Inge Wolfrath von Ausstellung begeistert

Warum bei „StoffArt“ jetzt Kunst zu sehen ist

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Inge Wolfrath (r.) entdeckt immer wieder Neues in den Ölbildern von Walburgi Wöbse. Athos, den nach einem der berühmten Musketiere benannten Berner Sennenhund der „StoffArt“-Inhaberin, wird die Künstlerin demnächst auf die Leinwand bannen. 

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Athos’ Interesse für Kunst hält sich in Grenzen. Eher beiläufig wirft der Vierbeiner einen Blick auf die 26 Ölgemälde, darunter detailreiche Küstenbilder, die bei Frauchen Inge Wolfrath in der Design-Werkstatt „StoffArt“ an den Wänden hängen. Weit mehr interessiert den freundlichen Berner Sennenhund die Malerin, lässt sie ihn doch auf ein paar willkommene Streicheleinheiten hoffen. Was er noch nicht weiß: Walburgi Wöbse, die in der Schneiderei ausstellende Künstlerin, hat ihn sich längst als Motiv ausgeguckt: „Dich male ich auch noch“, sagt die 67-Jährige.

Zehn Jahre besteht „StoffArt“ nunmehr an der unteren Freistraße in Harpstedt. Grund genug, sich selbst ein Geschenk zu diesem kleinen „Jubiläum“ zu machen, dachte sich die Inhaberin Inge Wolfrath – und schenkte sich die Ausstellung. „Inmitten dieser herrlichen Bilder zu arbeiten, empfinde ich als großes Glück“, sagt sie. Ihr Blick wandert auf ein Gemälde, das Meer und Küste zeigt. „Ich entdecke immer wieder Neues. Es wirkt fast dreidimensional. Als rollten die Wellen direkt auf mich zu“, schwärmt die Schneiderin von Walburgi Wöbses Arbeiten. Eines der Werke hat sie sogar selbst käuflich erworben.

„Wenn ich Menschen mit meinen Bildern berühren oder anrühren kann, habe ich mein Ziel erreicht“, verrät die Künstlerin. Früher hat sie alte Meister nachempfunden. Heute sucht sie sich selbst ihre Motive – oft und gern in der Natur. Habe sie drei Tage am Stück nicht gemalt, werde sie schon unruhig. Fast täglich greift sie zu Pinsel und Ölfarben. Aquarell, Pastell, Acryl – damit experimentierte sie in der Vergangenheit. Heute lautet ihre Devise: „Nur noch in Öl.“

Oft schrecken Maler vor dieser Technik zurück. Walburgi Wöbse, für gewöhnlich „Burgi“ genannt, findet sie gar nicht so furchtbar schwierig. Durch Übermalen sei es für gewöhnlich gut möglich, kleinere Pannen zu beheben. Anders als beim Aquarell. Das verzeihe kaum Fehler. „Wenn ich ein Motiv im Kopf habe, kann es passieren, dass am Ende etwas ganz anderes dabei herauskommt“, gesteht „Burgi“ Wöbse. Was das Urteil über ihre eigene Arbeit angeht, so teilt sie ein Schicksal mit vielen Künstlern: „Maler sind nie zufrieden. Sie denken immer, es müsste doch noch besser gehen.“ Am Meer hält sich die Harpstedterin unheimlich gern auf. Das offenbaren ihre Landschaftsmotive. Impressionen von Langeoog hat sie auf die Leinwand gebannt. Oder auch von Hiddensee, wo sie im Juli mit ihrem Mann weilte. „Ich habe noch nie solche Sonnenuntergänge wie dort gesehen. Einfach irre“, denkt die gebürtige Delmenhorsterin gern zurück.

Mit ihrem Mann teilt sie die Leidenschaft fürs Fotografieren. Viele Ölbilder hat sie nach Fotovorlagen Gestalt annehmen lassen. Zwei der aktuell ausgestellten Werke zeigen ihre Enkelin Stella mit einem anderen Mädchen – jeweils von hinten. Über den Entstehungsprozess hielt die Oma die mittlerweile fast 13-Jährige auf dem Laufenden. Sie fotografierte die im Werden begriffene Kunst in verschiedenen Arbeitsstadien und mailte ihr die Aufnahmen. Aus Rückmeldungen wie „Omi, das kann man ja schon voll gut erkennen!“ sprach die pure Begeisterung.

In einer Phase ihres Lebens, als es ihr nicht gut ging, half Walburgi Wöbse abstraktes Malen, das Gefühlschaos zu bewältigen. Ihre neueren Bilder sind indes gegenständlich. Auch ein Selbstporträt findet sich unter den 26 Werken in der Design-Werkstatt. Ein Porträt von Udo Lindenberg sticht heraus. „Den finde ich toll!“, sagt „Burgi“ Wöbse verschmitzt – und klingt dabei fast ein bisschen wie ein Teenager.

Bis Anfang 2017 sollen die Bilder bei „StoffArt“ an den Wänden hängen bleiben. Wer sie sich anschauen möchte, darf gern unverbindlich in die Schneiderwerkstatt kommen. Vor Jahren hatte Inge Wolfrath mehrfach Kunstausstellungen in ihren Räumen organisiert. Die Werkschau von Walburgi Wöbse bietet der Schneiderin nun Gelegenheit, daran anzuknüpfen und sich bei passender Gelegenheit immer mal wieder vorübergehend belebende Kunst „ins Haus“ zu holen.

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