Brettorfer Einbruchspozess

„Ich gebe nicht zu, was ich nicht getan habe“

Brettorf/Wildeshausen - Von Tanja Schneider. Viel Heckmeck im Brettorfer Einbruchsprozess: Der zweite Verhandlungstag begann am Donnerstag auf Wunsch des Verteidigers mit einem halbstündigen Rechtsgespräch. Kaum war hinter verschlossenen Türen geklärt worden, was den 45-jährigen Angeklagten im Falle eines Geständnisses für eine Maximalstrafe erwartet, lehnte dieser das Angebot auch schon ab. Zwei weitere Zeugen wurden gehört, dann wollte der Angeklagte doch seine Version mitteilen – allerdings nur schriftlich.

Das Wildeshauser Schöffengericht gewährte ihm eine halbe Stunde. Das Ergebnis: Nach seinen Ausführungen will er das Tatwerkzeug nur gefunden haben. Sein Verteidiger beantragte deshalb ein DNA-Gutachten für dieses. Zudem will er einen weiteren Zeugen hören.

Der Angeklagte, der am 20. Juni 2015 in ein Brettorfer Wohnhaus eingebrochen sein und zudem in Steinfeld ein Fahrrad entwendet haben soll, hatte am ersten Verhandlungstag geschwiegen (wir berichteten). Zum Tatzeitpunkt war er auf der Flucht. Er war nach einem Hafturlaub nicht in die JVA Oldenburg zurückgekehrt, konnte aber am 29. Juni 2015 in Delmenhorst festgenommen werden. In der Pension, in der er untergekommen war, hatte die Polizei einen Schraubendreher gefunden. Dieser war vom LKA mit den Abdrücken der Einbruchsspuren am Tatort verglichen und als Tatwerkzeug identifiziert worden.

Das Gutachten wurde bereits am Montag verlesen. Nun sagte der Kriminaltechniker aus, der damals in Brettorf die Spuren an Fenster und Tür mittels Abformmasse gesichert hatte. Sie seien sehr ausgeprägt gewesen. Auch Werkzeuge wie der Schraubendreher hätten individuelle, einmalige Merkmale, ähnlich wie ein Fingerabdruck, erläuterte er. Dem Verteidiger reichte dies nicht aus. Er beantragte, noch den Gutachter zu hören.

Fortsetzung am 5.Oktober

Ob dieser als Zeuge geladen wird, darüber möchte das Schöffengericht bis zum dritten Prozesstag am 5. Oktober ebenso entscheiden wie über den Antrag auf das DNA-Gutachten für den Schraubendreher. Der Staatsanwalt sprach sich dafür aus, dieses Anliegen wegen Bedeutungslosigkeit zurückzuweisen. Selbst wenn andere Spuren vorhanden wären, könnten sie beispielsweise auch von der Kassiererin im Baumarkt stammen. Der Angeklagte meint hingegen, dass „sich auf dem Schraubendreher Abdrücke des wahren Täters befinden könnten“.

Laut seiner schriftlichen Stellungnahme, die er kurzfristig anfertigte, will er das Werkzeug zwei Tage vor seiner Verhaftung auf einer Bank im Delmenhorster Bahnhof gefunden haben. Es sei zusammen mit Handschuhen, die ebenfalls in der Pension entdeckt wurden, in Folie und einer Tüte verpackt gewesen. Da der Schraubendreher neu aussah, habe er ihn an sich genommen. Zum Fahrrad, dessen Besitzer am Donnerstag ebenfalls aussagte und das eine Brettorferin am Einbruchstag am Tatort gesehen haben will, gab der 45-Jährige bekannt, eine Prostituierte habe es ihm am 26. Juni 2015 im Bremer Steintorviertel geschenkt.

Die schriftliche Stellungnahme hatte der Angeklagte gefordert, weil er schlechte Erfahrungen mit mündlichen Aussagen gemacht haben will. Ein Richter soll ihm mal „zu 180 Grad das Wort verdreht haben“. Deshalb habe er anfangs auch geschwiegen. Sein Verteidiger riet ihm zu Beginn des zweiten Verhandlungstages zu einer geständigen Einlassung. Bis zu zwei Jahre Haft hätten den mehrfach Vorbestraften dann „nur“ erwartet. „Aber deshalb kann ich nicht etwas zugeben, was ich nicht getan habe“, sagte er. „Auch wenn mein Anwalt meint, dass man mir meine Version nicht glauben wird.“

Die Richterin las am Donnerstag noch Auszüge aus Stellungnahmen der JVA sowie der Polizei vor. In Letzterer heißt es, der Angeklagte sei ein notorischer Einbrecher und habe ein ausgeprägtes Fluchtverhalten. Nicht vom Hafturlaub zurückzukehren, „scheint er langfristig vorbereitet zu haben“. Nach seiner Flucht war dem Angeklagten eine vorzeitige Haftentlassung verwehrt worden. Dagegen hatte er Rechtsmittel eingelegt. Das Oberlandesgericht in Oldenburg hatte sein Ansinnen im April abgelehnt, unter anderem, weil „ihn wiederholt ausgesetzte Rechtsstrafen nicht von neuen Taten abhalten konnten“. Bisherige Bewährungen mussten widerrufen werden. Eine positive Sozialprognose gibt es für den 45-Jährigen nicht.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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