Das Stellwerk „As“ in Ahlhorn hat eine bewegte Geschichte

Von der Reichsbahn über Vandalismus bis hin zu Büros

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Das Stellwerk ist nun saniert. 

Ahlhorn - Vom Bau als Dienstgebäude der Reichsbahn in den 1930er-Jahren über eine verwahrloste Ruine in den 1990ern bis hin zu einem denkmalgeschützten Status und der Sanierung: Das Stellwerk in Ahlhorn hat bewegte Zeiten hinter sich, und am Freitag kommt ein neues Kapitel dazu. Ab dann übernimmt der Monumentendienst aus Cloppenburg, der Eigentümer bei der Bewahrung historischer Gebäude unterstützt, das Bauwerk als Büro- und Verwaltungsgebäude. Aus diesem Anlass wirft der Großenkneter Heimatforscher Dirk Faß einen Blick zurück.

Der Bahnhof Ahlhorn entwickelte sich infolge der am 1. Oktober 1885 eröffneten Zweigbahn nach Vechta und eines 1915 angelegten Luftschiffhafens zu einer wichtigen Station, die in den Folgejahren durch die Einrichtung eines Caritas-Kinderheimes und des Fliegerhorsts Ahlhorn große wirtschaftliche Bedeutung errang. In Richtung Höltinghausen wurden über ein sogenanntes Sandgleis erhebliche Sandmengen transportiert. Neben der Abfertigung der fahrplanmäßigen Personenzüge gewann der Güterverkehr immer mehr an Zuwachs. Ein umfangreiches Gleisfeld wurde ausgebaut. Im Februar 1931 gab die Reichsbahndirektion Oldenburg ein ungewöhnliches Dienstgebäude in Auftrag: Ein Stellwerk mit einem im oberen Stockwerk befindlichen 50 000-Liter-Wassertank. Noch im selben Jahr entstand südlich vom Ahlhorner Bahnhof eine Stahl- Betonkonstruktion, die für die damalige Zeit üblich mit der typischen Klinkerbauweise versehen wurde.

Racheakt beim Bau des Gebäudes?

Dazu eine Meldung aus der Wildeshauser Zeitung vom 10. Oktober 1931: „Racheakt? Am Dienstag stürzte bei dem Neubau des Beton-Wasserwerkes beim Bahnhof, als die Beschickung mit Beton vorgenommen wurde, plötzlich das Gerüst zusammen und richtete dabei einen Schaden von mehreren Hundert Mark an. Eine Untersuchung ergab, dass die Versteifung jedenfalls beschädigt worden ist. Man neigt deshalb zu der Annahme, dass hier ein Racheakt vorliegt. Die Betonarbeiten wurden durch eine Oldenburger Firma ausgeführt.“

1932 wurde das Stellwerk „Ahlhorn Süd“ (As), das gut 58 Jahre seinen Dienst erfüllen sollte, samt einem gemauerten Brunnen seinen Bestimmungen übergeben. Im ersten Obergeschoss befand sich der Arbeitsplatz des Weichenwärters, der die Gleis- und Signalanlagen durch großzügige Verglasung seines weiten Arbeitsfelds zu beiden Seiten im Blick hatte.

Im Erdgeschoss war der Spannwerksraum. Dabei handelte es sich für die damalige Zeit um ein kleines technisches Meisterwerk, das für die Sicherheit im Schienenverkehr absolut reibungslos funktionieren musste. Eisenhängegewichte hielten die nach Osten hin in einer unterirdischen Drahtzugöffnung auslaufenden Seile im Winter wie im Sommer auf gleicher Spannung. Eine Mechanik mit Zug- und Spannseilen führte entlang der Schienen in Kanalschächte, über eingefetteten Lenkungsrollen und Halterungen zu den teilweise mehr als 1 000 Meter entfernten Weichen- und Signalstellungen.

Je nach Auslastung des Bahnbetriebs Ahlhorn taten im Stellwerk drei Bahnbeamte im Schichtwechsel ihren Dienst. Neben den Anforderungen im Betriebsdienst hatten sie auch die Aufgabe, eine Apparatur im Auge zu behalten, die auf die Füllmenge des obigen Wassertanks hinwies. Versorgt wurden nicht nur Dampfloks und Kesselwagen, sondern auch alle betriebseigenen Dienstgebäude und -wohnungen.

Mit der Fertigstellung des Drucktastenstellwerks im Jahr 1990 am Ahlhorner Bahnübergang verlor das Stellwerk „As“ letztendlich seine Funktion und war dem Verfall preisgegeben. Hinzu kam der Vandalismus. Nach und nach wurden sämtliche Glasscheiben samt Fensterkreuze kaputtgeschlagen und immer wieder Türen aufgebrochen. Rein äußerlich machte das Stellwerk in der Tat einen jämmerlichen Eindruck. 1996 wurde das knapp 15 Meter hohe markante Gebäude mit einer Länge von 11,38 und einer Breite von 6,58 Metern aufgrund seiner Bedeutung für die Wirtschafts- und Technikgeschichte unter Denkmalschutz gestellt.

DB Netz AG wollte das Stellwerk abreißen

Für die DB Netz AG stand Ende 2008 fest, die Bauruine abzureißen. Der Landkreis und die Vertreter der DB vereinbarten aber, vorrangig Möglichkeiten für eine Sanierung mit einem Nutzungskonzept auszuloten. Im Mai 2009 inspizierte der Monumentendienst das Gebäude und sprach sich positiv für eine Sanierung aus. Ein dafür erstelltes Konzept erwies sich als realisierbar. Als Basis gründete sich ein Trägerverein. Im Jahr 2015 begannen die Arbeiten, die etwa ein Jahr dauerten. Nun steht die offizielle Übergabe an.

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