Kreistagsabgeordnete stellen sich Fragen der Junglandwirte

Bauern fragen, Politiker antworten

Altona - Von Anja Nosthoff. Zum Thema „Perspektiven der Landwirtschaft im Kreis Oldenburg“ veranstalteten die „Junglandwirte Oldenburg“ am Donnerstagabend im Hotel „Gut Altona“ eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Fraktionen im Kreistag. Günter Westermann (CDU), Axel Brammer (SPD), Eduard Hüsers (Grüne) und Niels-Christian Heins (FDP) stellten ihre Standpunkte vor.

Die Gruppe der Junglandwirte aus dem Landkreis Oldenburg und Umland hat sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen. „Sie sehen sich als Einbringer neuer Ideen“, erklärte Dr. Lydia Kocar von der Universität Vechta, in ihrer Moderation.

Wie nimmt die Öffentlichkeit die Landwirtschaft wahr? Kocar beschwor zwei Klischees herauf: Die ländliche Idylle, assoziiert mit Natur, Entschleunigung und dem Bauern als naiven Naturburschen. Zum anderen den „Dämon Landwirtschaft“, verbunden mit Massentierhaltung, Antibiotikaeinsatz und rücksichtsloser Gewinnoptimierung. „Beides hat mit der Realität wenig zu tun. Und so unterschiedlich diese Bilder sind, sie haben eines gemeinsam: Sie sind nicht zukunftsfähig“, so Kocar.

Wie die Politiker die Landwirtschaft fit für die Zukunft machen wollen, war daher Thema. Das wollten die Junglandwirte zunächst anhand ihres ersten Wahlprüfsteins „Straßenunterhaltung“ wissen. Dabei ging es vor allem um die Treckermaut. „Das Wardenburger Modell ist gescheitert“, äußerte sich Heins und spielte darauf an, dass Wardenburg durch diese Maut über keine Mehreinnahmen für die Instandhaltung der Straßen verfüge. „Die Fragestellung, was die Landwirtschaft für die Straßenunterhaltung tun kann, ist falsch“, so Heins. Vielmehr sei dies Aufgabe der Gesellschaft.

„Ein gerechtes System sieht anders aus“, äußerte sich Westermann zu bestehenden Modellen. Brammer möchte gemeinsam mit der Landwirtschaft Lösungen finden. Hüsers erklärte: „Die Landwirtschaft ist gefordert, ein Modell auf den Tisch zu legen.“ Gerecht sei es, wenn kleine Betriebe mit kleinen Fahrzeugen weniger bezahlen als industrielle Betriebe mit großen Fahrzeugen.

Ein weiterer Wahlprüfstein war der Grundwasserschutz. Brammer betonte, dass man „nicht drumherum komme“, in dieser Hinsicht etwas zu tun. „An den Messstellen wird wegen der Nitratwerte bereits Alarm geschlagen – und das, was dort vorhanden ist, wird in einigen Jahren bis ins Grundwasser hinuntergesickert sein.“ Es dürfe nicht so weit kommen, „dass wir in 15 Jahren sagen ‚hätten wir mal‘“, so Brammer.

Auch Westermann betonte die Bedeutung des Grundwasserschutzes: Wer sich nicht an Verordnungen halte, „muss mit Sanktionen rechnen“. Hüsers machte deutlich, dass in diesem Bereich etwas zu tun sei. Es liege an der Gesellschaft, die Kosten, die der Landwirtschaft für entsprechende Maßnahmen entstünden, durch „bessere Preise“ für ihre Produkte aufzufangen. Dies käme auch der Qualität zugute. Heins führte aus, dass kein Landwirt freiwillig das Grundwasser unter seinem Boden schädigen würde. Doch es müsse dafür gesorgt werden, dass Verordnungen und Auflagen eingehalten werden.

Zum Thema „Steuerung von Tierhaltungsanlagen“ betonte Brammer: „Das geht nur in engem Schulterschluss mit den Betroffenen.“ Heins sah solche Konzepte positiv, erklärte jedoch, dass durch ständige Veränderungen die ausgearbeiteten Konzepte wieder veralteten. Für Hüsers ist eine solche Steuerung „überflüssig“. „Wir brauchen keine Konzepte, wie noch mehr Ställe gebaut werden können“, so Hüsers.

Zur „Ausweitung von Naturschutzgebieten“ machten Hüsers und Brammer deutlich, dass schon durch EU-Vorgaben die Ausweisung neuer Gebiete nötig werde. Brammer und Westermann sprachen sich dafür aus, diese möglichst kleinräumig auszuweisen. Schützenswerte Flora und Fauna gehöre zum Naturschutz, so Westermann, „aber wir dürfen den Landwirten nicht die Luft zum Atmen nehmen“. Heins betonte seinen Stolz darauf, in einem Landkreis mit vielen Naturschutzgebieten und hohem Erholungswert zu leben. Darauf solle man sich besinnen.

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