Ratsmitglieder und Kandidaten diskutieren mit Kulturschaffenden

Konzept dringend benötigt

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Rund 50 Politiker, Kulturschaffende und weitere Interessierte diskutierten am Montagabend über den Stellenwert von Kunst und Kultur sowie mögliche Optionen für die Zukunft. 

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Keine Frage, Dötlingen hat im Bereich „Kunst und Kultur“ viel zu bieten. Etwas Entscheidendes fehlt allerdings – und zwar die Antwort auf die Frage „Wo will die Gemeinde hin?“. Dass ein Gesamtkonzept dringend nötig ist, wurde am Montagabend während der Diskussionsveranstaltung im Landhotel deutlich, zu der der Stammtisch „KuKuTo“ (Kunst, Kultur, Tourismus) Interessierte und besonders die Ratsmitglieder sowie Kommunalwahl-Kandidaten eingeladen hatte.

15 Vertreter der vier Parteien im Rat nutzten die Chance, Stellung zu beziehen und vor der Wahl noch für sich zu werben. Den einen gelang dies besser als anderen. Was den Kulturschaffenden in der Gemeinde, die einen Großteil des Publikums ausmachten, wichtig ist, erläuterten zum Auftakt der zweistündigen Diskussion die Galeristinnen Anne Hollmann und Angelika Zahl-Holzberger. Sie lobten das große ehrenamtliche Engagement, bemängelten gleichzeitig aber die Kommunikation untereinander. Die Gründung des Stammtisches „KuKuTo“ sei ein erster Schritt gewesen, um Abhilfe zu schaffen. „Was wir brauchen, sind ein Kulturkonzept und personelle Unterstützung“, sagte Zahl-Holzberger. Würde die Gemeinde einen Mitarbeiter für diesen Bereich einstellen, könnte dieser koordinieren, netzwerken und beispielsweise auch an der besseren Außendarstellung Dötlingens als Künstlerdorf arbeiten. „Hierfür muss die Kommunalpolitik die Rahmenbedingen schaffen“, sagte sie.

Aber sehen die Ratsmitglieder und Kandidaten überhaupt die Notwendigkeit? Anne-Marie Glowienka (CDU) sprach sich für ein Konzept aus. „Ohne geht es nicht“, meinte sie. Der Grünen-Kandidat Dirk Orth plädierte dafür, dann die gesamte Gemeinde einzubeziehen. Laut Ute Ziemann (SPD) müssten besonders die Gastronomen involviert werden. Dies habe sich allerdings schon vor rund 25 Jahren als „schwierige Nummer“ erwiesen. Bei den Zuhörern stieß ihr Vorschlag auf offene Ohren. „Schließlich sind es die Gastwirte, die am meisten von den Touristen profitieren“, hieß es. Der parteilose Karl-Martin Beeskow, der für Bündnis90/Die Grünen kandidiert, wünscht sich ein Gesamtkonzept, das wie beim Projekt „Wi helpt di“ in einem professionellen Prozess entwickelt wird. „Denn wenn bei den Ehrenamtlichen die Kräfte schwinden, fehlt es an Professionalität. Dann gibt es neben den guten auch nur gut gemeinte Dinge.“

Ehrenamtlichen geht langsam die Kraft aus

Dass den Ehrenamtlichen tatsächlich die Puste ausgeht, bestätigte Olaf Schachtschneider, der sich selbst auf vielfältige Weise engagiert. „Es sind immer die Gleichen, die aktiv werden, Nachwuchs ist nicht in Sicht. Wir haben zwar noch viele Ideen, aber uns fehlt inzwischen die Kraft für eine erfolgreiche Umsetzung“, sagte er. Wolle die Gemeinde ein „Ausbluten“ des kulturellen Angebots verhindern, müsse sie handeln, am besten in Form von Personal. In dieselbe Kerbe stieß Gerti Essing von der Dötlingen Stiftung, die von einer Gemeinschaftsaufgabe sprach, die parteiübergreifend gelöst werden müsse. Galeristin Gertje Kollmann ergänzte, dass es in anderen Gemeinden Konzepte, Personal und ein richtiges Budget für die Kultur gebe.

Laut dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Rudi Zingler sei dies nicht nur eine Willens-, sondern zudem eine finanzielle Frage. „Ich würde mir auch Personal wünschen. Wir müssen aber schauen, ob sich die Gemeinde dies leisten kann.“ Wie Anke Spille (CDU) verwies er darauf, dass die Kommune in den vergangenen Jahren keineswegs untätig gewesen sei und den Kulturbereich durchaus unterstützt habe – sowohl personell als auch finanziell. Eckehard Hautau, der als FDP-Ratsherr und Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereines etwas „zwischen den Stühlen“ saß, betonte, dass es „unbestritten ist, dass die Gemeinde etwas tut“. Das Problem sei die Relation. „Viel läuft über Eigenleistung von den immer gleichen Personen“, betonte er. Goldschmiedin Sylvia Collins-Lucks stellte klar, dass die jetzigen Wünsche der Kulturschaffenden nicht als Angriff zu verstehen seien. „Es ist schön, dass etwas gemacht wurde, aber es gibt Sachen, die verbessert werden können. Wir sollten vorwärts schauen. Dafür benötigen wir Visionen und die Mittel. Denn nichts ist umsonst.“ Für Zahl-Holzberger lief die Diskussion an diesem Punkt in die falsche Richtung. Für sie ist die Kultur- und Tourismusbranche auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Ich habe aber das Gefühl, dass die Politik dies nicht ernst nimmt. Als Kulturschaffender kommt man sich wie ein Bittsteller vor“, kritisierte sie und fragte: „Was wäre die Gemeinde denn ohne Kultur?“

Eifrig diskutiert wurde auch über Ziele eines möglichen Konzeptes. Mehrfach war von sanftem Tourismus, störenden Auto- und Motorradfahrern die Rede. Kunst im öffentlichen Raum statt nur hinter Galerietüren war ein weiterer Vorschlag. Dem wurde entgegnet, dass dies nicht zu einem Bauerndorf passen würde. Gästeführerin Dette Zingler hatte wenig Verständnis: „Dötlingen ist kein Museumsdorf. Wir leben und arbeiten hier, auch junge Menschen. Deshalb müssen wir mit der Zeit gehen.“ Sie plädierte für einen Experten, der von außen auf die Situation blickt. „Sonst schmoren wir in unserem eigenen Saft.“ Dem schloss sich Essing mit einem passendem Schlusswort an: „Der Wind ist nur demjenigen günstig, der weiß, wohin er segeln will.“ Ob die Segel gesetzt werden und wohin dann die Reise geht, wird der neue Rat entscheiden müssen.

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