Besuchergruppe im Kreishaus, um dort weiteren Informationsdurst im Gespräch mit Baudezernentin Eva-Maria Lanfermann, zugleich Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, zu stillen.

Die Powerpoint-Präsentation für das Symposium möchte Anne Wilkens-Lindemann nach ihrem Japan-Besuch auch in Colnrade – in übersetzter Form – zeigen. Dass ihre Tochter Sophie mit nach Japan fliegen wird, kommt nicht von ungefähr: Sie hatte sich im Zusammenhang mit dem Austausch mit den japanischen Wissenschaftlern selbst eingebracht und etwa den Kontakt zu Dr. Karl Martin Born, Lehrkraft für besondere Aufgaben am ISPA (Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten) der Universität Vechta hergestellt.

Der erste japanische Wissenschaftler, der sich für die Gemeinde Colnrade interessierte und den redensartlichen Stein ins Rollen gebracht hatte, war der Soziologie Kimiaki Yamazaki von der Universität Gifu gewesen. Er ist aber zum Bedauern von Anne Wilkens-Lindemann erkrankt.

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