Zwei offizielle Messstellen über den Grenzwerten / Viele private Brunnen betroffen

Grundwasser im Landkreis Nienburg stark mit Nitraten belastet

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Die Wasserproben zahlreicher Privatbrunnen wiesen stark erhöhte Nitratwerte auf.

Landkreis Nienburg. Wegen zu hoher Nitratwerte in Gewässern muss sich Deutschland einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) stellen. Besonders in Niedersachsen seien erhöhte Werte aufgefallen. Keine Ausnahme ist der Landkreis Nienburg.

„Zwei offizielle Messstellen, in Liebenau und Nordel, sind davon betroffen“, berichtet Landkreissprecher Cord Steinbrecher. „Sie liegen über dem zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter – mit steigender Tendenz.“ Die Landwirtschaftskammer und Kreisverwaltung würden in diesen beiden Fällen bereits eng zusammenarbeiten, befänden sich derzeit aber noch in der Findungsphase.

Deutlich mehr Überschreitungen der Nitrat-Grenzwerte hat der Verein „VSR-Gewässerschutz“ aus Geldern im Rahmen seiner Brunnenwasser-Analysen im Landkreis Nienburg entdeckt. Im Bereich Uchte sowie im Nienburger Raum sammelten die Umweltschützer in diesem Jahr Proben privater Brunnenbesitzer. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Harald Gülzow analysiert Grundwasserproben.

Von 22 Proben im Bereich Nienburg überschritten fünf den zulässigen Grenzwert. Spitzenreiter waren Proben aus Wietzen mit einer Nitratkonzentration von 124 Milligramm pro Liter, aus Landesbergen mit 119 und aus Wohlenhausen mit 68.

Auch in der Region Uchte sei das Grundwasser „übermäßig mit Nitraten belastet“, berichtet Harald Gülzow, Pressesprecher von „VSR-Gewässerschutz“. Dort habe sogar in fast jeder zweiten Probe (46 Prozent) die Nitrat-Konzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen, sagt Gülzow. Insgesamt habe das Labor das Wasser aus 37 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Uchte, Stolzenau, Raddestorf, Warmsen sowie Diepenau analysiert und warnen wegen der Resultate vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es komme dadurch laut Gülzow „zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser“.

Die VSR-Mitglieder fanden bei der Untersuchungen mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen in Steinbrink mit 163 Milligramm pro Liter (mg/l), in Warmsen mit 93 mg/l, in der Warmser Ortslage Bülten mit 115 mg/l, in Harrienstedt mit 112 mg/l, in Dierstorf mit 148 mg/l und in Holzhausen mit 92 mg/l fest. „Dieses Wasser“, sagt Gülzow, „ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“.

Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs zu nutzen ist. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitrat-belastetem Grundwasser sei bei der Düngung zu bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitrat-Zufuhr komme.

Die „viel zu hohen“ Nitrat-Konzentrationen zeigen laut Gülzow einen deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft. Da das derart belastete Grundwasser die Richtlinien der EU sprenge, begrüßt Gülzow die eingangs erwähnte Klage. Verlierer sei in jedem Fall der Bürger. Da es für die Wasserversorger in Zukunft immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Grenzwert einhält, „werden die Preise für Leitungswasser steigen“, prophezeit Gülzow.

„Hoffentlich führt die Klage der EU-Kommission dazu, dass nun endlich eine Düngeverordnung erstellt wird, die nachhaltig zum Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer führt“, so Susanne Bareiß-Gülzow, die Vorsitzende des „VSR-Gewässerschutz“. Damit einschneidendere Maßnahmen bei der Düngung in Zukunft gesetzlich erlassen und auch umgesetzt werden, bedürfe ein Umdenken bei den Landwirten und landwirtschaftlichen Verbänden. Der „VSR-Gewässerschutz“ möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. Es müsse in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürgern und Landwirten kommen, so die Vorsitzende.

hen/ru

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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