Spuren des neuen Kurzentrums sind schon sichtbar

Ein Hauch von Indien mitten in Blenhorst

Bernd Lange (rechts) führt die Gruppe aus Interessierten über das Gelände des künftigen Kurzentrums.

Blenhorst - Von Julia Kreykenbohm. Neugierig schlendern die knapp 90 Gäste hinter Bernd Lange her auf das Gelände des Kurhauses Blenhorst. Eigentlich soll es darum gehen, was sich dort neues getan hat und demnächst noch tun wird – doch erstmal wird der Spaziergang für die Interessierten zu einer kleinen Reise in ihre Vergangenheit. „Hier haben wir früher als Kinder gespielt“, sagt ein Mann zu seiner Begleiterin und ein anderer deutet auf die Rasenfläche: „Hier stand früher mal die Lore.“ Man merkt, wie viele Erinnerungen an dem 3,5 Hektar großen Areal hängen und dass es für viele Balger ein fester Bestandteil ihrer Heimat ist.

Das ist mit ein Grund, warum sie auf Einladung der Wählergemeinschaft Gemeinde Balge gekommen sind. Diese hat in einer Veranstaltung im Gastronomiebetrieb des Kurhauses über verschiedene Dinge informieren wollen: Ihre Kandidaten für die Kommunalwahl, ihre Ziele – und über das Kurhaus, das in Zukunft Kurzentrum werden soll.

Als Referent hat sie einen Experten eingeladen: Bernd Lange, Vorstand der Akademie für Wissenschaft und Bildung sowie Planer des Kurhaus-Projektes. Und dieser führt nun seine Gruppe den Pfad entlang auf eine Grünfläche, wo es gerade noch etwas nach Baustelle aussieht: Planen, Steine und Holzbretter liegen stellenweise herum. Aber auch ein Graben ist zu sehen, durch den einmal ein Bach aus Sole- und Oberflächenwasser fließen soll, in dem die künftigen Gäste des Kurzentrums waten können: der Kneipp-Gang. „Dieses Gewässer wird mal in den Blenhorster Bach münden“, erklärt Lange und fügt in Erinnerung an einige Kritiker hinzu: „Es wird immer gesagt, hier passiere nichts, dabei ist schon viel passiert. Es ist ein Wunder, dass wir schon soweit sind.“

Das Projekt Kurzentrum hat schon einen langen Weg hinter sich. 2010 kamen die letzten Badegäste in das Kurhaus, im Oktober 2011 verließ der ehemalige Besitzer Dietrich Lehmanns mit seiner Familie den Kurbetrieb. Im Sommer 2014 entzog die Bank dem Verwalter das Mandat. Fortan kümmerte sich ein Mitarbeiter der Oberfinanzdirektion Hannover um die Vermarktung von Bade- und Kurhaus. Dann kam die Maico-Mannesmann-Gruppe (MMG) ins Spiel. Nach deren Plänen soll das alte Bad Blenhorst ein Ayurveda-Zentrum sein, bei dem die ortsgebundenen Heilmittel Moor und Schwefel-Sole-Quellwasser in die Therapie einfließen sollen.

„Wir werden hier keinen Wellness-Betrieb eröffnen, mit Massage und Teelicht in der Ecke“, betont Ansgar Menke von der MMG. „Bei der Ayurveda-Anwendung steht der medizinische Aspekt im Vordergrund.“ Experten aus Indien, wo diese Therapie Tradition hat, werden gemeinsam mit Hautärzten das Zepter übernehmen.

„Ich war mit meiner Frau direkt vor Ort, um es mir anzuschauen und auch auszuprobieren“, berichtet Lange. Und wie war es? „Interessant“, lautet die Antwort und mit einem schiefen Lächeln gibt er zu: „Eine kleine Marterstrecke.“ Doch die scheint die Menschen nicht abzuschrecken, im Gegenteil. „Wir trafen Leute aus ganz Europa, die jedes Jahr extra nach Indien kommen, um diese Anwendung zu bekommen.“

Wirklich funktionieren tue das Ganze jedoch nur, wenn auch die Ernährung auf Nahrungsmittel mit Ayurveda umgestellt werde. Deswegen soll der dazugehörige Gastronomiebetrieb mitziehen, nachdem er komplett renoviert worden ist. „Es wird keine Klinik werden, sondern eine Zusammenlegung alternativer Medizinen. Gesundheit, Rehabilitation aber auch Prävention sind die Schlagworte.“ Neben der klassischen, indischen Anwendung wird auch mit Klostermedizin gearbeitet, die das Wissen der Hildegard von Bingen und von Mönchen aus einem griechischen Kloster einschließt.

Blenhorst biete dafür optimale Rahmenbedingungen. „Die Geest-Landschaft ist ein Pfund und wir haben hier drei Gewässer mit top Qualität, den Blenhorster Bach, den Kreuzbach und den Moorbach. Zudem arbeiten zwei Historiker die Geschichte des Ortes auf. Es soll eine runde Sache werden.“

Lange marschiert mit der Gruppe vom Gastronomiebetrieb hinüber zum Badehaus. Das Gebäude wird den Sprung in die Zukunft nicht miterleben: Es wird abgerissen. An seiner Stelle soll ein Neubau entstehen, verkleidet mit Holz, damit er sich optisch in die Umgebung einfügt. Drei Stockwerke soll er haben und die Umrisse eines flachliegenden „E’s“ bekommen. Im vorderen Bereich sollen Schulungsräume eingerichtet werden, im hinteren entstehen Badebereiche für Frauen und Männer.

Ist der Betrieb dann richtig angelaufen, sollen auch Unterkünfte für die Gäste und Patienten gebaut werden. An die 70 sollen sich auf einmal dort aufhalten können. Bis das soweit ist, sollen die Besucher in umliegenden Hotels untergebracht werden. Insgesamt soll das Projekt sieben bis zehn Millionen Euro kosten. „Wir werden dafür aber nicht die Gemeinde anzapfen“, verspricht Lange. 30 bis 50 neue Arbeitsplätze könnten durch das neue Zentrum entstehen. Wann die Bauarbeiten beginnen, will er noch nicht prophezeien. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, nun muss die Genehmigung erteilt werden. Das kann bis zu einem halben Jahr dauern.“

Die Gruppe hat den hinteren Teil des Geländes erreicht und schreitet auf dem neu angelegten Lehmweg. Am Ende stehen drei alte Quellhäuser, die auch erhalten werden. Die Teilnehmer schauen sich in dem lauschigen Wäldchen um, in dem das Rauschen von Wasser zu hören ist. Ob man hier auch etwas verändern werde, fragt ein Mann. Lange schüttelt den Kopf: „Alles soll so natürlich wie möglich bleiben. Wir sind sicher, dass die Gäste das auch so wollen.“

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