Prozess wegen Schlägerei mit einem lebensgefährlich Verletzten in Ahlhorn fortgesetzt

Vater schildert Angriff verfeindeter Familie

Wildeshausen/Ahlhorn - Im Prozess wegen der Schlägerei mit einem lebensgefährlich Verletzten im April 2015 vor der Firma Heidemark in Ahlhorn hat am Freitag der Vater des angeklagten 30-Jährigen ausgesagt. Letzter soll mit einem Messer auf zwei Mitglieder einer verfeindeten Familie eingestochen haben.

Der Vater schilderte eine Nothilfe-Situation. Er sagte aus, er sei mit seinem Sohn und drei weiteren männlichen Familienmitgliedern in einem kleinen Bus nach Ahlhorn gefahren. Zum Arbeiten. Dort hätten bereits der 43-Jährige, der in dem Verfahren ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist, und vier seiner Verwandten auf die Familie des 30-Jährigen gewartet. „Die umstellten uns sofort. Sie hatten Knüppel“, so der Vater. Er sei aufgefordert worden, den Wagen zu verlassen, „um Rechnungen zu begleichen“.

Bei der Vernehmung bei der Polizei hatte er die Atmosphäre noch deutlich friedlicher geschildert. Der 43-Jährige habe gesagt, „wir schlagen euch auch nicht“. Davon wollte der Zeuge nun nichts mehr wissen. „Die sind doch mit Schlägern gekommen.“

Er sei ausgestiegen, als die Mitglieder der verfeindeten Familie auf die Scheiben des Busses eingeschlagen hätten. Dabei habe er mit einer Kette, die im Fahrzeug gelegen hätte, um sich geschlagen. Um sich zu verteidigen. Sie sei etwa 50 Zentimeter lang und nicht dicker als ein Finger gewesen. Er habe sie dabei gehabt, um nach der Rückkehr zu seinem Wohnort, dem Campingplatz Aumühle, ein Tor zu verschließen.

Doch der 43-Jährige habe ihm die Kette abgenommen und ihn damit geschlagen. Genau wegen dieses Tatvorwurfs steht er vor Gericht. Der Vater strich mit der Hand über seine Halbglatze, um zu zeigen, wo er getroffen wurde. Auch andere Mitglieder der verfeindeten Familie hätten auf ihn eingetreten, sagte er.

Im Anschluss berichtete der Vater von einem Gespräch mit seinem Sohn, nachdem dieser aus der U-Haft entlassen war. Dieser habe ihm gesagt: „Ich hatte ein kleines Messer. Wäre ich nicht ausgestiegen, hätten sie dich an Ort und Stelle gelassen.“ Letzteres ist eine bulgarische Redewendung, die bedeutet, getötet zu werden. Der Schilderung des Gesprächs zufolge hat der 30-Jährige mit dem Messer auf die Angreifer eingestochen. Dabei hätte er dann, glaubt man dem Vater, in Nothilfe gehandelt, um dessen Leben zu retten.

Die beiden Angeklagten äußern sich nicht zu den Vorwürfen. Bei dem Streit der Familien soll es um die Verlobte des 30-Jährigen gehen. Einer der beiden Männer, auf die dieser eingestochen haben soll, soll der Frau sexuelle Avancen gemacht haben. Es soll im Vorfeld der Schlägerei zu Drohungen der Familie des 30-Jährigen gegen die des 43-Jährigen gekommen sein. Das Verfahren soll bis Mitte Dezember dauern. - bor

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