Goldendoodle-Nachwuchs in Harpstedt

Welpen sollen später Menschen helfen

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Yvonne Köhler mit ihren vierbeinigen „Brückenbauern“. Vorn Luna, dahinter (v.l.) Fly, Mara, zwei der ausgewählten Therapie-Welpen (auf dem Arm der Ergotherapeutin) und Kira. 

Harpstedt - Von Anja Rottmann. Momentan herrscht in der Praxis von Ergotherapeutin Yvonne Köhler an der Oderstraße in Harpstedt geschäftiges Treiben: Zwölf muntere Goldendoodle-Welpen erkunden die Welt, mal tapsig verspielt, mal auf Entdeckungstour.

Mahlzeit! Die Kleinen haben mal wieder Hunger. Geduldig säugt Luna die Welpen. 

Die „Kleinen“, mittlerweile sieben Wochen alt, halten ihre Besitzerin sogar zur Schlafenszeit auf Trab. Mehrmals in der Nacht müssen sie raus und haben anschließend auch schon wieder Hunger. Die Milch von Hunde-Mama Luna reicht nicht aus; also bekommt die Rasselbande zusätzliche Nahrung. Die jeweils sechs Rüden und Weibchen sind entweder schwarz oder blond. Die Schnauzen lassen teils den genetischen Einfluss des Pudels erkennen, teils den des Golden Retriever. Ende Oktober werden die Goldendoodle-Welpen im Alter von dann elf Wochen neuen Besitzern übergeben. Vier von ihnen sollen, so der Plan, eine Ausbildung zum Therapiehund absolvieren. Sie bringen vom Wesen her die nötigen Voraussetzungen mit, verhalten sich nicht dominant und schreckhaft, sind vielmehr menschenbezogen und wissbegierig. Die anderen acht werden in ihrem künftigen Zuhause als Familienhunde integriert sein.

Eignung wird getestet

Die 37-jährige Yvonne Köhler hat alle neuen Besitzer sorgfältig nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Die vier blonden Junghunde Nelson, Jesper, Callefax und Ida sollen im Kindergarten, in einer Ergo- sowie Physiotherapiepraxis und bei einem Kinder- und Jugendcoach zum Einsatz kommen. Nach einer zweijährigen Ausbildung gilt das Wesen des Hundes als gefestigt; dann steht endgültig fest, ob der jeweilige Vierbeiner die nötige Eignung hat.

Mit Welpen hat die Therapeutin bereits Erfahrungen gesammelt: Schon im April brachte ihre Husky-Hündin Kira gleich acht zur Welt; der „Papa“ war ein Münsterländer. Aus diesem Wurf hat sich ein Therapiehund herauskristallisiert, den eine Ergotherapeutin in Bremen an einer Suchtklink ausbildet.

Nach ihrer eigenen Ausbildung arbeitete Yvonne Köhler in einem Seniorenheim. Als sie ihren Welpen außerplanmäßig mit zum Dienst nehmen musste, stellte sie fest, wie positiv sich dessen Anwesenheit auf das Verhalten der Senioren auswirkte. Eine Idee war geboren.

Kinder, Senioren, Koma-Patienten

Im Zuge einer Weiterbildungsmaßnahme ergründete Köhler die Arbeit mit Tieren noch tiefer. Schließlich stand für sie fest, dass sie speziell Hunde als therapieunterstützende „Brückenbauer“ einsetzen wollte. Nach einem Arbeitsplatzwechsel bot sich ihr diese Möglichkeit jedoch nicht. Beileibe nicht nur, aber auch aus diesem Grund machte sich die heute 37-Jährige vor zwei Jahren selbständig.

Oft begegnen Klienten Therapeuten mit Skepsis; oft können sie Motivation aus sich selbst heraus nicht richtig aktivieren. Mit einem Hund als „Beziehungsverstärker“ gelingt die Behandlung schneller und effektiver. Diese Erfahrung hat zumindest Yvonne Köhler gemacht. Sie bildet die Hunde selbst aus; nach einer gewissen Zeit werden sie von unabhängigen Stellen geprüft.

Die Zielgruppe, die mit den tierischen „Assistenten“ erreicht werden soll, umfasst Kinder ebenso wie Senioren oder Koma-Patienten. Köhlers vier Hunde Fly, Kira, Luna und Mara sind geeignet; sie bedienen die Bedürfnisse, erfüllen die Anforderungen. Zwei Bartargamen im Wartezimmer und eine Katze komplettieren das „Team“. Ebenso Kaninchen und Meerschweinchen im Außengehege. Sie begrüßen die Kinder schon auf dem Parkplatz. Allein das wirkt bereits motivationssteigernd. Im Wartezimmer beobachten die Kinder das Terrarium. Dabei fokussieren und zentrieren sie sich. Zu guter Letzt „begrüßt“ sie im Behandlungsraum ein Hund. All das begünstigt nach Überzeugung Köhlers den erfolgreichen Verlauf einer Therapiestunde, wobei die Behandlungseinheiten variieren. In der Regel werden aktive Tätigkeiten am Hund ausgeführt. Dazu zählen das Bürsten und Streicheln oder auch Bewegungsspiele. Allerdings steht nicht nur die tiergestützte Arbeit im Vordergrund.

Beruhigende Wirkung

Neurofeedback ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Praxis. Hier kommt Mara, ein Chihuahua, ins Spiel. Das kann dann beispielsweise so ablaufen: Der Klient nimmt auf einem Stuhl Platz und schaut auf einen Monitor, um Konzentration und „Stillsitzen“ zu trainieren. Mara legt sich auf seinen Schoß und strahlt eine beruhigende Wirkung aus. Ohne den Vierbeiner hält der Klient die Übung erfahrungsgemäß höchstens 20 Minuten durch, mit ihm deutlich länger, zuweilen sogar 45 Minuten.

Ist Mara mal verhindert, kommt an ihrer Stelle die Husky-Hündin Kira nach der Sitzung zum Zuge. Dann springt sie durch einen Reifen und sucht zuvor versteckte Leckerlis. Die Golden-Retrieverhündin Luna wiederum liebt es, wenn die Klienten für sie einen Parcours aufbauen, den Mensch und Tier gemeinsam ablaufen. Hierfür bedarf es viel Handlungsplanung und Ausdauer. „Im Hintergrund arbeite ich mit Handzeichen, damit die Hunde immer wissen, was sie tun sollen, falls ein Klient die Anweisung nicht deutlich genug ausgedrückt hat“, erklärt Köhler. Ein respektvoller Umgang mit dem Tier sowie bestimmte Verhaltensregeln liegen ihr am Herzen. Darüber spricht sie selbstverständlich im Vorfeld mit den Klienten.

Der Hund, so betont sie, ersetze den Therapeuten natürlich nicht. Er agiere aber eben als „Brückenbauer“ für die zwischenmenschliche Interaktion. Es macht Yvonne Köhler schon stolz zu sehen, wie sich die Welpen entwickeln und sie selbst die Prägephase mit positiven Eindrücken füllen kann. „Ich schenke all meinen Tieren viel Liebe und Geduld, damit sie gute Voraussetzungen mit auf den Weg bekommen, um als Therapiehunde wertvolle Dienste leisten zu können“, versichert sie. „Man lernt nie aus“ – getreu diesem Moto beginnt die 37-Jährige im Januar kommenden Jahres eine dreijährige Ausbildung zur Handtherapeutin – mit Blockunterricht in Münster.

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