Bauarbeiten in Loccum beginnen

Ein Kloster bekommt Campus-Charakter

In Priors Garten wird ein Neubau an die Bibliothek entstehen – demnächst werden Werner Lemke (links) und Oliver Wolf den Entwurf dazu präsentieren. - Fotos: Ney-Janßen

Loccum - Von Beate Ney-Janßen. 17 Millionen Euro sollen im Kloster Loccum investiert werden, um das Predigerseminar fit für veränderte Bedingungen zu machen. Die Bauarbeiten beginnen in diesen Tagen.

Bislang ist nicht viel zu spüren von dem, was auf das Kloster zukommt. Ein Bauzaun steht neben dem Abthaus, in dem der Klosterförster samt Familie wohnt. Wenige Schritte entfernt, in Priors Garten, wächst die Ausgrabungsstelle vom vergangenen Jahr wieder zu. Mit einer anderen Baustelle ist einige Tage zuvor an der dem Kloster gegenüberliegenden Evangelischen Akademie begonnen worden. Der Parkplatz wird dort erweitert. Hektische Betriebsamkeit ist noch nirgendwo zu spüren. Doch das wird sich bald ändern – und einige Jahre andauern.

Baumaßnahmen sind notwendig im Kloster und an der Akademie. Denn seit in Loccum das einzige Predigerseminar der Landeskirche beheimatet ist und seit vier weitere Landeskirchen ebenfalls beschlossen haben, ihre Vikare zur Vorbereitung auf das Pastoren-Amt dorthin zu schicken, wird überlegt, was benötigt wird, um dem gerecht zu werden.

Da kommt einiges zusammen. Die erste Baustelle wird ein neues Gästehaus sein, das den Vikaren Unterkunft für ihre Wochen in Loccum bietet. Parkplätze und Seminarräume müssen in ausreichender Anzahl vorhanden sein. Und die Bibliothek des Klosters bedarf dringend einer Erweiterung. Wichtig ist den landeskirchlichen Gremien zudem, dass eine sichtbare Verbindung geschaffen wird zwischen Predigerseminar und Akademie. Mit einer Art von „Campus-Charakter“ sollen die kirchlichen Bildungseinrichtungen einander angenähert werden.

Was alte Karten sagen, finden Freia Tröger und ihr Kollege bei den Grabungen hinter dem Abthaus nicht vor – das Gästehaus wird dennoch gebaut wie geplant.

Freia Tröger kniet hinter dem alten Abthaus und sucht im Boden nach Spuren der Vergangenheit. Vier Wochen hat die Archäologin mit einem Kollegen Zeit dafür – dann kommen die Baumaschinen und wird an jener Stelle das Gästehaus gebaut. Ihr Auftrag besteht in erster Linie darin, ehemalige Gebäude nachzuvollziehen. Ein Mauerstück an einer Stelle, die Andeutung eines Raumes an anderer und die Überreste eines Zaunes sind das, was sie gefunden hat.

„Nach den alten vorhandenen Plänen hätten wir Gebäude in anderer Ausrichtung – parallel zu dem Abthaus – erwartet“, sagt sie. Parallel dazu wird das Gästehaus gebaut. Mit dieser Entscheidung sollten ehemalige Gebäudekonstellationen wieder aufgenommen werden. Den Plänen von 1746 ist aber allem Anschein nach nicht zu glauben. Im August startet die Baustelle, rund ein Jahr Bauzeit ist einkalkuliert.

Noch während dieser Zeit – im Frühjahr 2017 – soll die zweite Baustelle begonnen werden. Das Konventsgebäude, gegenüber dem Abthaus und direkt an die Klosterkirche anschließend, wird dann saniert. „Man sieht es nicht“, sagt Lemke, „aber das Holzständerwerk ist an vielen Stellen verfault.“ Gut übergetüncht seien die Schäden, meint er. Das Fachwerk sei betroffen, ebenso die Deckenbalken. „Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt“, sagt Wolf. Deshalb halten sich beide Männer bedeckt, was die Bauzeit angeht.

Im Konventsgebäude sind derzeit Seminarräume für die Vikare, sind auch Gästezimmer, die Küche des Klosters und der Speisesaal. Das alles ist während der Bauzeit nicht nutzbar. So wird also das gesamte Predigerseminar Anfang 2017 umziehen. Studiendirektorin Adelheid Ruck-Schröder, ihr Team und die Vikare werden für die Bauzeit in der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum unterkommen.

Wenn in 2017 rechts und links des Weges durch das Kloster Baustellen sind, dann werde es in manchen Bereichen wohl Absperrungen geben, sagt Wolf. Wann und wo steht noch nicht fest. Er liebäugelt derzeit mit der torähnlichen Situation zwischen Kirche und Konventsgebäude. Werde dieser Bereich gesperrt, so könne die Kirche weiter besucht werden und auch Klosterführungen seien möglich. Diejenigen, die bislang diesen Weg nutzen, um im Klosterforst spazieren zu gehen, hätten immer noch die Möglichkeit, von Akademie-Seite dorthin zu gelangen.

Ebenfalls im kommenden Jahr soll auch mit dem Anbau an die Bibliothek begonnen werden. In 2015 hat es dazu bereits Ausgrabungen in Priors Garten gegeben, dort, wo an den sogenannten Prendel angebaut werden soll. Der Architekten-Wettbewerb dazu ist abgeschlossen und die Jury hat aus 20 Entwürfen den des Kasseler Büros „Pape + Pape“ ausgewählt. Den Entwurf selbst will Lemke noch nicht zeigen, sagt nur so viel, dass der Anbau einen sehr schönen Übergang zum historischen Teil des Gebäudes schaffe. Im Erdgeschoss soll die Handbibliothek eingerichtet werden, das Magazin in den Stockwerken darüber. In der Höhe wird sich das Gebäude der alten Anlage angleichen und durch den neuen Baukörper entsteht eine von drei Seiten umschlossene Hofsituation in Priors Garten. Bald, sagt Lemke, werde der Entwurf der Öffentlichkeit vorgestellt. Unterdessen sei ein Landschaftsarchitekt beauftragt worden, sich über die Gestaltung von Priors Garten Gedanken zu machen.

Der Landschaftsarchitekt wird auch für die Gestaltung des Parkplatzes auf dem Klostergelände zuständig sein. Dort, wo seit der Feier zum 850-jährigen Bestehen des Klosters in 2013 das Himmels-Zelt als Gastronomie steht, wird dieser Parkplatz ausgebaut. Das Himmels-Zelt wird zum Herbst abgebaut. Einen gastronomischen Betrieb für Besucher möchte der Konvent des Klosters wohl gerne auch in Zukunft haben. Was die beiden Architekten aus dem Landeskirchenamt aber noch in Planung haben, ist die Verbindung zwischen Kloster und Akademie. Irgendwo dort, wo jetzt bereits der Hanns-Lilje-Weg als schmaler Fußweg vom einen zum anderen führt, wird diese Verbindung wohl geplant. Breiter und beleuchtet solle sie werden, sagt Lemke. Da der Parkplatz der Akademie bereits jetzt vergrößert wird, um den Vikaren Platz für ihre Fahrzeuge zu bieten, wird der Weg noch mehr genutzt werden.

Wenn alles nach Plan läuft, sollen sämtliche Bauten bis 2020 fertig sein.

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