„Dann lege ich meinen Toast halt in die Sonne“

Dötlinger Erziehungseinrichtungen verzichten auf Elektrizität

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Für die Dötlinger Grundschüler gab es Stockbrot.

Dötlingen - Von Phillip Petzold. Die Neonröhren blieben dunkel, die Heizungen kalt – die Kinder, Lehrer und Erzieher an den Dötlinger Schulen und Kindergärten erlebten einen ungewohnten Freitagvormittag.

„Ich kann auf Strom verzichten“, sagte die sechsjährige Katharina, Erstklässlerin an der Grundschule Dötlingen. „Meinen Toast lege ich dann halt in die Sonne. Ich schaue mir lieber eine Theaterstück an, als fern zu sehen.“

Beleuchtet wurden die Schulen und Kindergärten in Dötlingen nur mit Kerzen, und anstatt zu heizen, sollten sich die Kinder einen dicken Pullover anziehen. Erstklässler Julian hatte auch keine Probleme: „Mein Handy ist eh kaputt, und sonst brauche ich nur Licht.“

„Die Kinder waren ganz begeistert, als sie heute morgen in die Schule kamen und den Kerzenschein in den Räumen gesehen haben“, erzählte Melanie Kahnt-Bock, Leiterin der Grundschule Dötlingen. „Doch wir machen auch ein wenig normalen Unterricht, um den Kindern zu zeigen, welche Schwierigkeiten es ohne Strom gibt.“ So wurde die Unterrichtszeit mit einer Sanduhr gemessen, und eine Glocke läutete die Pause ein.

Geprägt war der Tag allerdings von Aktionen, die sich die Pädagogen im Vorfeld überlegt hatten, um die Aufmerksamkeit der Kinder für den Umgang mit Energie zu steigern. So hielten die Grundschüler Stockbrot über das Feuer und kochten Tee aus selbst gesammelten Kräutern, der im Kessel dampfte.

„Da ist natürlich auch was zu Bruch gegangen“

Auch der benachbarte Kindergarten machte bei der Aktion mit. Dort genossen die Kinder das Lagerfeuer, mussten aber auch erfahren, dass Spülmaschinen nur mit Strom funktionieren und wuschen ab. „Da ist natürlich auch was zu Bruch gegangen“, erzählte Erzieherin Dagmar Spille. Aber es sei wichtig, den Kindern auf praktische Weise etwas über Energie beizubringen. Dafür nutzte sie unter anderem zwei leere Plastikflaschen, die, gut gefüllt mit Küchenabfällen und Zucker, Biogas erzeugten, das einen über die Öffnung gestülpten Ballon aufblähte. Dazu begleitend wurden die Mädchen und Jungen vorab durch eine große Biogasanlage geführt.

„Die Kinder finden das spannend“, berichtete Silke Bramlage, die an der Grundschule in Neerstedt unterrichtet. „Die Stimmung ist angesichts des Kerzenscheins fast schon ehrfürchtig“, so Bramlage. „Das ganze Gebäude ist viel ruhiger, wenn keine Kopierer surren oder andere Geräte Geräusche machen.“

Aber die Schüler erlebten auch, dass Stromverzicht neben gemütlicher Stimmung einige Nachteile mit sich bringt: „Beim Feuer haben sie das gemerkt, denn wir stinken jetzt alle nach Rauch“, so Bramlage weiter.

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