Dötlingen Stiftung ehrt Günter Berger

Ein Freigeist, der etwas zu sagen hat

Gerti Essing und Thea Freiberg (v.r.) von der Dötlingen Stiftung ehrten Günter Berger und dankten seiner Frau Elke Tholen. - Foto: ts

Dötlingen - Im Rahmen einer Feierstunde in der St.-Firminus-Kirche hat die Dötlingen Stiftung am Freitagnachmittag Professor Günter Berger für sein Lebenswerk geehrt. Der mehrfach preisgekrönte Komponist habe sein Leben der Musik und dem Streben nach Frieden gewidmet. Er habe nicht nur Werke geschrieben, die bundesweit Beachtung finden, sondern auch so manches für seine Wahlheimat Dötlingen geschaffen, das „uns in Erinnerung bleiben wird“, sagte Gerti Essing vom Stiftungs-Vorstand und nannte die Kantate zur 800-Jahr-Feier Dötlingens als Beispiel.

Berger selbst rückte ein Zitat Picassos in den Mittelpunkt: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“. Der 87-Jährige kündigte gleichzeitig an, „dass dies für mich mehr oder weniger eine Abschiedsstunde ist“. Denn die Finger spielten nicht mehr so mit. Er bedankte sich bei der Stiftung, seinem damaligen Orgelschüler Michael Voigt, der die Laudatio hielt, und besonders bei seiner Frau Elke Tholen.

Für die Ehrung war die Losung „Pax Vobis – Peace be with you – Friede sei mit Euch“ ausgegeben. Pastorin Claudia Hurka-Pülsch rezitierte Texte zum Frieden bei den Weltreligionen. Dazu gab es improvisierte Meditationsmusik, gespielt vom Oldenburger Percussionisten Gerhard Böhm und natürlich von Berger selbst, der nicht zum ersten Mal die Alfred-Führer-Orgel zum Klingen brachte.

Zuvor ging Voigt, Kantor aus Neustrelitz, auf das Leben und das Werk des 1929 in Oppeln geborenen Organisten ein. Der studierte Kirchenmusiker kam vor mehr als 60 Jahren nach Delmenhorst, wo er bis 1976 als Kantor tätig war. Die dortige kirchenmusikalische Praxis war ernüchternd. „Es musste doch auch anders gehen. Er begann zu entrümpeln“, berichtete Voigt. Er habe seinen eigenen Weg gefunden, Gitarre und Schlagzeug in die Messe geholt und damit die Klangpalette ergänzt. „Das Gegeneinander von Pop und Klassik in kreativer Weise aufzulösen und Altes neu zu hören – das war sein Ziel“, sagte Voigt.

Nach 1976 sei der Weg für den Künstler Berger frei gewesen. Es folgten viele Kompositionen, in denen er auch den Holocaust thematisierte, seine Erinnerungen an die Reichsprogomnacht, an den Krieg. Fragen wie „Ist ein Glaube nach Auschwitz noch möglich?“ beschäftigten ihn. „2007 schrieb er mit „Das große Klagelied des Lyrikers und Dramatikers Jizchak Katzenelson“ sein wohl persönlichstes Werk“, so Voigt. Er bezeichnete Berger als Freigeist, der etwas zu sagen hat, als Exzentriker, der ein unschätzbarer Gewinn für die Kirchenmusik des 20. und 21. Jahrhunderts ist. „Ihm ist es gelungen, dass sich große musikalische Innovation und Praktikabilität nicht ausschließen, sondern sogar befruchten.“ - ts

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