Kirchenkabarettist Matthias Schlicht stellt sein Buch „Glaubenspfeffer“ vor

Feinheiten und Grobheiten des Pastorenlebens

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bad Rehburg - „Glaubenspfeffer“ heißt das Buch, das der Kirchenkabarettist Matthias Schlicht geschrieben und in der „Romantik Bad Rehburg“ vorgestellt hat. Pünktlich um 19.30 Uhr ist die Tür zum Saal geschlossen worden. So voll war der Raum zu der Lesung, dass Nachzügler keine Chance mehr auf einen Platz hatten.

„Der christliche Glaube ist von Haus aus keine lustige Religion. Das Lachen ist nicht gerade eine Hauptbeschäftigung des biblischen Gottes.“ Nachzulesen in „Glaubenspfeffer“. Geschrieben von Margot Käßmann, die das Vorwort zu Matthias Schlichts Buch beigesteuert hat. Dass es dennoch völlig legitim und eigentlich sogar notwendig ist, das Lachen auch als Christenmensch in die Welt zu tragen, begründet Käßmann einige Sätze weiter mit Luther. Der habe gesagt: „Wenn ich wüsste, dass der Herrgott keinen Humor hat, so wollte ich erst gar nicht in den Himmel kommen.“ Die Chancen für Matthias Schlicht, sich dereinst im Himmel bestens mit Luther und dem Herrgott zu verstehen, sind gut – denn für Humor sorgt er hier auf Erden schon ordentlich.

Das beweist er mit seinem neuen Buch und auch immer dann, wenn er es vorstellt. „Lesung“ hat es in der Ankündigung zu dem Abend mit Schlicht geheißen, den er dem Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum zur Aufbesserung von dessen Finanzen geschenkt hat. Über eine Lesung geht das, was Schlicht an solchen Abenden präsentiert geht dann aber doch hinaus. Den Kabarettisten in sich kann er beim schlichten Vorlesen keinesfalls verleugnen. Er liest pointiert, rollt mit den Augen, grimassiert und flirtet mit dem Publikum. Dass er dann auch immer mal wieder vom gedruckten Text abweicht und gerne ins Erzählen gerät, hat den Abend noch amüsanter gemacht.

Noch leichteres Spiel als an manch anderen Orten hat Schlicht selbstverständlich immer dann, wenn er im Landkreis Nienburg auftritt, denn schließlich verbindet ihn mit diesem eine lange Geschichte: Sein Vikariat hat er in Nienburg gemacht, hat im Predigerseminar des Klosters Loccum zunächst selbst die Schulbank gedrückt und in späteren Jahren die Ausbildungsstätte für Vikare dort geleitet. Wiedererkennung ist also bei manchem, was Schlicht kabarettistisch aufarbeitet, besonders für die Menschen aus diesem Umfeld gegeben, denn schließlich nimmt er gerne eigene Erlebnisse und Beobachtungen aufs Korn.

Sieben Beerdigungen

in zehn Tagen

In Nienburg etwa, so schreibt er in „Glaubenspfeffer“, hat er die Feinheiten – und Grobheiten – des Pastorenlebens in allen Aspekten kennengelernt. „Wie bewältigt man sieben Beerdigungen in zehn Tagen, bei denen es ständig regnet? Darf man beim Geburtstagsbesuch um 11 Uhr das zweite Stück Sahnetorte ablehnen? Wie geht man mit dem angebotenen selbst gemachten Eierlikör um, wenn es heißt: ‚Der hat schon drei Jahre in der Flasche gereift?‘ Mit welchen Ausreden kann man eine Pfarrkonferenz schwänzen?“ Antworten auf diese Fragen habe er bei Nienburgs Pastor Friedrich Holze bekommen – der selbst im Publikum saß und sich köstlich über das amüsierte, was sein ehemaliger Vikar dort auf der Bühne erzählte.

Begleitet hat den Kirchenkabarettisten an diesem Abend der Liedermacher Daniel Fernholz – mit Liedern, die mal an Reinhard Mey, mal an Hannes Wader erinnerten, die allesamt aber aus Fernholz Feder stammen. Das war schön, das war stimmig. Gemeinsam gestalteten die beiden Künstler die Zugabe und bedienten sich dazu eines Dritten: Hanns Dieter Hüsch, Vorbild von Schlicht, schrieb vor 20 Jahren das Stück „Das Phänomen“. Dieses, vorgetragen zum Schluss, machte deutlich, weshalb Schlicht dem Stolperstein-Arbeitskreis diese Lesung geschenkt hat: Diskriminierung, Rassismus, Unterdrückung – gegen diese aufzustehen, ist auch ihm ein Anliegen. Und das will er noch ein weiteres Mal tun. Auch einen Abend mit seinem neuen Programm, das er bis zum Herbst fertigstellen will, möchte er dem Arbeitskreis schenken. Wer nicht bis zu diesem nächsten Auftritt in Bad Rehburg warten möchte, kann beispielsweise am Freitag, 25. März, 21.45 Uhr, den Fernseher einschalten. In der NDR-Talk-Show ist Matthias Schlicht zu Gast.

„Glaubenspfeffer“ ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen und für 14,99 Euro erhältlich.

ade

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