Moorbad: Auszug aus der Geschichte

Im stärksten Jahr 275 Badewannen

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Das Moorbad Blenhorst hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und wartet nun auf seine Wiedereröffnung.

Blenhorst - Eine wechselvolle Geschichte hat das im Jahr 1842 entdeckte Moor mit den Heilwasser-Quellen in Blenhorst, wo nach den Aufzeichnungen des ehemaligen Betreibers Dietrich L. Lehmann um das Jahr 1900 herum der Beschluss zum Bau eines Kurhauses fiel. Anfang Mai 1905 eröffnete der damalige Bad-Besitzer Katzenstein das Gebäude mit 32 Betten, Gaststube und großem Saal.

Im Ersten Weltkrieg

Gefangenenlager

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besetzte das Militär alle Gebäude und machte sie zum Gefangenenlager. Nach dem Krieg kam der Badebetrieb nur schlecht wieder in Gang. Der Komplex stand erstmals zum Verkauf. Dem Pächter Papenhausen kam aber der Sanitätsrat Stünkel beim Erwerb der Immobilie in die Quere, denn Stünkel hatte mehr Goldmark auf den Tisch gelegt. Er nahm 1927 eine große Renovierung vor und erschloss neue Kreise an Gästen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs war der Aufschwung wieder zu Ende – der Betrieb war zum Lazarett geworden. Nach dem Krieg gab es einen Neuanfang, der aber mangels Kapital gegenüber Staats- und Kommunalbädern schwierig war: So mussten die Badegäste zunächst ihr eigenes Reinigungsmaterial und Lebensmittel mitbringen, wenn sie in den heilenden Moorbrei steigen wollten.

Im Herbst 1962 erfuhr Dietrich Lehmann, Vater von Dietrich L. Lehmann, als 40-Jähriger vom beabsichtigten Verkauf des Moorbades Bad Blenhorst. Er hatte zwar mit seiner Frau Wilma eine eigene Praxis in Vlotho, aber er hatte den Wunsch nach einer größeren Aufgabe. Lehmann übernahm das Ruder, entfernte das alte Badehaus und baute ein wesentlich größeres und moderneres Kurmittelhaus. 1963 ging es dann los unter der Regie von Dietrich und Wilma Lehmann. Nach und nach verordneten die Ärzte aus der weiteren Umgebung immer häufiger Moorbrei-Bäder und Massagen. Die Zahl der Patienten stieg rasant – auch wegen der zunehmenden Motorisierung: Immer mehr Frauen erwarben einen Führerschein und konnten – als damals größte Patienten-Gruppe – selbst zum Moorbad fahren. Zu dieser Zeit verfügte die Familie Lehmann über 65 Holzmoor-Wannen, die ein Böttcher (Fassbauer) aus Asendorf hergestellt hatte.

1970 kam ein Bewegungsbecken mit Schwefel-Sole-Quellwasser hinzu, später ein noch größeres Becken im Kurmittelhaus. Das war im Jahr 1976, als Dietrich L. Lehmann und Ehefrau Inge einstiegen. Er, der älteste Lehmann-Sohn, besuchte die Hotelfachschule am Tegernsee, ließ sich am Klinikum Essen zum Krankengymnasten ausbilden, arbeitete an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie in einer Nienburger Praxis. Sie hatte parallel in Essen eine Ausbildung als Masseurin und medizinische Bademeisterin absolviert.

Die Zahl der Mitarbeiter im Moorbad stieg, es gab Anpassungen in den Bereichen Technik und Therapeuten-Leistung. Und es kamen immer mehr Moor-Wannen hinzu. Dietrich L. Lehmann ließ diese in den 80er-Jahren in Uchte aus Kunstharzgewebe bauen. Das Muster, die sogenannte Negativ-Form, lieferte Lehmann selbst: Sein doch recht stattlicher Körper war das Maß aller Dinge, „damit jeder darin Platz hat“, wie „Dieter“ Lehmann sagt. Insgesamt waren, so erinnert er sich, im umsatzstärksten Jahr 1988 sage und schreibe 275 Moor-Badewannen im Einsatz. Weitere technische Veränderungen, zu denen insbesondere ein von Lehmann entwickelter Warmwasser-Wärmetauscher gehörte, halfen dabei, Energie einzusparen.

Patienten warten bis

zu sechs Wochen

Der Patienten-Andrang stieg und stieg, es gab Wartezeiten von bis zu sechs Wochen. Der Platz für Patienten und die zu dem Zeitpunkt 43 Mitarbeiter reichte nicht mehr aus. Es sollte einen Neubau auf einem benachbarten Grundstück geben, doch das Geld fehlte. Zudem äußerten sich die Krankenkassen dahingehend, dass die Qualität der dickbreiigen Bäder zu hoch sei und Ärzte diese nicht mehr verordnen sollten. So nahmen bis zum Jahr 2000 die Einnahmen ab, während die Kosten für Heizöl und Strom stiegen. Eine Schließung des Betriebes bahnte sich an. Trotz hohen finanziellen Aufwands der Lehmanns blieben Verbindlichkeiten beim Staat und einem Kreditinstitut. Das Gericht setzte einen Verwalter ein, der aber „kontraproduktiv“ gehandelt habe, wie sich Dietrich L. Lehmann erinnert. Danach durfte das Ehepaar Lehmann den Betrieb so lange weiterführen, bis ein Käufer gefunden war.

hen

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