Vater wegen Körperverletzung und Diebstahl verurteilt

„Kaputte Familie“ sieht sich vor Gericht wieder

Wildeshausen/Ahlhorn - Eine Ohrfeige und ein gestohlenes Handy im Wert von 300 Euro – deswegen hat das Amtsgericht Wildeshausen einen mehrfach vorbestraften 42-Jährigen am Montag zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt. Dahinter verbirgt sich eine Familie, die „sehr kaputt ist“, wie die Richterin sagte.

Unstrittig ist, dass der Angeklagte im Mai vergangenen Jahres gegen 4 Uhr die Wohnung seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau in Ahlhorn betrat. Dort schliefen auch zwei gemeinsame Töchter.

Er soll seiner Ex mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und ihr Handy entwendet haben, was der 42-Jährige allerdings bestreitet. Er will nur mit Kuchen – Bienenstich – nach ihr geworfen haben, nachdem ein Gespräch nicht möglich gewesen sei, und gegangen sein, ohne das Mobiltelefon an sich zu nehmen. „Ich habe in 20 Ehejahren gebenüber meiner Frau noch nie die Hand gehoben“, sagte der Angeklagte. Es ging vermutlich um eine Beziehung, die sie mit einem anderen Mann eingegangen sein soll.

Die angeblich geschlagene Ehefrau – die Scheidung ist noch nicht abgeschlossen – nutzte ihr Zeugnisverweigerungsrecht, erschien also nicht vor Gericht. Dafür sagte die 22-jährige Tochter aus, die mittlerweile den Kontakt zu beiden Eltern abgebrochen hat.

Tochter hört nachts weinende Mutter

Anfänglich gefasst schilderte die junge Frau, dass die Eltern sich getrennt hätten und die Familie kaputt gegangen sei. Zum Tathergang konnte sie nicht viel beisteuern. Sie sei in jener Nacht aufgewacht, als sie ein Weinen gehört habe. Anschließend sei sie aus ihrem Zimmer gegangen und habe ihre Eltern bemerkt. Der Vater habe herum geschrien, sei alkoholisiert gewesen. „Es war noch ein Handabdruck auf dem Gesicht meiner Mutter zu sehen“, so die Zeugin. Als der 42-Jährige gegangen war, habe sie gemerkt, dass das Mobiltelefon ihrer Mutter fehlte. Daraufhin habe sie ihren Vater angerufen. „Er sagte, er rückt das Handy nicht heraus.“

Als die Richterin den Ablauf noch einmal mit der 22-Jährigen durchging, brach diese in Tränen aus. „Schämst du dich? Was tust du uns an?“, griff sie ihren Vater an. Sie sei immer ein Papa-Kind gewesen: „Ich habe ihn vergöttert.“ Damit ist es nun vorbei. Mit brüchiger Stimme sagte sie: „Wir waren eigentlich eine normale Familie.“

Die Zeugin habe einen ziemlich glaubwürdigen Eindruck gemacht, so die Richterin. Sowohl im Gespräch mit der Staatsanwältin als auch mit dem Angeklagten versuchte sie, ein Ende des Verfahrens unter Auflagen, aber ohne Urteil für den 42-Jährigen zu erreichen, um der Familie noch eine Chance zu geben. Die Folgen der angeblichen Körperverletzung seien „nicht dramatisch“ – so war zum Beispiel kein Arzt nötig – und bei dem Handy „ging es eher um die Daten“, also die verschickten Nachrichten, als um den Wert. „Der Staat zeigt Milde, und Sie bringen Ihre Beziehung einigermaßen wieder in Ordnung“, brachte die Richterin ihren Vorschlag auf den Punkt.

Doch der Angeklagte blieb dabei, er habe seine Frau nicht geschlagen. Auch die Staatsanwältin sah angesichts von 13 Einträgen im Bundeszentralregister keine Chance für eine Einstellung unter Auflagen. Angesichts der Vorstrafen „ist irgendwann einfach mal Schluss“. In den meisten Fällen handelt es sich Betrug. Insgesamt saß der Angeklagte drei Jahre in Haft.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird, der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Die Aussage des Angeklagten stehe der der Tochter gegenüber. Diese habe zudem nicht gesehen, dass ihre Mutter geschlagen wurde.

Für die Richterin gab die Schilderung der 22-Jährigen den Ausschlag. „Sie haben Ihre Ehefrau geschlagen und das Handy mitgenommen“, sagte sie zum Angeklagten. „Ich hoffe, Sie nutzen die Bewährung, um ein bisschen Frieden in Ihrer Familie wieder herzustellen.“ 

bor

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