SPD-Kandidatin Saskia Kamp fordert mehr Transparenz ein

„Der Bürger wird nicht genug mitgenommen“

Dreifache Mutter, Diplom-Pädagogin, seit 2011 Harpstedterin und schon seit 2008 SPD-Mitglied: Saskia Kamp (47).

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Grundsätzlich wolle sie die „alles in allem gute kommunalpolitische Arbeit transparenter machen“, sagt Saskia Kamp. Die Sozialdemokraten haben sie auf ihrem Wahlvorschlag für den Samtgemeinderat zu ihrer Spitzenkandidatin gemacht. Zudem bewirbt sich die seit 2011 in Harpstedt wohnende Diplom-Pädagogin auf den SPD-Listen um Mandate im Fleckenrat (letzter Platz) und im Kreistag (Rang drei im Wahlbereich Dötlingen–Harpstedt–Wildeshausen).

In ihrer jetzigen Heimat weiß sie die hohe Lebensqualität zu schätzen. Etwa die Einkaufsmöglichkeiten und die Infrastruktur mit gut ausgebauten Schulen und Kitas, Sportanlagen, Jugendpflege, Delmeschulschwimmbad und dem Freibad mit seinen familienfreundlichen Eintrittspreisen.

Das politische Tagesgeschehen verfolgt sie gleichwohl kritisch. Irgendwer beschließt etwas, und keiner weiß, warum die Entscheidung so und nicht anders ausgefallen ist – diesen Eindruck hatte die 47-Jährige bereits, als ihr die Samtgemeinde noch relativ fremd war. Mittlerweile hat sie Zugang zur Kommunalpolitik bekommen. Ihre Empfindung, es mangele an Transparenz, aber ist geblieben. Als Beispiel fällt ihr die Grundschule Dünsen ein. Wenn sich der Rat Anfang 2015 für ihren Erhalt ausspreche, um den Schulstandort dann gegen Ende desselben Jahres zugunsten einer Kinderkrippe zu opfern, dann sei das nicht in Ordnung, findet Saskia Kamp. So dürfe die Politik nicht mit Bürgern umgehen. Die Gründe von Entscheidungen, gerade auch unbequemen, müssten sehr deutlich gemacht werden. Saskia Kamp will nach eigenem Bekunden „massiv“ dafür kämpfen, „dass wir den Bürger mitnehmen“.

„Der politische Gegner bremst uns ein Stück weit aus. Aber auch die Verwaltung“, beklagt die Pädagogin, die bei der Arbeiterwohlfahrt in Delmenhorst als Koordinatorin in der Flüchtlingsbetreuung arbeitet. Sie sei aus ihrem früheren Wohnsitz im Kreis Verden, wo sie fünf Jahre lang als Beisitzerin im Jugendhilfeausschuss den Tagesmutterverein vertrat, andere Strukturen gewohnt. Im Übrigen auch einen regelmäßigeren Sitzungsturnus. Dass ein Rat aus angeblichem Mangel an Themen ein halbes Jahr oder länger nicht tage, „geht gar nicht“, betont Kamp, die auch stellvertretende Vorsitzende der Samtgemeinde-SPD ist. Eingereichte Anträge müssten in der nächsten Sitzung des Gremiums, das sie beträfen, auf die Tagesordnung kommen, nicht erst in der übernächsten oder noch später.

Der Umgang mit der Flüchtlingsinitiative stieß ihr sauer auf. Die Ehrenamtlichen, die sich für die Asylsuchenden einsetzten, ersparten der Samtgemeinde dadurch unendlich viel Arbeit und Kosten. „Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ihnen ihre Auslagen, etwa für Fahrten zu Behörden und dergleichen, zu erstatten.“ Dass es darüber überhaupt Diskussionsbedarf gab, vermag Saskia Kamp nicht nachzuvollziehen. „Die Flüchtlingshelfer brauchen Begleitung. Zumindest im Hintergrund muss jemand da sein, der sie begleitet, unterstützt, sich bei ihnen blicken lässt, das Gespräch sucht und sich ihre Nöte anhört. Diesen Jemand hätte ich mir in der Verwaltung gewünscht. Aber den gab’s leider nicht“, bedauert die 47-Jährige. Ehrenamtliche dürften nicht im Regen stehen gelassen werden. Sie müssten mehr Wertschätzung erfahren, als das aktuell der Fall sei.

Auch der Bürgerbus, der zunächst für die ganze Samtgemeinde und zuletzt nur für Dünsen diskutiert worden war, hätte nach Einschätzung der SPD-Kandidatin mehr Aufmerksamkeit und Herzblut verdient. Die Verwaltung hätte sich, so findet sie, des Themas annehmen und Vorschläge unterbreiten können, wie die Einführung eines solchen bürgernahen ÖPNV-Angebotes hinzubekommen wäre. Stattdessen bekämen die Ehrenamtlichen, die sich darum bemühten, zu hören: „Das geht nicht.“ Ihnen derart den Wind aus den Segeln zu nehmen, hält die SPD-Kandidatin für kritikwürdig. Für die Zukunft wünsche sie sich, „dass wir mit der Verwaltung besser zusammenarbeiten, damit wir zielgerichtet Projekte angehen können.“

Einblicke in die hiesige Kommunalpolitik hatte Saskia Kamp im Rahmen eines Mentoring-Programms der SPD bekommen. Als Mentor stand ihr dabei der erfahrene Ratsherr und Kreistagsabgeordnete Heinz-Jürgen Greszik zur Seite.

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