Paritätischer Wohlfahrtsverband zieht sich zurück 

Diakonie führt Klinik alleine

Anke Spille, Jürgen Schichterich und Gernot Kuhlmann (v.l.) sprachen über die Zukunft der Fachklinik. - Foto: Petzold

Neerstedt - Von Phillip Petzold. Jürgen Schichterich übernimmt als Chefarzt ab dem 1. Januar die Leitung der Fachklinik Oldenburger Land in Neerstedt sowie der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn. Neben konzeptionellen Veränderungen stehen auch Neubauten an.

Anders als geplant wird das Diakonische Werk der alleinige Betreiber der Suchtkliniken in Neerstedt und Ahlhorn sowie der entstehenden Weser-Ems-Klinik in Oldenburg. Der Paritätische Wohlfahrtsverband zieht sich aus dem Projekt zurück. „Der Ausstieg eröffnet uns neue Möglichkeiten“, erläuterte Schichterich in einem von der Dötlinger CDU-Fraktion initiierten Treffen am Freitag. So würde die Personalpolitik einfacher.

Die etwa 60 Arbeitsplätze in Neerstedt seien durch das neue Konzept nicht in Gefahr, sagte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Wir suchen sogar Leute, weil einige unserer Therapeuten in die Weser-Ems-Klinik wechseln“, so der designierte Chefarzt. „Außerdem fehlt uns hier eine Arztstelle.“

Die Einrichtung in Neerstedt bietet 50 Patienten zur stationären Behandlung von Suchtproblematiken Platz und war die deutschlandweit erste Klinik, die auch kognitiv eingeschränkte Menschen therapiert. Derzeit befinden sich dort 48 Erkrankte in Behandlung, und auch eine Vollbelegung ist keine Seltenheit. In Neerstedt und Ahlhorn sind daher Neubauten geplant. „Wir möchten in Neerstedt künftig keine Patienten mehr im Hauptgebäude unterbringen“, so Schichterich. Weil dort derzeit aber 35 Patienten unterkommen, müssen neue Räumlichkeiten geschaffen werden. Zumal der Bedarf an Einzelzimmern steige, da die Patienten oft Monate mit begrenzter Intimsphäre verbringen müssen.

CDU-Ratsmitglied Gernot Kuhlmann sah grundsätzlich keine Probleme bei der Genehmigung von Bauplänen durch den Rat: „Die Gemeinde unterstützt diese Einrichtung.“ Laut Schichterich stoßen solche Kliniken nicht immer auf Gegenliebe, da auch Patienten vom äußeren Rand der Gesellschaft dabei wären. „Es gab hier ja schon immer eine solche Institution“, erklärte CDU-Frau Anke Spille die Akzeptanz der Gemeinde.

Auch konzeptionell wird es in Neerstedt Veränderungen geben: Das Angebot für hörgeschädigte Suchtkranke wird eingestellt. Weiterhin behandelt werden Menschen mit geistigen Einschränkungen, die angeboren oder durch Alkoholsucht erworben sein können. „Es war mal ein Manager dabei, der sich durch Alkoholmissbrauch zehn Minuten nach der Visite nicht mehr daran erinnern konnte“, erzählte Schichterich. Wegen solcher Fälle ist es dem gebürtigen Rheinländer wichtig, Beruf und Freizeit zu trennen. „Man braucht einen Ausgleich zu dem Leid, das man hier teilweise sieht“, sagte Schichterich. Den finde er durch seine Freunde und der Kultur: „Mir hilft Beethoven dabei.“

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