Arbeitsagentur bietet Maßnahme in Delmenhorst an

Junge Flüchtlinge kochen und lernen gemeinsam

Foruzan (links) und Wahid kochen für die Lerngruppe. Es gibt Hühnchen mit Auberginen, Reis und Salat. - Foto: Zimmermann

Delmenhorst/Ganderkesee - Im Rahmen der Maßnahme „Perspektiven für junge Flüchtlinge“ (Perjuf) erproben 21 Teilnehmer derzeit in Delmenhorst Berufsfelder, entwickeln konkrete Ausbildungswünsche und lernen Deutsch. Dazu gehören auch Praktika, zum Beispiel in Ganderkesee. Die Arbeitsagentur berichtet aus dem Alltag der Gruppe.

Heute gibt es ein afghanisches Gericht: Hühnchen, Auberginen in Tomatensoße und Reis mit Karotten und Rosinen. Kursteilnehmer und Anleiter sitzen gemeinsam in dem Essraum des ehemaligen Nordwolle-Gebäudes, in dem die auf vier bis sechs Monate angelegte Maßnahme abläuft. Bevor er „Guten Appetit“ wünscht, stimmt der Sozialpädagoge Christoph Kathmann das „Perjuf-Lied“ an, den Refrain singen alle gemeinsam. Kathmann hat aus dem Kürzel ein Markenzeichen gemacht.

Die Anfänger-Gruppe hat vor dem Mittagessen den Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ geübt. „Dieser Stoff wäre noch gar nicht dran gewesen, aber die Teilnehmer wollten das unbedingt wissen“, sagt Daniel Sieve. Der Politikwissenschaftler gibt den berufsbezogenen Sprachunterricht und schreibt Sätze an die Tafel wie: „In der Klasse holt Mona ihr Heft heraus.“ Wo ist im Satz das Subjekt, das Prädikat, das Objekt? Khorish, Mortazer, Mohammed, Victor und Anas sitzen eine Weile still und konzentriert vor ihren Übungsblättern, bis der 25-jährige Khorish aufspringt. Er läuft zur Tafel, zeigt mit dem Finger auf einzelne Wörter. „,Mona‘ ist das Subjekt. Und ,ihr Heft‘ ist das Objekt.“

„Richtig. Ist das ein Dativ- oder ein Akkusativ-Objekt?“, fragt Sieve in die Runde. Diese Frage können noch nicht alle beantworten. Aber das wichtigste deutsche Wort ist ihnen längst vertraut: „Pünktlichkeit“ sagt einer aus der Runde, und alle lachen.

„Jetzt klappt das schon ganz gut mit der Verständigung. Aber man braucht seine Zeit, bis man sich einhört und den Teilnehmer gut verstehen kann. Das sage ich auch Arbeitgebern, wenn sie einen unserer Teilnehmer ins Praktikum übernehmen“, sagt Kathmann. So wie Ismatullah. Der 25-jährige Afghane lernt gerade den Berufsalltag in einer Autowerkstatt in Ganderkesee kennen. In der Metallwerkstatt des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BWN), die die Maßnahme der Arbeitsagentur in Delmenhorst durchführt, machte er sich mit Werkzeugen vertraut, die in Deutschland benutzt werden. „Viele unserer Teilnehmer sind jedoch sehr geschickt und haben im Heimatland viel improvisiert, darin sind sie uns weit voraus“, sagt Kathmann. Zehn Teilnehmer haben Praktika absolviert.

Zwischen den Lerneinheiten geht um das Ankommen in Deutschland und um die Haltung gegenüber Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Toleranz, Respekt und die Gleichbehandlung aller Menschen werden im Lehrgang besprochen. Konkret heißt das: Religion ist Privatsache. Es gibt keine Unterschiede zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Volksgruppen. Frauen und Männer machen die gleichen Dinge – vom Schweißen bis zum Kochen. Das hat das Pädagogen-Team gleich zu Beginn der Maßnahme erklärt. Sie vermittelten den Teilnehmern: Jeder kann selbst Entscheidungen für das eigene Leben treffen.

In dieser Hinsicht sind die Teilnehmer auch gefordert. Mehrere würden gern KfZ-Mechatroniker werden. Doch der Beruf ist begehrt. „Welches sind die Jobs, die die Deutschen nicht machen wollen?“, fragt der 20-jährige Victor aus Nigeria. „Wir wollen erreichen, dass sie sich ein realistisches Ausbildungsziel stecken“, meint Sozialpädagoge Kathmann.

Darum kümmert sich unter anderem Berufsberaterin Jacoba van der Harst. „Für neun Teilnehmer gibt es schon konkrete Pläne, die meisten werden voraussichtlich im Herbst eine Einstiegsqualifizierung in einem Ausbildungsbetrieb machen und im Folgejahr hoffentlich eine Lehre beginnen. Die anderen brauchen noch weitere Unterstützung.“ Sei es, dass die Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, es noch keinen realistischen Berufswunsch gibt oder dass es mit der Pünktlichkeit hapert.

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