Was Teilnehmer sonst so machen

„Joint Cooperation“: Vom Sakko in die Feldbluse

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Oberstabsgefreiter Stephan Nachtigall ist ein Profi in Sachen Media, bei „Joint Cooperation“ konnte er seine ganze Berufserfahrung einbringen.

Nienburg - Die internationale Übung „Joint Cooperation“ am Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr (ZentrZMZBw) unter der Leitung von dessen Kommandeur, Oberst Joachim Miller, ist beendet. Der Großraum Nienburg hatte sich für eine Woche in das fiktive „Framland“ in Nordeuropa verwandelt. Mehr als 300 Soldaten aus 20 Nationen trainierten die Kernaufgaben der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (englisch Civil-Military-Cooperation  / CIMIC). Mit dabei waren auch Reservisten der Bundeswehr. Über einige von ihnen berichten wir heute – und darüber, was sie so machen, wenn sie nicht in einer Bundeswehr-Uniform stecken.

Von Dehli nach Nienburg: Zwei Mal im Jahr ist Oberst Stefan Roth im Verlauf einer Reservedienstleistung in Nienburg anzutreffen – die Teilnahme an der Übung „Joint Cooperation“ ist davon „ein Pflichttermin“, erklärt der 54-jährige Betriebswirt. Das internationale Flair der Übung ist für ihn nichts Neues. Als kaufmännischer Direktor des Landesbüros der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Indien und davor im Südsudan gehören die Koordination von Projekten und die Kooperation mit Partnern in aller Welt zum Tagesgeschäft. Unter anderem organisiert Roth die Arbeit des Landesbüros und stellt die Aufgabenverteilung der verschiedenen Arbeitsbereiche sicher. Daher vertrat der erfahrene Reservist Oberst Matthias Mattes als Chef des Stabes, der bei „Joint Cooperation“ als Übungsleiter die Fäden in der Hand hielt.

Das Multitalent: „Joint Cooperation“ lag ein ausgefeiltes Szenario zugrunde, erdacht von einem multinationalen Team aus Soldaten und Reservisten. Einer von ihnen war Leutnant Jonas Rösel aus Trier. Im zivilen Leben ist er als Seminarleiter tätig. Zuvor studierte er Geschichte, Islam-Wissenschaften und Jüdische Studien an der Universität Heidelberg. Kompetenzen, die er auch als Offizier am ZentrZMZBw nutzen kann, wo er 2013 seine militärische Heimat gefunden hat.

Als Zugführer ist der 27-Jährige auch im Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 in Altenstadt anzutreffen. Dort ergänzt er seine fachliche Verwendung um praktische Erfahrungen in der Truppe. „Beides wird ihm in einem Auslandseinsatz zugutekommen, auf den er sich gegenwärtig vorbereitet“, berichtet Nienburgs Pressestabsoffizier Bernd Weiser. Im Rahmen von „Joint Cooperation“ unterstützte Rösel den Kommandeur bei der Durchführung der Dienstaufsicht und der Wahrnehmung internationaler Übungsgäste.

Die Männer hinter den Kulissen

Die Männer hinter den Kulissen: Zwei von 240 Spezialisten der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (CIMIC) und ebenfalls bei einer Reservedienstleistung bei „Joint Cooperation“ waren Oberstleutnant Peter Schulze aus Syke und Major Dr. Oliver Münch aus Munster. Die beiden Mittvierziger kommen aus der Wirtschaft, Schulze ist als Systemingenieur und Münch als Leiter einer Logistikabteilung tätig.

Bei „Joint Cooperation“ waren sie im „Reach Back“ eingesetzt und unterstützten die CIMIC-Teams mit ihrem Fachwissen. Können sie neue Informationen vor Ort nicht überprüfen oder werden weitere benötigt, beispielweise über die Infrastruktur einer Region, kamen Schulze und Münch ins Spiel. Gemeinsam mit anderen stellten sie dem CIMIC-Personal vor Ort das Wissen zur Verfügung, das für die Bewertung einer Lage gebraucht wird. Auch außerhalb der Übung stellen Experten wie Oberstleutnant Schulze und Major Münch fachliche Informationen aus offenen Quellen für verschiedene Einsatzgebiete zusammen.

Mit „objektivem“ Blick: Für Oberstleutnant Ulrich Baade war die Reservistentätigkeit am ZentrZMZBw ein Heimspiel. Der gebürtige Nienburger ist mit der Clausewitz-Kaserne gut bekannt. Er hat seine aktive Dienstzeit sowie seine ersten Jahre als Reserveoffizier bei den Nienburger Grenadieren verbracht. Seit acht Jahren ist Baade als Reservist in der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit tätig und war zudem Angehöriger des Kreisverbindungskommandos in Esslingen. Vor einem halben Jahr kehrte er nach Nienburg zurück, in seine Heimatstadt ebenso wie in „seine“ Clausewitz-Kaserne. Treu geblieben ist er auch der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Seine zivilberufliche Erfahrung als Redakteur und Pressesprecher bringt er in die Informationsarbeit des ZentrZMZBw ein.

Journalist in Uniform

Vom Sakko in die Feldbluse schlüpfte Oberstabsgefreiter Stephan Nachtigall. Der studierte Historiker und Politologe ist Pressereferent an der Technischen Universität Braunschweig und war zuvor mehrere Jahre beim Mitteldeutschen Rundfunk und für den Westermann-Verlag in Braunschweig als Redakteur und Autor tätig. Nachtigall war das zweite Mal für eine Reservedienstleistung beim ZentrZMZBw zu Gast. Als gelernter Medien-Fachmann war er im Pressezentrum der Übung „Joint Cooperation“ eingesetzt. Dort konnte er seine zivilberufliche Qualifikation und seine Erfahrungen bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Bundeswehr einbringen – „auch eine gewinnbringende Form der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit“, so Weiser.

Dafür hatte Nachtigall seinen Anzug mit einer Uniform getauscht. Als Journalist in Uniform hat er sich schnell in das internationale Umfeld und an die fiktive Lage gewöhnt. Zu seinen Stärken gehören aber auch interkulturelle Kompetenz, rhetorische Flexibilität in deutscher und englischer Sprache und Einfühlungsvermögen. Mit diesen Fähigkeiten ist er schon fast ein „CIMICer“ – er versteht das zivile Umfeld und ist dennoch Soldat. 

bw / hen

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