Angeklagter zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt

Urteil im Einbruchsprozess: „Es geht hier um mein Leben“

Brettorf/Wildeshausen - Von Phillip Petzold. Im Verfahren gegen einen 45-Jährigen, der in ein Brettorfer Wohnhaus eingebrochen sein und in Steinfeld ein Fahrrad gestohlen haben soll, hat das Schöffengericht in Wildeshausen am Mittwoch ein Urteil gesprochen: Der Angeklagte soll für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Zu Beginn des dritten Verhandlungstags verkündete die Richterin, dass der Antrag des Angeklagten auf ein DNA-Gutachten des Tatwerkzeugs abgelehnt wurde. Eine solche Untersuchung des Schraubendrehers sei ungeeignet, da sie keine Aussagekraft habe. Das Werkzeug wurde zusammen mit einem Paar Handschuhen im Zimmer einer Delmenhorster Pension sichergestellt, das der Angeklagte bei seiner Festnahme am 29. Juli 2015 bewohnte. Er gab an, beides im Delmenhorster Bahnhof gefunden zu haben. Ein in Steinfeld gestohlenes Fahrrad, das die Beamten ebenfalls in der Pension sicherstellten, habe er von einer Prostituierten in Bremen geschenkt bekommen. Dieses Fahrrad hatte eine Zeugin am Tatort des Einbruchs gesehen.

Stattgegeben wurde jedoch einem anderen Antrag der Verteidigung. Die hatte eine Anhörung des Kriminaltechnikers gefordert, der den Schraubendreher als Tatwerkzeug identifiziert hatte. „Der Schraubendreher hat zweifelsfrei die Spuren verursacht“, bestätigte der Gutachter vor Gericht. Dem Angeklagten genügte das nicht: „Ich erkenne da nichts drauf“, sagte er mit Blick auf die Untersuchungsbilder. „Da braucht man schon viel Fantasie. Und hier geht es nicht um Fantasie, sondern um mein Leben!“

Finanziell von der Mutter unterstützt

Der Polizist, der den Angeklagten in Gewahrsam genommen hatte, nachdem dieser seinen Hafturlaub zur Flucht genutzt hatte, gab an: „Er sagte, er habe Kokain genommen und man würde ihm das bei seiner Rückkehr ansehen, wodurch er seine Vergünstigungen verlieren würde.“ Der Beamte ging davon aus, dass sich der Angeklagte während seiner Flucht mit kriminellen Delikten über Wasser gehalten habe und finanziell von seiner Mutter unterstützt worden sei.

An die Beweisaufnahme schlossen sich die Plädoyers des Staatsanwaltes und des Verteidigers an. Ersterer sah die Vorwürfe voll bestätigt. „Wie glaubwürdig ist es, dass ein Berufseinbrecher zufällig einen Schraubendreher, der bei einem Einbruch verwendet wurde, findet?“, fragte er in seinem Abschlussstatement und ging auf die 82-jährige Geschädigte ein. „Es ist schon eine richtige Heldentat, Erinnerungsstücke an die Mutter und den verstorbenen Mann zu stehlen“, kommentierte er die Tat ironisch. Die Geschädigte habe den Einbruch nicht gut verarbeitet und immer noch Angst bei jedem Geräusch in ihrem Haus. Zugunsten des Angeklagten fiel ihm nicht viel ein, sodass er für beide Delikte eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten forderte – ohne Bewährung.

„Wir wissen nicht, was passiert ist“

Dem Verteidiger war bewusst, dass die Aussagen seines Mandanten bisweilen unglaubwürdig waren, doch pochte er darauf, dass letztlich nur Indizien aufgeführt worden seien. „Man muss ihm die Fundstory nicht glauben, wir können sie aber nicht widerlegen. Wir wissen nicht, was passiert ist“, verdeutlichte er. Über den Angeklagten sagte er, dass dessen bisheriges Leben von Strafverbüßung bestimmt worden sei und er nie eine richtige Chance gehabt habe, ein Leben in Freiheit zu führen und Eigenverantwortung zu übernehmen. „Ich glaube, dass er Angst vor der Freiheit hat“, sagte er. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Der Angeklagte, der sich mit Aussagen eher zurückgehalten hatte, hatte das letzte Wort: „Ich kann verstehen, dass der Verdacht da ist und bin da auch nicht böse drüber“, sagte der 45-Jährige. „Aber ich habe es nicht getan.“

Nach der Beratung mit den Schöffen verkündete die Richterin das Urteil und folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft. Es steht für sie anhand des Schraubendrehers und des Fahrrades fest, dass der Angeklagte schuldig sei. „Dass Sie die Sachen gefunden und geschenkt bekommen haben – an solche Zufälle glauben wir nicht“, begründete die Richterin das Urteil. Was der Angeklagte aussagte, sei „fern jeglicher Lebenserfahrung“. Sie forderte ihn auf, an seiner Resozialisierung zu arbeiten und „jede Hilfe in Anspruch zu nehmen, die Sie kriegen können“. Der Angeklagte kündigte an, Berufung einzulegen.

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