Archiv wird neu geordnet

Heimatforscher Dirk Faß wühlt sich durch die Jahrhunderte

Dirk Faß zeigt eines der ältesten Stücke: eine Altarbibel aus dem 16. Jahrhundert, die bei einem Kirchenbrand gelitten hat. - Foto: bor

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Heimatforscher Dirk Faß aus Sage-Haast ordnet das Archiv der Kirchengemeinde Großenkneten neu. Dabei entdeckt er so manchen Schatz, muss aber auch vieles aussortieren.

Hinter einer unscheinbaren Metalltür, an der ein großer Jahreskalender für 2016 klebt, schlummert die Geschichte der Kirchengemeinde Großenkneten seit 1678. In dem rund neun Quadratmeter großen Raum im Kirchenbüro stehen Regale und ein abschließbarer Schrank voll mit Rechnungen, Taufregistern, Schulakten sowie Verzeichnissen über Grundvermögen und Liegenschaften. Alles auf altem Estrichboden. Dazwischen liegt alte Elektronik vom Router über diverse Kabel bis hin zum Drucker, ein Karton mit Geschenkpapier steht auf der Heizung. Es ist eine Mischung aus Archiv und Rumpelkammer, in die der Heimatforscher Dirk Faß aus Sage-Haast seit ein paar Wochen versucht, Ordnung zu bringen. Ein Vorhaben, das so seine Tücken birgt.

Denn das Findbuch, in dem alle Dokumente verzeichnet und mit Nummern versehen sind – gewissermaßen das Buch der Bücher für einen Archivar –, endet 1967. Alles, was danach kam, schreit quasi nach einer ordnenden Hand, die Faß gerne ist. Er hatte sich aus eigener Initiative bei der Kirchengemeinde gemeldet, die ihm sehr dankbar für seine Arbeit ist. Während der 61-Jährige sich am Montagabend mal wieder durch die jahrhundertelange Geschichte der Gemeinde wühlt, kommt Pfarrerin Christiane Geerken-Thomas vorbei. Sie wolle die Gelegenheit, wenn ein Reporter da ist, nutzen, um Faß auch öffentlich ihren Dank auszusprechen. „Er ist mit Leidenschaft und Freude dabei“, sagt sie.

Archivarbeit als Passion

Dem will Faß nicht widersprechen. Die Archivarbeit sei seine Passion, sagt er mit einem Lächeln. Und schon ist er wieder mittendrin. Er gehe immer vorsichtig ans Aussortieren, hält Rücksprache mit dem Archiv beim Oberkirchenrat in Oldenburg, versichert er. Dennoch hat er schon vieles entsorgt, was einfach keinen Bezug zu Großenkneten hat. Dicke Ordner mit Gesetzen und Verordnungen, die es ebenfalls in Oldenburg gibt, sind noch da, aber auch die will Faß gerne entsorgen. Um Platz zu schaffen für das Interessante. Und davon gibt es einiges.

Da ist zum Beispiel die Altarbibel aus dem 16. Jahrhundert. Faß vermutet zumindest, dass sie aus dieser Zeit stammt, denn sie weist zwar selbst kein Erstellungsdatum auf, ist aber stark angekokelt. Deswegen bringt er sie mit einem Brand der Kirche in Verbindung. So interessant das Stück, das die Jahrhunderte überdauert hat, auch sein mag, die meisten Anfragen, die das Kirchenbüro wegen seines Archivs erhält, drehen sich um die Familiengeschichte. „Unheimlich viele E-Mails kommen“, sagt Faß. „Aus Israel, Schweden, Norwegen, den USA.“ Oft gehe es um Namen wie Grotelüschen und Seegers, die auch aktuell noch so mancher Großenkneter trägt. Eben für Menschen, die Stammbäume oder Dorfchroniken erstellen, will Faß die Grundlage liefern. Dazu digitalisiert er auch das Findbuch, damit die Mitarbeiter im Kirchenbüro die richtigen Akten schneller zur Hand haben.

Und schon verschwindet Faß wieder hinter der unscheinbaren Metalltür. Es werde bestimmt noch Januar oder Februar werden, bevor er fertig ist, sagt er und lächelt dabei zufrieden. Er will noch einige Schätze finden.

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