Informationsveranstaltung soll Mädchen Weg in technische Berufe erleichtern

Frauen mit „Männer-Jobs“ geben Schülerinnen Tipps

Sarah-Maria Hilfers (rechts) informierte die Schülerinnen über ihren Weg ins Maschinenbaustudium.
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Sarah-Maria Hilfers (rechts) informierte die Schülerinnen über ihren Weg ins Maschinenbaustudium.

Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Chemie, Polizei, Maschinenbau sowie Wirtschaftsingenieurs- und Bauwesen: Alles Berufe, in denen es mehr Männer als Frauen gibt. Das soll sich ändern, findet die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Großenkneten, Antje Oltmanns, und hatte eine junge Frau aus jedem der Bereiche eingeladen, um Schülerinnen des zehnten und elften Jahrgangs des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums am Donnerstag über ihre Perspektiven in der Arbeitswelt zu informieren.

Oltmanns las die Namen und Berufe der jungen Referentinnen vor, diese standen dazu auf. „Sarah-Maria Hilfers. Maschinenbau.“ Die 22-Jährige erhob sich und kurz erfüllte Schweigen den großen Raum. Die modisch gekleidete und geschminkte schlanke Studentin mit lackierten und gepflegten Fingernägeln, langen Haaren und mehreren Ohrringen sowie Steckern passte nicht so recht zu dem, was dich Mädchen sich unter „Maschinenbau“ vorgestellt hatten. „Ja, genau“, bestätigte Hilfers die Worte von Oltmanns, um das Schweigen und das Eis zu brechen. Das war nicht die einzige Überraschung, die die rund 75 Schülerinnen an diesem Nachmittag erwartete.

Als die Beauftragte für Chancengleichheit der Bundesagentur für Arbeit, Heike Loers, ein Diagramm zeigte, demzufolge knapp die Hälfte aller Mädchen als Wunschberuf Kauffrau Büromanagement angegeben hatten, guckte so manche Schülerin erstaunt. Während Loers sprach, zeichnete sich durch die Milchglastür neben ihr der Schatten einer Putzfrau ab, die fleißig den Boden fegte – noch ein Beruf, den sie den jungen Frauen wohl nicht empfehlen würde.

„Wir wollen die Lust wecken, sich für andere Berufe zu interessieren“, sagte Loers und meinte damit die Mint-Berufe. Hinter der Abkürzung verbergen sich die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Arbeitsmarktexpertin verwies auf den Fachkräftemangel in den Branchen Elektronik/Elektrik, Metallbau sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Im Anschluss an den theoretischen Input setzten sich die Mädchen in Gruppen von ungefähr 15 zu den fünf Referentinnen an die einzelnen Tische. Dort nahm ihnen Maschinenbaustudentin Hilfers erst einmal die Angst, Orientierungslosigkeit wäre ein unüberwindbares Problem. „Ich hatte keine Ahnung, was ich nach der Schule machen sollte“, verriet sie. Ihr Abischnitt von 3,0 war auch keine große Hilfe, also entschied sie sich, ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in der Altenpflege zu absolvieren. Danach wusste sie zumindest, dass sie diesen Beruf nicht ergreifen wollte, und entschloss sich für ihr Studium, bei dem sie nun vor dem Bachelor-Abschluss steht.

„Meine Mutter fand das gar nicht gut“, erinnerte sie sich. Schließlich sei das Abitur ihrer Tochter nicht so gut gewesen und dann gleich Maschinenbau? Aber die junge Oldenburgerin wollte unbedingt und setzte sich durch. „Mich interessiert das Nachdenken und die Tüftelei“, sagte sie. Es sei in ihrem Studium und später im Beruf aber auch wichtig, kommunizieren zu können.

Eine der anderen vier Referentinnen war die 19-jährige Nora Albers aus Petersfehn. Sie absolviert ihr Niedersachsen-Technikum. Ein Begriff, der bei den meisten ihrer Zuhörerrinnen erst einmal für Fragezeichen sorgte. Ein sechs Monate andauerndes Praktikum gemischt mit Studieninhalten, erklärte Albers.

„Denkt ihr alle, Mathe ist Mist?“, klopfte sie gleich ab, wer sich für ihre Arbeit im Statikbüro interessieren könnte. Dort gestaltet sie am Computer vier Tage in der Woche 3D-Modelle von Häusern. Sie berichtete von einer sehr entspannten Atmosphäre, auch weil unter den zwölf Mitarbeitern neun Männer seien. Ob sie danach studieren will, wisse sie noch nicht. Missen möchte sie die Erfahrung als „Technikantin“ jedoch nicht. Sie informierte die Schülerinnen darüber, wie eine Bewerbung abläuft und was es zu beachten gilt.

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