Tierheim Drakenburg über Kastration / Tag der offenen Tür am 20. August

„An jedem zweiten Tag eine neue Katze“

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Durch den unermüdlichen Einsatz einer Frau aus Bruchhausen-Vilsen konnten die drei kleinen Stubentiger überleben und sind nun wohlauf und munter.

Drakenburg - von Kristina Stecklein. Bundesweit haben Tierheime und Tierschützer mit dem Problem der ausbleibenden Kastration von Freigängerkatzen und deren Folgen zu kämpfen. Letztlich kommt es zu überfüllten Tierheimen, leidenden Katzenkindern und überforderten Mitarbeitern.

Sie haben weiche Samtpfoten, feierten am Montag ihren internationalen Gedenktag und sind sogar das beliebteste Haustier der Deutschen: Katzen – und zwar in allen möglichen „Formen“ und Farben. Laut einer internationalen GfK-Studie halten 29 Prozent aller Tierbesitzer einen Stubentiger – für den Hund (Platz zwei) entschieden sich dagegen 21 Prozent. Während manche Halter einfach „Hund – oder Katzenmensch“ sind, wird auch die unterschiedliche Haltung der Tiere bei der Auswahl eine Rolle spielen.

Katzen können als eigenständige Freigänger mehrere Stunden von Zuhause wegbleiben und bieten sich somit gerade für berufstätige Menschen an. Doch nicht jede Katze ist gleich Katze. Wenn es dann unüberlegter Weise nicht passt – sei es vom Charakter, dem Verhalten oder den eigenen Umständen – landen die Tiere nicht selten hier: Im Drakenburger Tierheim.

Vor einigen Tagen herrschte dort Katzen-Notstand – mehrere Kitten waren in der Obhut des Tierheims. Mittlerweile hat sich die Situation allerdings wieder ein wenig gebessert, doch der Grund dafür bleibt: Die ausbleibende Kastration von Freigängern. „Es kann eine harmlose Katze sein – wenn sich einer falsch verhält, wird es dann zum Problem“, erklärt Helke Romann, Vorsitzende des Vereins „Tierschutz Nienburg – Drakenburger Heide“, die Situation.

Nicht selten ziehen Besitzer fort und lassen ihre Tiere herrenlos zurück – der letzte bekannte Fall war in der Nienburger Fichtestraße Ecke Körnerstraße. „Die Tiere sind dann hilflos“, weiß die Vorsitzende. Streunende Katzen werden letztlich gerne gefüttert – doch wenn es um Kastration geht, fühlen sich die Menschen nicht verantwortlich.

Da die kleinen Kätzchen bei einem Katzenschnupfen nicht rechzeitig behandelt wurden, haben sie nun mit verklebten und trändenen Augen zu kämpfen.

Bei einem Rundgang im Tierheim fällt auf, dass hier vor allem Katzendamen auf ein neues Zuhause warten. „Das liegt daran, dass Katzen – wenn sie schwanger werden – die Kleinen auch mit nach Hause bringen“, gibt Helke Romann zu verstehen – anders, als bei einem Kater. Die Besitzer seien dann häufig überfordert und bringen das Tier letzten Endes ins Heim. „Eine Katze kam mit Kleinen an und war direkt wieder trächtig“, erzählt sie. „Viele denken dann: Sie hat ja Kleine, sie kann nicht schwanger sein“, so Romann. Dabei seien Katzen äußerst fruchtbar. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 134 Katzen und Kater den Weg ins Drakenburger Tierheim gefunden. „Statistisch gesehen ist es an jedem zweiten Tag eine neue Katze“, hebt Romann hervor.

Unter ihnen sind auch häufig Fundtiere. „Wer sein Tier liebt, sollte es unbedingt chippen lassen“, erklärt die Vorsitzende. Dies könne im Rahmen einer tierärztlichen Impfung geschehen – die Kosten erhöhen sich dann nur um wenige Euro. Anschließend sollte das Tier registriert werden. „Tasso empfiehlt sich dafür. Sie sind quasi 24 Stunden erreichbar und es ist kostenlos“, meint Helke Romann. Der Chip kann im Tierheim Drakenburg ausgelesen werden und zeigt den rechtmäßigen Besitzer an.

Doch nicht immer sind Fundtiere davon gelaufen. Kürzlich kamen drei schwache, mutterlose Katzenbabys nach Drakenburg. Die Mitarbeiter sahen keine Überlebenschance: Katzenkinder müssen alle zwei Stunden gefüttert werden. „Eine Frau aus Bruchhausen-Vilsen hat gesagt, dass sie es versuchen möchte und hat die Kleinen gepflegt. Nach drei Wochen waren sie wieder fit“, erzählt Helke Romann freudestrahlend. „Sie müssen jetzt in gute Hände kommen. Sie kennen keine Katzenmutter.“ Doch nicht immer gibt es ein „Happy End“. Zur Zeit befinden sich kleine Kitten in der Quarantäne, die aufgrund eines nicht rechtzeitig behandelten Katzenschnupfens mit verklebten und tränenden Augen zu kämpfen haben.

Tag der offenen Tür am Samstag, 20. August im Drakenburger Tierheim

Um die Arbeit des Tierheims näher vorzustellen, findet am 20. August, erstmals an einem Samstag von 11 bis 17 Uhr der Tag der offenen Tür statt. „Wir werden einiges anbieten“, so die Vereinsvorsitzende. „Kinder können mit einem Polizeimotorrad Fotos machen. Außerdem spricht ein Verein über veganes Essen und deren Alternativen.“ Die Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“ präsentiert Alternativen zu Tierversuchen, gibt Beispiele und bietet auch Beratungen an. „Außerdem gibt es eine Tombola mit über 600 Preisen“, fügt Helke Romann an. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt – mit Kaffee, Kuchen und einem Grillstand. „Wir unterstützen damit örtliche Schlachtereien“, betont Romann. Wer möchte, kann Kuchen und Salate mitbringen. Sollte es an diesem Tag „Hunde und Katzen“ regnen, ist das Tierheim mit sturmfesten Zelten auch für diesen Fall gewappnet. Und wer möchte, kann auch zu den üblichen Öffnungszeiten vorbei kommen und ausgiebige Streicheleinheiten genießen – vollkommen unverbindlich.

Tier gefunden? Das ist zu tun:

Wenn eine streunende, jedoch handzahme Katze gefunden wird, nimmt das Tierheim Drakenburg diese immer auf. Für den Finder des Tieres entstehen dabei keine Kosten. Er sollte allerdings vorher anrufen (Tel.: 05024/ 8433) und Bescheid geben. Manchmal steht ein entsprechender Platz nicht sofort zur Verfügung, sodass das Tierheim den Finder darum bitten kann, das Tier bis zur Übergabe dort zu behalten. Sollte das Tier in diesem Zeitraum gesundheitliche Probleme bekommen, kann der Finder mit dem Tier zum Arzt. Für die Kosten kommt das Tierheim Drakenburg auf. Doch auch dies sollte vorweg besprochen werden. Wilde Katzen werden in der Regel nicht aufgenommen, da sie nicht an räumliche Einschränkungen gewöhnt sind und schlimmstenfalls dadurch sterben können.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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