Aufruf an Privatbesitzer alter „Schätze“ 

Stiftung will Bilder aus Künstlerkolonie-Zeiten sichern

Thea Freiberg mit einem der Werke von Frans van der Glas, die der Dötlingen Stiftung überlassen wurden. - Foto: Schneider

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Kunst ist relativ. Was die einen als wahre Schätze betrachten, würden sich andere niemals an die Wand hängen. Und so fristet vermutlich auch manches Gemälde von den damals für die Künstlerkolonie Dötlingen bedeutenden Malern ein Schattendasein – „oder verschwindet nach Haushaltsauflösungen“, befürchtet Thea Freiberg von der Dötlingen Stiftung.

Um dies zu verhindern, das Erbe der einstigen Künstler zu bewahren und die Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, startet die Stiftung nun einen Aufruf. Sie bittet alle, die solche „Schätze“ besitzen, aber keine Verwendung für sie haben, sich zu melden.

Ein Dötlinger, der laut Freiberg anonym bleiben möchte, hat der Stiftung bereits wegen einer Wohnsitzverlagerung zwei Bilder überlassen. „Es handelt sich um Werke des Niederländers Frans van der Glas (1878–1964)“, freut sich Freiberg über die Schenkung. Van der Glas stammt aus einer Künstlerfamilie und hat schon in jungen Jahren seinem Vater, einem Malermeister, geholfen. 

In München studierte er Kunst, nach seinen Wanderjahren siedelte er sich in Bremen an. Vermutlich wegen der Wahl-Heimat wurde aus Frans oft Franz. Während der Sommermonate kam er häufig mit der Bahn nach Dötlingen. So manches Dorfmotiv ziert seine Bilder. Ebenfalls finden sich Worpsweder Ansichten – auch auf den beiden Schenkungen, die die Titel „Pferde auf der Weide“ und „An der Wümme“ tragen.

Im Gegensatz zu den Mitbegründern und prägenden Persönlichkeiten der Künstlerkolonie wie Georg Müller vom Siel oder August Kaufhold zählt van der Glas zu den eher unbekannteren Gesichtern. Seine Werke seien aber ebenso erhaltenswert, meint die Stiftung. Auch von anderen Künstlern, deren Namen nicht so geläufig seien, schlummerten einige Arbeiten in privaten Haushalten. 

Häufig seien sie in Besitz eher älterer Bürger. Die Stiftung befürchtet, dass diese Werke der Region verloren gehen könnten. Sie appelliert deshalb besonders auch an Hinterbliebene, auftauchende Bilder, für die sie keine Verwendung haben, nicht einfach zu entsorgen oder wegzugeben, sondern sich zu melden. Als Ansprechpartnerin steht Freiberg unter der Telefonnummer 04432/547 zur Verfügung.

Wer sich unsicher ist, ob sein Bild überhaupt infrage kommt, kann die Signatur, also die Unterschrift des Malers, – wenn vorhanden – mit der Liste der Künstler auf der Internetseite www.kuenstlerkolonie-doetlingen.de abgleichen. Dort finden sich Informationen zu fast 30 Kunstschaffenden, die Dötlingen Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt oder mehrfach besucht und dort gemalt haben.

Die Stiftung weist darauf hin, dass sie die Bilder nicht kaufen kann. Dafür gebe es kein Kapital. Sie könne aber dafür sorgen, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben und auch beschädigte Werke restaurieren. Im Bestand der Stiftung finden sich derzeit rund 100 Arbeiten, davon 30 allein von Otto Pankok. 

„Die Sammlung wird in einem gesicherten und klimatisierten Raum aufbewahrt“, versichert Freiberg. Immer zu Jahresbeginn organisiert die Stiftung eine Ausstellung in der Galerie im Heuerhaus, in der dann die Werke der damaligen Künstler gezeigt werden.

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