Rückbau gefordert / Ex-Bürgermeister Dieter Hüsemann mahnt zu Bedacht

Sonderabfalldeponie treibt drei Bürgerinitiativen um

15 Jahre nachdem die Sonderabfalldeponie Münchehagen als „gesichert“ bezeichnet wurde, kommen neue Forderungen von Bürgerinitiativen auf. - Foto: Beate Ney-Janßen

MÜNCHEHAGEN - Neue Forderungen der Bürgerinitiativen aus Rehburg-Loccum, Petershagen und Wiedensahl zum Umgang mit der Sonderabfalldeponie Münchehagen (SAD) haben Münchehagens Ortsbürgermeisterin Renate Braselmann auf den Plan gerufen. Zu einer Bürgerversammlung hatte sie kürzlich eingeladen und den ehemaligen Stadtbürgermeister Dieter Hüsemann als Referenten dazugebeten.

Vor einigen Wochen sind die drei Bürgerinitiativen an die Öffentlichkeit gegangen und haben das Thema der SAD neu aufgerollt. Der Stand der Technik habe sich geändert, nun solle das Land Niedersachsen versuchen, die 2001 gesicherte Altlast zu entsorgen. Seinerzeit war die Deponie, die Jahrzehnte zuvor bereits geschlossen wurde und in der illegal Sondermüll unbekannter Art – unter anderem Dioxin – eingelagert wurde, mit einer Dichtwand umschlossen worden, hatte eine Oberflächenabdichtung bekommen und wird seitdem über ein Monitoring auf Veränderungen im Deponiekörper und der Umgebung hin beobachtet. Lange ist seinerzeit zwar diskutiert worden, ob die Altlasten entsorgt werden könnten oder ob die Deponie auch von unten abgeschlossen werden könne. Beides erwies sich damals als faktisch nicht umsetzbar.

Die Bürgerinitiativen argumentieren nun, dass in der Schweiz eine vergleichbare Deponie soeben entsorgt worden sei. Das, so haben sie auch Umweltminister Stephan Wenzel mit offiziellem Schreiben mitgeteilt, wollen sie für Münchehagen ebenfalls anregen. Die Deponie werde zwar als gesichert bezeichnet, sei aber nicht sicher. Und obwohl das Monitoring mittlerweile seit 15 Jahren laufe, gebe es für manche Dinge in der Deponie immer noch keine Erklärung – wie etwa die sogenannten „korrespondierenden Wasserstände“. Obwohl der Deponiekörper von der Umgebung abgeschnitten sein soll, gleichen sich Grundwasserstände innen und außen in manchen Bereichen nach wie vor einander an, „korrespondieren“ also miteinander.

Die Ansichten der Bürgerinitiativen teilt Dieter Hüsemann in weiten Teilen nicht. Er war Stadtdirektor in jenen Jahren, in denen nach Lösungen für das Problem SAD gesucht und auch noch dann, als die Sicherung der Deponie gefeiert wurde. Als einen, der sich mit der komplizierten Materie weitestgehend auskennt, stellte Braselmann ihn den Gästen ihrer „Münchehagener Runde“ vor. Die Ortsbürgermeisterin hatte zuvor die Geschichte der Deponie Revue passieren lassen und gesagt, dass die Deponie nach Ansicht des Ministeriums „sehr, sehr sicher“ sei. Leicht enttäuscht war sie, weil keine Vertreter der Bürgerinitiativen zum Treffen gekommen waren. Es habe doch in einigen Zeitungen den Hinweis darauf gegeben.

Hüsemann berief sich weitestgehend auf Aussagen, die er auch in den Jahren zuvor stets gemacht hatte. Der Eindruck entstehe bei der Darstellung der Sicherung der Deponie, dass alles gut sei – das sei aber nicht so. Es gelte nach wie vor, die SAD zu beobachten, das Monitoring fortzuführen und darauf zu achten, dass das Bewertungsgremium aus drei Gutachtern weiter arbeite wie zuvor. Die Forderungen der Bürgerinitiativen hält er hingegen kaum für realistisch. Unter anderem führte er an, dass das Beispiel der Deponie in der Schweiz nicht vergleichbar sei mit der Münchehäger Deponie – weder von dem Umfang der Deponie noch von der Art der Stoffe und der Lagerung noch von denjenigen, die letztlich die Kosten solcher Verfahren zu tragen hätten. Es habe außerdem seinerzeit gute Gründe gegeben, die Schadstoffe nicht um jeden Preis zu entsorgen. Der Preis habe beispielsweise sein können, dass eine Müllverbrennungsanlage auf dem SAD-Gelände gebaut worden wäre – mit der Konsequenz, sie zu späterem Zeitpunkt auch von anderen Deponien nutzen zu lassen. Der Imageschaden, den Münchehagen durch die SAD erlitten habe, sei so sicherlich nicht wieder gutzumachen gewesen.

Fragen wie die, ob „Agent Orange“ aus den Beständen eines Hamburger Unternehmens tatsächlich dort liege, ob beim Bau der Dichtwand gepfuscht worden sei und wie sich denn mittlerweile der Deponiekörper verändert habe, kamen aus dem Publikum. Hüsemann empfahl den Zuhörern – und auch den Bürgerinitiativen – sich mit diesen Fragen an das Bewertungsgremium zu richten. Das seien die Herren, die Auskunft geben könnten – und einer von ihnen sei der von den Kommunen beauftragte Sachverständige.

Durch die Behauptungen der Bürgerinitiativen sei viel Angst hergestellt worden, sagte Braselmann abschließend. „Auf der anderen Seite können wir den Bürgerinitiativen aber dankbar sein, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät.“ Inwieweit die SAD tatsächlich noch „ein Thema“ in Münchehagen ist, ließ sich nicht einschätzen. Die Anzahl der Besucher war überschaubar.

Braselmann sagte jedenfalls zu, weiter über die Sonderabfalldeponie zu informieren. Demnächst will sie einen Vertreter des Bewertungsgremiums zur öffentlichen Diskussion nach Münchehagen bitten.

Von Beate Ney-Janßen

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