Traugott Wrede verlässt Kolleg 

Schon seit der Oberstufe hat er den Namen „Pastor“ weg

Bis Monatsende ist Traugott Wrede noch Rektor des Pastoralkollegs mit Sitz in der Evangelischen Akademie Loccum.

Loccum - Von Beate Ney-Janßen. Als Rektor des Pastoralkollegs der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover beendet Traugott Wrede seine berufliche Laufbahn. Mit einem Gottesdienst am Freitag, 19. August, ab 15 Uhr in der Loccumer Klosterkirche und mit Landesbischof Ralf Meister als Prediger wird Wrede in den Ruhestand verabschiedet.

Der Abschied aus Loccum ist für Traugott Wrede ein Thema, nicht aber der Abschied aus dem Berufsleben. Obwohl er Anfang September offiziell im Ruhestand sein wird. Von Loccum ist er bereits nach Hermannsburg gezogen – Hermannsburg, das wie Loccum eine Hochburg evangelischer Bildungseinrichtungen ist und in dessen Nähe er aufwuchs. Mit dem Ort ist er vertraut, hat dort viele alte, aber auch schon neue Bekannte und freut sich auf die Zeit dort. Im Beruf, sagt er, sei aber noch so viel zu tun, in diesen wenigen letzten Tagen in Loccum. Da sei der Abschied noch nicht nah.

Anfang 2008 kam Wrede nach Loccum, um das kleinste der evangelisch-lutherischen Institute dort zu leiten. Fortbildungen für Pastoren bietet das Pastoralkolleg an, 35 bis 40 Kurse pro Jahr, viele, aber nicht alle in der Akademie Loccum, in der auch Wrede sein Büro hat. Die Verwertbarkeit für den Alltag von Pastoren spiele zwar eine Rolle in den Kursen, sagt Wrede, das stehe aber nicht an erster Stelle. So ist es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn neben den Kursen, in denen der theologische Diskurs im Mittelpunkt steht, auch Singen, Bildhauern, spirituelles Laufen oder Literatur der Inhalt sind.

Eine „Traum-Aufgabe“ nennt Wrede das, was er in den vergangenen acht Jahren machen durfte – die weitestgehende Freiheit in der Gestaltung der Kurse, das kleine Team, das so gut zusammenpasste, das Einladen von Referenten aus theologischen Fakultäten, von denen etliche auch heute noch Kontakt zu ihm halten, und nicht zuletzt auch, dass er „ganz viel Theologie treiben“ konnte. „Ich habe doch nur Dinge getan, die mir Spaß machten“, sagt er schmunzelnd. Und wer habe schließlich schon einen Beruf, wo er einfach mal sagen könne „Jetzt lade ich mir Martin Walser ein“? Das hat Wrede getan und den Schriftsteller zur Teilnahme an einem Kurs und zu einer öffentlichen Lesung in Loccum überreden können. Eines der Highlights seiner beruflichen Laufbahn, wie er bekennt.

Die Sache mit dem „Theologietreiben“ ist es auch, die ihn sagen lässt, dass sich mit Loccum für ihn etwas gerundet habe. Mit einem Theologie-Studium habe er schließlich begonnen und nach Jahren als Gemeindepastor in Langen und Winsen sowie einer Zeit als Polizeipfarrer sei er eben genau dort – bei der Theologie – wieder angekommen, als er nach Loccum ging. Den Pfarrern immer wieder bewusst zu machen, dass sie auch Theologen sind, ist ihm stets im Pastoralkolleg ein Anliegen gewesen – so gern er selbst auch alle Facetten des Gemeindelebens vom Bauausschuss über die Kasualien bis hin zu den Aufgaben als Freizeitgestalter genossen hat.

Seinen Entschluss, Theologe und Pastor zu werden, hat Wrede nie bereut und dieser Entschluss habe schließlich auch schon mit zwölf oder 13 Jahren festgestanden, sagt er. Sein Spitzname in der Oberstufe – gänzlich ohne Spott gesagt – sei „Pastor“ gewesen. Lediglich Bauer zu werden hätte für ihn auch einen gewissen Reiz gehabt. Weshalb er in Loccum immer besonders die Weide mit der grasenden Muttertierherde zwischen Akademie und Kloster mochte. Die sanftäugigen Tiere an den Zaun zu locken und ihnen eine Weile die Stirn zu kraulen – das wird ihm von Loccum sicherlich fehlen.

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