Auch Kirchseelte soll eins bekommen

Die Chancen für das Bürgerauto stehen gut

Dünsen - Von Jürgen Bohlken. Selbst Einkäufe für den täglichen Bedarf können die Dünsener nicht oder kaum mehr in ihrem Heimatort erledigen. Für Arzt- oder Behördenbesuche sind sie ohnehin auf den Bus oder das Auto angewiesen. Den erlittenen Verlust an dörflicher Infrastruktur könnnte bald ein Plus an „nachhaltiger Mobilität“ kompensieren: Nach den geplatzten Bürgerbus-Träumen kommt 2017, wenn alles gut geht, das Bürgerauto.

Dahinter verbirgt sich ein kommunales Fahrzeug mit Elektroantrieb, das – ähnlich wie ein Anrufsammeltaxi – Mobilität auf Abruf ermöglicht. Für kleines Geld, so der Plan, holen ehrenamtliche Fahrer Bürger, die nicht mobil sind, bedarfsabhängig mit einem Van ab, chauffieren sie etwa zu Einkaufsmärkten, Arztpraxen oder auch zum Wochenmarkt und bringen sie wieder zurück bis vor die Haustür. Dabei ist angestrebt, die Kapazität des Wagens, voraussichtlich ein Siebensitzer, durch eine zeitliche Bündelung von Fahrten gut auszunutzen.

Dahinter steht ein Klimaschutzaspekt. Und der kommt nicht von ungefähr. Die Bürgerautos, von denen drei für den Landkreis Oldenburg und je eins für die Gemeinden Dötlingen, Ganderkesee, Kirchseelte und Dünsen angeschafft werden sollen, sind der Kern eines beantragten Pilotprojektes, für das der Bund im Rahmen eines Programms zur Förderung innovativer Klimaschutzmaßnahmen eine 80-prozentige Übernahme der investiven Kosten in Aussicht gestellt hat. Dieses Vorhaben „firmiert“ mittlerweile unter dem Namen „Elektromobilität im Landkreis Oldenburg“ und geht auf unterschiedliche Initiatoren und Akteure zurück. Hier habe sich die Redensart „Viele Köche verderben den Brei“ mal nicht bewahrheitet, urteilte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse am Montag im Dünsener Rat. Im „Landhaus“ beschrieb er detailliert die Vorgeschichte und den aktuellen Stand. Wegen der knapp bemessenen Einreichungsfrist hätten die Beteiligten, insbesondere der Landkreis mit seiner Klimaschutzbeauftragten Manuela Schöne, die Vertreter des Arbeitskreises Mobilität, darunter Wöbse selbst sowie Stefan Bendrien vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), der Verein für ganzheitliches Lernen, „Wi helpt di“ (Dötlingen) und Lars Gremlowski, Klimaschutzmanager für Dötlingen und Ganderkesee, die Projektskizze mit durchaus „heißer Nadel“ bis zum 30. Juni eingereicht. Zehn Prozent der „angemeldeten“ – rund 250 – Vorhaben seien anerkannt worden. „Unseres war dabei, wenngleich unser Eindruck war, dass wir so gerade mit über die Hürde gesprungen sind“, sagte Wöbse.

Ende Oktober, noch fristgerecht, sei dann „nach erneut hektischer Aktivität“ auch der detaillierte Antrag eingereicht worden. Der Landkreis habe für die Ausarbeitung die professionelle Begleitung eines Fachbüros in Anspruch genommen. Wöbse rechnete sich „sehr gute“ Chancen aus, „vielleicht im Januar“ eine endgültige Bewilligung zu bekommen. Dann gäbe es „eine ganz feste Grundlage“, um die Bürgerautos auf den Weg zu bringen.

Senioren, Jugendliche und Flüchtlinge profitieren

Dünsen kann indes schon jetzt gute Voraussetzungen vorweisen. In Bürgerstammtischen, initiiert von der Dünsener Bürgerliste (DBL), war die Diskussion über Nahverkehrs- und Mobilitätsprobleme angestoßen worden. Dabei offenbarte sich, dass der zunächst ins Auge gefasste Bürgerbus an einer nicht darstellbaren Linienführung scheitern würde. Das Bürgerauto erscheint inzwischen als die weit bessere Option, weil es eine bedarfsgerechtere und flexiblere Personenbeförderung ermöglicht, die nicht an stringente Fahrpläne und feste Haltestellen gebunden ist. Sechs oder sieben Ehrenamtliche wären bereit, Fahrdienste zu übernehmen. Zudem gibt es eine freiwillige Kraft für die erforderliche Telefonzentrale. Das Bürgerauto, das Verbraucher auch dazu ermuntern will, vielleicht selbst über die Anschaffung eines E-Fahrzeugs nachzudenken, soll online und zusätzlich per Telefon „buchbar“ sein. Es könnte nach Lage der Dinge im Herbst 2017 den Betrieb aufnehmen.

An die Förderfähigkeit knüpfen sich Voraussetzungen und Auflagen. Kosten fallen nicht nur für das Fahrzeug selbst an, sondern auch für ein mit Photovoltaikzellen auf dem Dach versehenes „Solar-Carport“ sowie eine Ladestation für Elektro-Autos und E-Bikes. Ein 20-prozentiger Eigenanteil verbleibt allerdings bei der Kommune. Vor diesem Hintergrund hat der Dünsener Rat einstimmig beschlossen, bis zu 20 000 Euro in den Etat 2017 einzustellen.

Von dem Bürgerauto würden keineswegs nur Senioren profitieren, sondern etwa ebenso Jugendliche, die oftmals Probleme haben, von A nach B zu kommen, weil beide Eltern aufgrund von Erwerbstätigkeit sie nicht fahren können, oder aber Flüchtlinge, die für gewöhnlich nur auf das Fahrrad als Transportmittel zurückgreifen können.

Hinzu kommt eine kommunikative Komponente: Die Gespräche während der gemeinsamen Fahrten im Bürgerauto begünstigen womöglich sogar neue soziale Kontakte. Auch das könne, so Wöbse, bei der endgültigen Entscheidung über den eingereichten Antrag als Pluspunkt gewertet werden.

Der Stein sei ins Rollen gekommen; nun gelte es, das Projekt weiter mit Leben zu füllen und die Detailfragen zu klären, so der Samtgemeindebürgermeister. Aufrichtigen Dank zollte ihm der Dünsener Rat für seinen ganz persönlichen Einsatz und für das Herzblut, das er in das ambitionierte Bürgerauto-Projekt gesteckt hatte.

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