Im Ostrittrumer Wild- und Freizeitpark herrscht Trubel 

Fischotter-Alarm und Angriff auf „Frau Holle“

+

Ostrittrum - Von Tanja Schneider. Eine übervorsichtige Fischotter-Mama, die so ihre Schwierigkeiten hat, den wuselnden Nachwuchs zusammenzuhalten, drei Sittiche auf der Flucht, Eichhörnchen, die einen „Krieg“ gegen die Märchenfiguren führen, und Neuankömmlinge, die sich einleben müssen – im Wild- und Freizeitpark Ostrittrum herrscht derzeit richtig Trubel.

Um 11.30 Uhr ist die Temperatur bereits auf 27 Grad Celsius geklettert. Die Luchse haben sich unter die Büsche zurückgezogen, die Ziegen chillen vor dem schattenspendenden Stall. Dass Besucher mit Futter in der Hand direkt an ihnen vorbei marschieren, interessiert sie ausnahmsweise gar nicht. Vom Ziegen-Gehege aus hat man den perfekten Blick auf die Fischotter-Unterkunft. „Otti“, ruft Tanja Riesmeier von der Parkbetreiber-Familie. Nur eines der Tiere schaut vorsichtig hinaus. Es hilft nichts – um den Nachwuchs herauszulocken, muss jemand mit Futter ins Gehege. Riesmeiers Mann Thomas, der gerade fünf Muntjaks aus dem Tierpark Thüle abgeholt hat, erbarmt sich. Mit dem Deckel eines Mülleimers bewaffnet, klettert er über den Zaun. Etwas zur Abwehr macht Sinn, denn die Otter sind angriffslustig. „Beißt einer zu, kann der Finger ab sein“, zeigt Riesmeier große Begeisterung, den Lockvogel zu spielen. Doch es klappt, die vier Babys – drei Mädchen und ein Junge – kommen aus dem Stall. Mama Fischotter faucht und versucht, den Nachwuchs wieder ins Innere zu treiben. Zu viele Menschen da draußen.

Thomas Riesmeier hat seinen „Job“ erledigt und klettert aus dem Gehege. Schließlich hat er noch etwas anderes zu tun, zum Beispiel nach den gerade angekommenen Muntjaks schauen. Bei den Tieren handelt es sich um Zwerghirsche. „Wir haben noch keine Ahnung, ob sie forsch oder scheu sind“, sagt Tanja Riesmeier. Momentan sorgt sie sich auch eher um die Prachtrosellas. Denn drei der Sittiche haben Reißaus genommen. Zwei von ihnen haben sich in einem Privatgarten in der Gemeinde Hatten eingenistet, konnten aber noch nicht eingefangen werden. Von dem dritten fehlt noch jede Spur.

Rabatz im Fischotter-Gehege: Seit die vier Jungen da sind, ist Mama Fischotter eher unentspannt. Den Nachwuchs, der gerne die Gegend erkunden würde, sammelt sie immer wieder ein und bringt ihn zurück in den Stall.

„Ach ja, und dann führen die Eichhörnchen hier noch Krieg gegen unsere Märchenfiguren“, erzählt Riesmeier. Derzeit haben die Nager vor allem die Haare im Visier. Immer wieder verschwinden Perücken, die für den Nestbau verwendet werden. So ist gerade auch der Prinz beim Rapunzel-Märchen kahl. „Letztens kam ein Mädchen und hat gefragt, warum da statt des Prinzen ein alter Opa hängt“, berichtet Riesmeier mit einem Schmunzeln. Der Tierpark hatte deshalb schon eine Belohnung ausgesetzt, und tatsächlich entdeckten zwei Kinder die Perücke. Sie durften sich ein Stofftier aus dem kleinen Park-Lädchen aussuchen. Aber auch Max und Moritz werden regelmäßig von den Eichhörnchen heimgesucht, und Frau Holle musste ebenfalls schon dran glauben. „Momentan haben wir also hohe Friseurkosten“, scherzt Riesmeier.

Drei der Märchen im Park sollen zur neuen Saison überarbeitet werden. Zudem möchten die Betreiber sämtliche Lautsprecherboxen an den Märchen nach vorne verlegen. Damit kommen sie dem Wunsch vieler älterer Gäste nach, die bemängelt hatten, die Erzählungen schlecht zu hören, besonders wenn dann noch Nebengeräusche existieren.

Dass Riesmeiers versuchen, auf Anregungen und Kritik möglichst schnell zu reagieren, zeigt auch die Beschwerde einer Oldenburgerin. Die Frau im Rollstuhl hatte einen Pressetermin des Sozialverbandes Oldenburg genutzt, um sich bei einem Mitarbeiter unserer Zeitung über die Wege im Park zu beklagen. Diese seien bei Regen so matschig, dass Rollstuhlfahrer nur mit fremder Hilfe vorankämen. Dies sei für sie ein Grund, ihren Mann und Sohn bei schlechtem Wetter nicht mehr in den Park zu begleiten.

Chillen im Schatten: Auch die Tiere im Ostrittrumer Wildpark ziehen sich bei Hitze zurück.

Riesmeier bestätigt, dass nach starken Regenfällen ein Besuch für Rollstuhlfahrer nicht zu empfehlen ist. „Wir weisen an diesen Tagen aber immer darauf hin – nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Eltern mit Kinderwagen und Buggys sowie Frauen in hochhackigen Schuhen“, so Riesmeier, die sich über die Beschwerde bei Dritten wunderte. „An uns oder unsere Mitarbeiter ist niemand herangetreten. Auch von den Gruppen entsprechender Einrichtungen, die uns regelmäßig besuchen, kamen noch nie Klagen.“ Dennoch hat die Familie reagiert und ihre Homepage um Informationen für Rollstuhlfahrer ergänzt. In diesem Rahmen weist sie darauf hin, dass das Wildpark-Konzept naturbelassene Wege beinhaltet. Diese würden regelmäßig gewalzt.

Ab der kommenden Saison möchte der Park zudem Natur- und Blumenfans gerechter werden. Schon im November werden sich nach Auskunft von Tanja Riesmeier hiesige Experten an die Arbeit machen und einige Hingucker pflanzen.

Geöffnet hat der Wild- und Freizeitpark noch bis Ende Oktober. Mit der laufenden Saison ist Riesmeier mehr als zufrieden. „Das war ein Hammerjahr“, zieht sie bereits Bilanz. Auch die Regentage im Sommer könnte diese nicht trüben. „Der Norddeutsche lässt sich halt von einem Schauer nicht abhalten – und schon gar nicht die Saisonkarten-Besitzer“, sagt sie.

Mehr zum Thema:

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Mitmachtag der Kita Dörverden

Mitmachtag der Kita Dörverden

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Atemberaubende Aufnahmen aus der Natur

Atemberaubende Aufnahmen aus der Natur

Meistgelesene Artikel

Hunde schlagen Dieb in die Flucht

Hunde schlagen Dieb in die Flucht

Aldi plant keinen Verkauf im Zelt

Aldi plant keinen Verkauf im Zelt

Stadt erhält Hinweis auf „Maulwurf“

Stadt erhält Hinweis auf „Maulwurf“

Entwurf für neues Wohngebiet im Wildeshauser Osten

Entwurf für neues Wohngebiet im Wildeshauser Osten

Kommentare