Sechs Monate Bewährung für einschlägig vorbestraften 22-jährigen Schläger

Angeklagter bekommt noch eine Chance

Ahlhorn - Das Amtsgericht Wildeshausen hat am Donnerstag einen 22-jährigen Ganderkeseer wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird, und 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Nach sieben teilweise einschlägigen Vorstrafen kommt der junge Mann damit noch einmal um einen Aufenthalt im Gefängnis herum – allerdings nur knapp und weil er sich während der Verhandlung eines Besseren besann.

Es ging um zwei Kopfnüsse, die der Angeklagte einem heute 20-jährigen Ahlhorner im Januar dieses Jahres in dessen Wohnung verpasst hatte. Eigentlich wollte der 22-Jährige während der Tat gar nicht in Ahlhorn, sondern in seiner Heimatstadt gewesen sein. Dazu sollten am Donnerstag zwei Zeuginnen aussagen. Diese warteten jedoch umsonst auf dem Gerichtsflur, denn ihre Anwesenheit war nicht mehr vonnöten, weil der Angeklagte die Tat schließlich doch einräumte.

Vorher hatte der Staatsanwalt allerdings auch ernste Konsequenzen signalisiert, sollte der Ganderkeseer die beiden Frauen in eine Falschaussage laufen lassen. Nach einer Unterredung mit seinem Anwalt entschloss sich der 22-Jährige dazu, seine Schutzbehauptung aufzugeben. Er habe dem Opfer die zwei Kopfnüsse in kurzen Abständen verpasst. Dieses musste deswegen ins Krankenhaus und erlitt zumindest kurzfristig Sehstörungen.

„Ich war auf 180“, so der Angeklagte. Zuvor hatten er und der Ahlhorner sich diverse Handy-Nachrichten geschrieben, in denen es um eine Frau ging. Diese war die Freundin des Opfers gewesen und soll von diesem geschlagen worden sein. Das wollte der Angeklagte nicht mehr hinnehmen. „Wenn du noch mal eine Frau anfasst, schlage ich dich weiter“, habe er dem 20-Jährigen nach den Kopfnüssen gesagt. Wegen der angeblichen Schläge gegen seine Freundin steht das Opfer der nun verhandelten Körperverletzung kommende Woche selbst vor Gericht.

Laut ursprünglichem Anklagevorwurf soll der 22-jährige Schläger auch ein Fleischerbeil oder eine Machete dabeigehabt haben. Ein Foto einer solchen hatte er dem Opfer zuvor mit einer Drohung noch aufs Handy geschickt. Auch soll er gedroht haben, dem Ahlhorner den Kopf abzuschlagen, sollte dieser die Polizei rufen. Beide Vorwürfe ließen sich aber nicht beweisen.

Der Staatsanwalt hatte auf eine Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verlangt. Doch die Richterin folgte dem Verteidiger, der meinte, sein Mandant habe noch eine Chance verdient. In ihrer Urteilsbegründung hob die Richterin hervor, dass der Angeklagte an seiner Suchtproblematik arbeiten und sich einen Job suchen müsse. „Es steht ein bisschen auf Messers Schneide“, sagte sie. Wenn der 22-Jährige weitere Straftaten begehe, würde die Bewährung vermutlich widerrufen werden. - bor

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