Spontane Aktion der Aktivisten ruft zahlreiche Polizei-Kräfte auf den Plan

Schlachtbetrieb-Gegner blockieren „Wiesenhof“

Auf dem Lastwagen und davor: Aktivisten blockieren bei „Wiesenhof“ die Abfahrt.
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Auf dem Lastwagen und davor: Aktivisten blockieren bei „Wiesenhof“ die Abfahrt.

Wietzen - Von Kurt Henschel. Ein Großaufgebot an Polizei-Kräften aus Nienburg, Hoya und Verden sowie von der Bereitschaftspolizei Hannover war gestern Nachmittag vor dem Geflügel-Schlachtbetrieb „Wiesenhof“ im Wietzer Ortsteil Holte im Einsatz. Dort hatten etwa ein Dutzend Teilnehmer eines in der benachbarten Gemeinde Balge („Behlinger Mühle“) laufenden „Aktions-Camps“ eine Blockade vorgenommen.

Die gesamte Aktion verlief friedlich und war am früheren Abend beendet, nachdem die Beamten die Aktivisten in Gewahrsam genommen und sie im Gebäude der Polizeiinspektion Nienburg erkennungsdienstlich behandelt hatten.

Um exakt 13.12 Uhr begann die Aktion. Die Schlachtbetrieb-Gegner kletterten jeweils zu zweit auf drei zum Beladen vorgefahrene Lastwagen und verhinderten so deren Abfahrt. Weitere Beteiligte setzten sich vor die Fahrzeuge und sorgten für eine „Zwangspause“ für die Fahrer.

Es sei eine „symbolische Aktion gegen Ausbeutung durch die Schlachtfabrik, die Menschen, Tieren und der Umwelt schadet“, erklärte eine Aktivistin, die ihren Namen nicht preisgab. Das tat „Lea“, die aber ebenfalls nicht ihren richtigen Namen genannt haben dürfte. Da außerdem alle Versuche der Polizisten, mit den Aktivisten zu kommunizieren, fehlgeschlagen waren, dürften die Demonstranten vermutlich auch auf der „Wache“ nicht oder nicht so schnell mit ihren Personalien herausgerückt sein.

„Notfalls behalten wir sie so lange bei uns, bis wir wissen, mit wem wir es zu tun haben“, erklärte Erster Polizeihauptkommissar Aribert Ebeling, der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg. Er und Polizeihauptkommissar Werner Müller leiteten den Einsatz und sprachen die erforderlichen drei Platzverweise aus. Auf die reagierten die Aktivisten aber nicht, weshalb die Beamten Hand anlegten und sie zum Abtransport zu ihren Fahrzeugen trugen. Die Demonstranten halfen nicht mit – sie ließen sich in einigen Fällen auch zu den Polizei-Fahrzeugen schleifen. Leibesvisitationen folgten, die persönlichen Gegenstände der Aktivisten landeten in blauen Plastikbeuteln.

Eine Aktivistin landet kurzzeitig mit Handschellen an einer Eisenstange.

„Lea“ aus der Nähe von Köln dokumentiert die Blockade-Aktion der Aktivisten von der öffentlichen Straße aus. Sie sieht, wie die Feuerwehr-Drehleiter aus Nienburg anrückt und in größerer Entfernung in Bereitschaft steht. „Lea“ sieht auch, wie eine Aktivistin ihren Standort verlässt und davonläuft. Ein Polizist fängt sie ein und bindet sie mit Handschellen an ein Eisenrohr.

„Wir leiden darunter, dass andere leiden“, hatte zuvor die später festgebundene Aktivistin erklärt. Sie könne solche Massen-Schlachthöfe nicht gutheißen, sagte sie, bevor sie im Polizei-Dienstgebäude am Berliner Ring landete.

„Falls Sie sich beschweren wollen, Ebeling ist mein Name“, hatte der Einsatzleiter den Aktivisten zugerufen. Sie dürften sich für ihre Aktion wegen Hausfriedensbruchs und Nötigung zu verantworten haben. Trotz deutlicher Sprüche darüber, was die Aktivisten von der Polizei halten, dürfte es augenscheinlich nicht auch noch zu Verfahren wegen Beleidigung kommen. „Meine Kollegen halten das aus, da gibt es keine Anzeige“, so Ebeling.

Die Aktivisten, die auf den Lastwagen saßen, holten die Beamten „gesichert“ mit einem Hubwagen herunter. Für heute ab 16 Uhr ist eine Demonstration vor dem „Wiesenhof“-Gebäude geplant.

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