Angeklagter war zum Tatzeitpunkt auf der Flucht

Ein Schraubendreher als wichtigstes Beweismittel

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Brettorf/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. Wegen Einbruchs in ein Brettorfer Wohnhaus sowie wegen Fahrraddiebstahls muss sich seit Montag ein 45-Jähriger vor dem Schöffengericht Wildeshausen verantworten. Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Die vergangenen 15 Jahre hat er zum Großteil im Gefängnis verbracht. Zum Tatzeitpunkt war er gerade auf der Flucht. Er war nach einem Freigang nicht in die Justizvollzugsanstalt Oldenburg zurückgekehrt.

Am ersten Verhandlungstag hörte das Gericht sechs Zeugen an, darunter zwei damals ermittelnde Kriminalbeamte. Einer sagte aus, dass es im Juni 2015 innerhalb kurzer Zeit mehrere Einbrüche in Brettorf gegeben habe. Er erinnerte sich an fünf, in vier Fällen waren Türen oder Fenster aufgehebelt worden. So auch am 20. Juni 2015 bei dem Einbruch, mit dem sich nun das Gericht befasst. Denn in diesem Fall führen Spuren zu dem Angeklagten.

Dieser war eine gute Woche später in Delmenhorst festgenommen worden, nachdem eine Frau eine verdächtige Person auf einem Anwesen gemeldet hatte. Die Polizei konnte im Umkreis auch eine Pension ausmachen, in der der 45-Jährige unter falschem Nachnamen untergekommen war. In dem Zimmer fand sie unter anderem Handschuhe und einen Schraubendreher. Hinter der Pension stand ein Fahrrad, das in Steinfeld gestohlen worden und mit dem der Angeklagte laut Pensionsbetreiberin unterwegs war. Das Rad entspricht der Beschreibung einer Zeugin, der am Nachmittag des Einbruchs ein weißes Mountainbike in der Auffahrt des Brettorfer Hauses aufgefallen war.

Genau unter die Lupe genommen wurde auch der Schraubendreher. Angefertigte Vergleichsabdrücke glich das LKA mit den Einbruchsspuren ab. Laut Gutachten ist der Schraubendreher zweifelsfrei das Tatwerkzeug. In einem weiteren Fall in Brettorf passten die Spuren aber nicht zusammen. „Anderes Werkzeug oder anderer Täter“, sagte der Zeuge. Der andere Kriminalbeamte berichtete, dass die am Tatort gesicherten Fußspuren mit den Schuhen des Angeklagten verglichen werden sollten. „Er hatte die Schuhe auch an, als er in die JVA zurückgeführt wurde.“ Dort seien sie aber auf ungeklärte Weise verschwunden.

Der Angeklagte schwieg sich während der Verhandlung aus. Zu den Vorwürfen machte er ebenso keine Angaben wie zu seinen Aufenthaltsorten zwischen dem 5. Mai und dem 29. Juni.

Die 82-jährige Bewohnerin des Hauses war zum Zeitpunkt des Einbruchs im Urlaub. Sie konnte nur berichten, was abhanden gekommen war: 300 Euro, fünf Ketten, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, und die Eheringe von ihr und ihrem verstorbenen Mann. Den Einbruch entdeckt hatte ihre Schwägerin, die ebenfalls aussagte. Sie hatte am Morgen die Katze gefüttert. Als sie abends wiederkam, um den Napf aufzufüllen, bemerkte sie die offenen Türen und Schubladen. Sie lief nach Hause und informierte ihre Tochter, die die Polizei rief. Wenig zur Aufklärung konnte auch der Hauseigentümer, der Neffe der Bewohnerin, beitragen. Er war an dem Abend lediglich hingefahren und hatte mit auf die Polizei gewartet.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann sollen der Radbesitzer und ein Kriminaltechniker gehört werden.

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